Sebastian Albrecht
16. April 2017

Looking for Frühling

Das Osterfeuer “Faust Lichterloh” will heute dazu beitragen, den Frühling mit einzuleiten

Faust Lichterloh

Macht sich als Logo ziemlich gut, in der Realität jedoch eher nicht: Auf jeden Fall sollte beim Osterfeuer der Holzhaufen sorgsam untersucht werden, bevor er brennende Hasen enthält

Zaghaft schaute der Frühling dieses Jahr bereits vorbei, doch in den letzten Tagen wurde es im Norden nochmals kalt, nass und windig. Höchste Zeit also, den Winter endgültig zu vertreiben: Wer mit der Kirche nichts am Hut hat, wird womöglich Jahr für Jahr aufs Neue überrascht, dass Ostern schon wieder vor der Tür steht, denn im Gegensatz zu Weihnachten handelt es sich hierbei um ein bewegliches Fest, das nicht auf ein festes Datum terminiert ist. Dennoch ist der Termin leicht zu merken: Ostern fällt immer auf das erste Wochenende nach dem ersten Frühjahrs-Vollmond und damit in den Zeitrahmen zwischen dem 22. März, dem Tag nach Frühlingsanfang, und dem 25. April. Da die Mond-Zyklen in vielen Kalendern vermerkt sind, kann also jeder, der einen solchen sein eigenen nennt, selbst bequem nachrechnen, auf welches Datum Ostern im aktuellen Jahr fällt. Natürlich kann man es sich aber auch leichter machen und gleich direkt im Kalender nachschauen, wann Ostern gefeiert wird.

Einerseits bewahrt der Blick in den Kalender einen davor, an Karfreitag oder Ostermontag vor verschlossenen Ladentüren und mit leerem Kühlschrank oder ohne Klopapier dazustehen. Außerdem hat das Osterfest auch für Menschen, die am Gründonnerstag nicht zum Abendmahl gehen, durchaus seinen Reiz: Wer hat sich als Kind nicht darauf gefreut, in der Woche vor Ostern Eier bunt zu bemalen? Oder im Garten oder in der Wohnung versteckte Osterhasen zu suchen? Manch einer hat diese Tradition sogar bis ins Erwachsenenalter beibehalten. Es wird viel geschlemmt, die Familie kommt zusammen – und natürlich steht auch das Osterfeuer wieder an. Andächtig steht man mit Freunden um den brennenden Haufen aus Ästen, Zweigen, Latten und anderem alten Holz, lauscht dem Knistern, wärmt sich die Hände und trinkt vielleicht ein Bier.

Weit verbreitet ist die Annahme, das Osterfeuer beziehungsweise das Osterfest als Ganzes sei heidnischen Ursprungs und von der Kirche lediglich in ihrem Sinne umgedeutet, doch ob es diese direkte Verbindung gibt, wird von Teilen der Wissenschaft angezweifelt. Die ersten belegten Osterfeuer datieren aus dem 8. Jahrhundert. Da Feuer in vielen Kulturen eine besondere Rolle spielt, gab es auch in der vorchistlichen Zeit bereits Frühjahrsfeuer, die entzündet wurden, um die Sonne zu beschwören. Die Frage, ob das christliche Ostern diese lediglich verdrängt oder gar absorbiert hat, überlassen wir den Forschern, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Fest steht: Während die frühen Frühlingsfeste das Ende des Winters einläuteten und die Asche anschließend als Dünger auf den Feldern verstreut wurde, symbolisiert das Osterfeuer bei den Christen Jesus’ Auferstehung. Neben den normalen Scheiterhaufen gibt es mancherorts auch den martialischen Brauch, eine Strohpuppe oder einen Baumstamm mitzuverbrennen.

Ob man nun die Auferstehung Jesus zelebrieren, den Winter verabschieden und den Frühling begrüßen oder einfach nur die Zeit mit guten Freunden verbringen möchte, dieses Wochenende wird es wieder vielerlei Möglichkeiten geben, einem der zahlreichen Osterfeuer beizuwohnen und der Kälte zu trotzen. Auch das Kulturzentrum Faust ist mit von der Partie. Traditionell findet im Biergarten Gretchen mit “Faust Lichterloh” auch dieses Jahr wieder ein Osterfeuer am Sonntag statt. Und die kalten Temperaturen sind damit hoffentlich auch bald Geschichte…

Sonntag, 16. April 2017:
“Faust Lichterloh”, traditionelles Osterfeuer im Biergarten Gretchen, Kulturzentrum Faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn 18 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Lokalitäten, Tagestipps

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