Henning Chadde
13. März 2017

Donnerwetter!

Das Verhör: “Villa” von NAP

Steilflug in (Psych-)Rock: NAP – “Villa”, Album-Cover

“Geschichten gibt’s, die gibt es doch gar nicht”, möchte man bei einigen Entwicklungs- und Erfolgswegen denken. Und doch… Nehme man beispielweise diese: ein blutjunges Rock-Trio aus der niedersächsischen Tiefebene, sagen wir mal Oldenburg, produziert weit ab vom allgemeinen Szene-(Ein-)Fluss in stoischer Überzeugung und Eigenheit sein Debüt, bannt es in bester D.I.Y-Manier auf ein – Achtung! – Tape und ballert es kurzerhand raus an die Musikfachpressen-Welt. Kurze Zeit später zeigt sich diese hellauf begeistert, das Visions kürt das Ding gar zum Demo des Monats und wiederum noch kürzere Zeit später findet sich der Jungspund-Bomber unter Vertrag beim Berliner Rock- und Indie-Label Noisolution wieder. Mit dem Debüt auf amtlicher CD und jeder Menge Tour- und Support-Slots in der Tasche.

So geschehen mit dem Oldenburger Psych-Rock- und Light-Doom-Dreiergestirn NAP. Und ihrem Debüt-Longplayer “Villa”. Ein Debüt, welches man – vorweg genommen – ob seiner vielschichtigen Einflüsse ohne weiteres nicht in der nördlichen Flächenpampa verorten würde, sondern vielmehr in soundgewordenen, urbanen Schmelztigeln wie Berlin, oder gar noch passgenauer ob der Ausrichtung, in Göteburg oder dem seit Langem explodierendem schwedischen Psych-Stoner-Doom-Drumherum. Fürwahr, hauen die drei Musiker doch eine derart abgeklärte und selbstbewuste Mixtur aus Doom, Krautrock, Psych, gelegentlichem Stoner- und Hardrock aus der Hüfte, die staunen macht. Allein schon der Opener macht nicht nur mit seinem Titel “Donnerwetter” unmissverständlich klar, was der Hörer die nächsten 43 Minuten und folgenden acht Songs zu erwarten hat: eine schwer groovende Psychedelic-Rock-Kante, die entgegen aller staubgewordenen Genre-Erwartungen nicht nur ordentlich zum Moschen einzuladen weiß, sondern ebenso luftig und experimentell das auftischt, was augescheinlich nicht zusammen passen dürfte: da treffen Surf- und Westernanklänge auf verkiffte Hippienes, halsbrecheriche Stopps und Richtungswechsel auf Jazz-Abfahrten plus Post- und Math-Rock-Ausflüge.

Man höre diesbezüglich nur das feist treibend und doch zurückgenommene “Sabacia” oder den mit Western-Hall-besetzten Crooner “Duna”, bei dem nur ein Schelm an den frühen Ricky King denkt (siehe übrigens hierzu auch “Xurf”), bevor die Riffwände über einem zusammenbrechen. “Geht nicht, gibt’s nicht!”, ist bei NAP das Motto und man hört ihnen die pure Spielfreude und konstruktive Lust an der kreativen Destruktion förmlich an. “What the fuck iss’n das jetzt schon wieder?”, denkt man nicht selten ob dieser Einfluss- und Ideenfülle, bevor einem schnellgeschossene Nackenbrecher wie “Larva” und “Ungeheuer” erneut die Mosh-Sporen geben und augenscheinliche Slomo-Ausflüge à la “Shizo” in vermeintlicher Sicherheit wiegen. Doch auch hier: Obacht! Der Name des Songs hält definitiv, was er verspricht, denn er ist Programm. Ein Programm und Statement, das sich zugegebener Maßen manchmal nicht unanstrengend in die Ersthör-Wertung zu schleichen weiß, immer aber überraschend explosiv und durchweg positiv für die Gesamt-Ausrichtung von “Villa” gelten kann. Donnerwetter! Punkt.

NAP: “Villa”, CD, 8 Songs, 43 min., Noisolution

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Kategorien: Musik

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