Susanne Viktoria Haupt
17. April 2017

Siebzehn und verliebt!

Das Lindener Apollo-Kino zeigt heute im Rahmen des WoManGay den Film “Siebzehn”

Achterbahn der Gefühle: “Siebzehn” von Monja Art, Filmplakat

Die Überschrift klingt zauberhaft – und nur zu gerne denkt man an die Zeit zurück, in der man noch ganz jung und die ersten Male so richtig verliebt war. In der eigenen Erinnerung waren diese Momente von wunderbarer Aufregung, dem damit verbundenen Bauchkribbeln, lauen Sommernächten und einem Gefühl von Unendlichkeit geprägt. Deswegen denkt man an seine Jugendlieben auch noch oder gerade im Alter von 40, 50 oder 60 Jahren so gerne zurück. Alles erschien so viel leichter, unkomplizierter und traumhafter. Wer allerdings noch alte Tagebuch-Aufzeichnungen, Gedichte oder Briefe aus dieser Zeit hat, der wird ernüchtert feststellen, dass dieses Gefühl von Leichtigkeit schnell in epischem Liebeskummer, Selbstzweifeln und jeder Menge Unsicherheit versank. Das jugendliche Herz geht mit Enttäuschungen nämlich noch ganz anders um. Denn auch, wenn die Verletzungen schneller heilen mögen, kommen sie einem doch in jungen Jahren sehr viel tiefer und schmerzvoller vor. Das eigene Ich sitzt noch nicht so fest im Sattel und kann leichter abgeworfen werden. Das Gefühl von Unendlichkeit gaukelt einem vor, dass der Kummer unendlich sein könnte. Dass man trotz aller Bemühungen immer das unbeholfene, unsichere, ungeliebte und unverstandene siebzehnjährige Wesen bleiben wird. Das zudem vor allem in der Liebe einen ganzen Haufen an merkwürdigen, schrägen und falschen Entscheidungen treffen kann. Aber dennoch: Liebe mit 17 Jahren ist wunderbar, einzigartig und prägt uns für den Rest unseres Lebens.

Paula (Elisabeth Wabitsch) ist 17 Jahre alt und eine überdurchschnittlich gute Schülerin. Musterhaft bewegt sie sich durchs Leben, bis sie sich in ihre Mitschülerin Charlotte (Anaelle Dézsy) verliebt. Charlotte hat aber einen Freund und ist daher für Paula nur in Tagträumen erreichbar. Um sich vom Liebeskummer abzulenken, geht Paula eine Beziehung mit einem Jungen ein, der allerdings echte Gefühle für sie hat. Und dann ist da noch Lilli (Alexandra Schmidt), die auch Teil dieses von Liebe durchzogenen Kosmos sein möchte und ihre Verführungskünste auch an Paula austestet. Für Paula stellt sich nun die Frage. wer sie sein möchte. Ob sie ihren eigenen Gefühlen folgen sollte oder sich dem fügen sollte, was als “normal” betrachtet wird…

Wer jetzt voreilige Schlüsse zieht und glaubt, dass es sich bei dem Film “Siebzehn” um einen normalen Coming of Age-Film mit homosexueller Liebe handelt, der sei gewarnt. Denn das Langfilm-Debüt von Regisseurin Monja Art vermag auf ganz wundersame und eigene Art die Zuschauerinnen und Zuschauer fest in seinen Bann zu ziehen und jenes Lebensgefühl mit all seinen Irrungen und Wirrungen zu transportieren, das man mit 17 in sich trägt. Und scheinbar ganz nebenbei gelingt es diesem schönen Film, zu zeigen, wie schwer es immer noch für junge Homosexuelle ist, sich die eigene Sexualität einzugestehen, und eben nicht von anderen so abgetan zu werden, als sei es “nur eine Phase”. Sehenswert und heute erstmalig im Lindener Apollo-Kino im Programm.

Montag, 17. April 2017:
“Siebzehn”, Film von Monja Art, Österreich 2016, 103 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

(Foto: Filmplakat)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Film, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel