Marcel Seniw
31. März 2017

Unser Neuer für den Endspurt

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin

Kann er vollenden, was Daniel Stendel verwehrt blieb? André Breitenreiter will mit Hannover 96 den Aufstieg schaffen

Irgendwie hat man es ja kommen sehen. Hannover 96 hat seinen Cheftrainer Daniel Stendel beurlaubt. Und leider muss man sagen, dass dies ein logischer und nötiger Schritt der Klubführung der Roten war, wenn der direkte Wiederaufstieg, das klar definierte Saisonziel, so ins Wanken gerät wie zuletzt geschehen. Hannover 96 steht vor dem Spiel gegen den Spitzenreiter Union Berlin nur noch auf Platz vier der Tabelle. Die offensiv erschreckend schwachen Auftritte gegen Karlsruhe und St. Pauli machten den Weg frei für den neuen Trainer André Breitenreiter. Der in Langenhagen geborene Breitenreiter hat wie sein Vorgänger Stendel selbst das Trikot von Hannover 96 getragen. Genau wie Stendel wird es dem neuen Coach somit an Identifikation mit Stadt und Verein nicht mangeln und auch den Fans wurde ein idealer Nachfolger präsentiert. In seinem letzten Spiel wurde der Beurlaubte von den Fans mit den Worten “Daniel Stendel, Du bist der beste Mann” verabschiedet – dem kann man sich trotz der letzten Ergebnisse getrost anschließen, war es doch ihm zu verdanken, dass Hannover 96 trotz des feststehenden Abstieges nicht komplett zerfiel. Schließlich war es auch ihm zu verdanken, dass endlich wieder Talente den Weg in die erste Elf gefunden haben und es ist auch sein Verdienst, dass André Breitenreiter neun Spieltage vor Ende der Saison einen Aufstiegsfavoriten auf Platz vier übernehmen darf, der noch alle Trümpfe selbst in der Hand hält. Danke, Daniel!

Man kennt sich

So blöd es auch klingen mag, man muss dennoch konstatieren, dass der Zeitpunkt des Trainerwechsels richtig gewählt wurde. Der neue Sportdirektor Horst Heldt hat noch vor der anstehenden Länderspielpause seinen neuen alten Coach installiert – Heldt holte Breitenreiter bereits zum FC Schalke – und diesem somit ein wenig zeitlichen Spielraum zum Kennenlernen seiner neuen Truppe gegeben. Zwischen beiden gab es damals zwar Differenzen, diese wurden jedoch beseitigt und beide freuen sich nun auf die erneute Zusammenarbeit. Und auch die Fans können sich auf dieses Gespann freuen, denn Heldt verfügt über ein sehr gutes Netzwerk, hat ein Händchen für Talente und mit Breitenreiter einen Trainer, den man unter anderem für die rasante Entwicklung des ehemaligen Schalker Roh-Diamanten Leroy Sané mitverantwortlich machen darf. Schauen wir also vorsichtig positiv in die Zukunft. Denn wer weiß schon so genau, was passiert, wenn Hannover 96 nicht aufsteigt?

Berlins brutal guter Lauf

Mit dem morgigen Gegner, dem 1. FC Union Berlin, bekommt André Breitenreiter den aktuell schwerstmöglichen Brocken zur Feuertaufe vorgesetzt. Denn die Berliner sind aktuell heißer als das berühmte Frittenfett. Seit neun Spielen sind die “Eisernen” aus Köpenick in der Zweiten Liga nun schon ungeschlagen und die letzten sechs Spiele wurden allesamt gewonnen. Dieser Lauf brachte das Team von Jens Keller, der sich nach eigener Aussage auf das Zusammentreffen mit seinem ehemaligen Förderer in Stuttgart und Schalke, Horst Heldt, freut, bis an die Spitze der Tabelle. Aus dem Jäger wurde somit der Gejagte. Für Hannovers Torwart Philipp Tschauner könnte genau dies ein Schlüssel zum Erfolg sein, denn jetzt habe Berlin erstmals etwas zu verlieren, verriet er im Interview mit dem Sportbuzzer Hannover. Doch ob den Berlinern, die in den letzten Jahren immer am Aufstieg schnupperten, aber in diesem Jahr unter Keller so stabil wie noch nie wirken, jetzt die breite Brust abhanden gerät, nur weil sie an der Tabellenspitze stehen, dass darf dann doch eher bezweifelt werden. Vielmehr gilt es für die Roten, den frischen Wind aus dem Trainerwechsel mitzunehmen und befreit aufzuspielen. Vor dem Spiel trennen 96 und Union vier Punkte, und die Roten wollen den Anschluss an die Spitze halten. Vor Beginn der englischen Woche mit Spielen gegen Berlin, Nürnberg und Würzburg starten die Roten also mit einem richtigen Kracher in die neue Ära Breitenreiter/Heldt. Wünschen wir ihnen eine erfolgreiche Zeit, die nächsten Freitag hoffentlich mit neun von neun Punkten und einem direkten Aufstiegsplatz belohnt wird. So ließe es sich deutlich entspannter auf die Zielgerade einlenken.

Frischer Wind versus breite Brust

Knapp zwei Wochen hatte André Breitenreiter also Zeit, seine neue Truppe kennenzulernen. Erste spielerische Eindrücke konnte der 43-Jährige während der Länderspielpause sammeln, als seine Mannschaft im Rahmen eines Benefizspiels auf den FC Schalke 04 traf. Hannover spielte gut und gewann mit 3:1. Das Ergebnis hätte durchaus höher ausfallen können, doch allzu hoch hängen darf man dieses Spiel dann auch nicht, da Schalke mit einer dezimierten Mannschaft antrat, welche fast ausschließlich aus Talenten der Knappenschmiede bestand. Um die ersten im Training angewandten Methoden auf den Platz zu bringen und diese zu verinnerlichen, war Schalke dennoch der genau richtige Gegner für Hannover 96 während der Pause. Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, ob der flüssige Kombinations-Fußball aus dem Freundschaftsspiel auch gegen die bissigen Unioner zum Erfolg führen wird, oder ob die Eisernen diesen direkt im Keim ersticken. Ein wichtiges, ein packendes Spiel steht uns ins Haus. Hoffen wir also auf ein gutes Debüt des neuen Trainers Breitenreiter und darauf, den Abstand verkürzen zu können. Denn bei einer Niederlage könnte es schon langsam eng werden mit den direkten Aufstiegsplätzen eins und zwei.

Abschießend noch mein Tipp: Hannover 96 wird mit frischem Elan in die Partie gehen, doch die Berliner sind aktuell das formstärkste Team der Liga. Breite Brust zu Gast beim frischen Wind. Kaum auszurechnen, was da morgen auf dem Platz geschehen wird. Ein Sieg zum Einstand wäre so wichtig für Mannschaft und Trainer, doch der Gegner könnte nicht schwerer sein. Ich bleibe optimistisch und tippe auf ein 2:1 für Hannover – und nein, das ist kein Aprilscherz. Hannover biegt mit Rückenwind auf die Zielgerade ein: Der Endspurt hat begonnen!

Samstag, 1. April 2017, 13 Uhr:
Hannover 96 – 1. FC Union Berlin

(Foto: Thomas Rodenbücher/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Sports

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