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Weltraumpioniere auf ihrem Weg

von Jürgen Press      Mittwoch, 10. Juni 2009

Am kommenden Samstag spielen die Kosmopiloten beim Uni-Sommerfest im Georgengarten - ein Portrait

Wie die Triebwerk-Stufen einer Rakete abfallen, damit das Geschoss die Schwerkraft überwinden und in höhere Sphären aufsteigen kann, so erfordert auch jede Entwicklung die Trennung von verbrauchten, alten Anhängseln. Die Poesie solchen Werdens und Vergehens beschrieb sehr eindringlich Hermann Hesse in seinem Gedicht “Stufen”: “Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in and’re, neue Bindungen zu geben.”

Kosmopiloten

Gegen den Stillstand: die Kosmopiloten

Die hannoversche Band Kosmopiloten hat aus diesem Gedicht einen Song gemacht, in dem berechtigte Zweifel an jenem Ideal erhoben werden. Oft empfiehlt die Lebenserfahrung nämlich eine eher gesunde Skepsis gegenüber einem heiteren Loslassen und Abschied nehmen. Die Melancholie des Altbewährten ist schließlich auch sehr schön: “Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen. Und doch verbittet sich die Welt beizeiten, dieses schön poetische Drängen” so getextet im Song “Schöne Worte” 2008.

Nach vorne

An diesem schönen Frühlingstag sitze ich mit drei Vierteln des Quartetts Kosmopiloten im Freien, um mehr über die Entwicklungsstufen ihrer Band zu erfahren. Die Combo um den Kapitän Chris, der manchen vielleicht auch als Gitarrist der Deutsch-Metal-Band Schierling bekannt ist, gibt es jetzt seit zwei Jahren. Im Fahrwasser des charismatischen Sängers können sie seitdem, wie auf dem letzten Fährmannsfest, junges und älteres Publikum gleichermaßen begeistern. Ebenfalls dabei ist der Maschinist und Schlagzeuger Micha (Ex-Limeseed), der Erste Offizier und Gitarrist Tobi (Ex-South Of Sadness), sowie als allerjüngstes Mitglied der Crew, der neue Leiter der unteren Frequenzbereiche, André, mit brasilianischen Wurzeln. Mit ihrem abwechslungsreich komponierten, melodischen und stets nach vorne drängenden Poprock mit anspruchsvollen deutschen Texten gehören die Kosmopiloten zu den steil aufstrebenden Bands Hannovers.

3…2…1…

Bereits ein halbes Jahr nach ihrer Gründung wurden die Kosmopiloten zum Newcomer der Woche bei NDR 2 gewählt und können auf eine erfolgreiche Teilnahme bei den Bandcontests “Stars in the City” und “Sixpack” zurückblicken. Das erste Promo “3…2…1…” aus dem Gründungsjahr sowie die zweite EP “Überall” von 2008 wurden im Staccato-Studio bei Rainer Holst produziert, der den Songs einen fein geschliffenen Pop-Sound verpasste. “Es ist durchaus beabsichtigt, dass unsere Musik zum Zuhören animiert. Was nicht heißen soll, dass wir keine Power oder Tanzbarkeit mögen. Im Gegenteil, damit haben sich alle Crew-Mitglieder schon ausgiebig beschäftigt. Aber die Route der Kosmopiloten führt eher durch diverse Ohr-Wurmlöcher. Hier kann ich vieles ausprobieren, was im Metal, wo ich herkomme, nicht so angesagt ist.” sagt Sänger Chris. Oder in den Worten Rio Reisers: “Ich will Volksmusik machen, aber keine volkstümliche Musik!” Erstaunlicherweise gehören dann auch neben Reiser oder Jan Plevka von Selig einige Metal- und Alternative-Bands, aber auch Funk und Drum & Bass-Musik zu den Einflüssen der Kosmopiloten. Abgesehen von der immer präsenten Melancholie der Texte, ist das wohl einer der Schlüssel zu ihrer ausgefeilten, vielschichtigen Musik.

Kosmopiloten

Unbestreitbar auf dem Weg nach oben: die Kosmopiloten

Überall

“In Hannover scheint es Tradition zu sein, Künstlernamen mit “kosmo” zu bilden - die Beispiele Kosmonautentraum, Cosmo Zaloom oder Cosmo Klein kommen mir in den Sinn. Micha hat eine plausible Antwort: “Eigentlich war es die Idee unseres damaligen Bassisten Dirk, der aus beruflichen Gründen die Band verlassen musste…” André wirft ein: “Dirk war übrigens, wie sich später rausstellte, mein Dozent für Elektrotechnik an der Uni…” Micha: “Nachdem uns ein unanständiger japanischer Name von einer MySpace-Band weggenommen wurde, sollte es was mit ‘kosmo’ sein, so im Sinne von ‘allumfassend’ oder ‘überall’, dem Titel unser aktuellen EP. Lustigerweise werden wir immer wieder falsch angekündigt, als Kosmopoliten, Kosmologen oder Kosmo-Sonstwasse.”

Im Weltraum

Befragt nach den Zukunftsplänen der Band, verspricht Micha, “in Zukunft mehr außerhalb Hannovers zu spielen. Es soll keinen Stillstand geben, also in den immer gleichen Läden nur vor den selben Freunden zu spielen. Nach einigen Konzerten in Hamburg, Bremen und Göttingen planen wir jetzt für die neuen Bundesländer. Beim Booking hilft uns Hage von der Band Seedcake. Viel Spaß macht gerade die Tour mit der Göttinger Gruppe Luxuslärm.” Und Chris ergänzt: “Natürlich wollen wir jetzt ein Album produzieren, aber noch fehlt das nötige Kleingeld. Solange gibt es noch einige unserer EPs zu erwerben. Uns als Oldies ist irgendwie klar, dass wir nicht mehr die großen Superstars werden. Das hat viel mit Geld und Glück zu tun. Aber wir werden natürlich trotzdem so leidenschaftlich und professionell auftreten, wie es sich für wahre Weltraumpioniere gehört.”

Die Kosmopiloten live:
Uni-Sommerfest im Georgengarten, 13. Juni

(Fotos: Pressefotos)

Dieser Artikel erschien im Stadtkind, Ausgabe Mai 2009

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