Melanie Petersen
20. Juni 2009

Der Traum vom Theaterspielen

Die Proben zu „Alle kriegen dick und werden Kinder“, dem neuen Projekt des Jungen Schauspiels, haben begonnen. Die 19-jährige Corinna Haug aus Celle hat eine der weiblichen Hauptrollen ergattert. Ein Interview

Corinna Haug

Im Stück ist sie Doreen, im wahren Leben Corinna Haug

Wie hast Du von dem Projekt erfahren?

Ich habe schon vor zwei Jahren am Casting für „Romeo und Julia“ teilgenommen, damals habe ich über meine Lehrer davon erfahren. Es ist aber nichts geworden. Letztes Jahr habe ich mich nicht beworben, weil ich mein Abi gemacht habe und das zu stressig geworden wäre.

Hatten Deine Eltern da die Finger im Spiel, oder hast Du von Dir aus gedacht, Abi und Schauspiel wird zuviel?

Das kam schon von mir. Ich wollte nicht in meiner Zeit eingeschränkt sein, die ich mit meinen Freunden verbringe. Weil es die letzte Zeit ist, die man so intensiv miteinander zu tun hat, bevor man dann auseinandergeht.

Und aus der jetzigen Perspektive, nachdem Du „Romeo und Julia“ gesehen hast – in welchem Stück hättest Du lieber mitgespielt?

Bei diesem Stück fühlt es sich für mich einfach richtig an. Das liegt auch an der Gruppe. Das ist ein gutes Komplettpaket.

Das Ensemble von “Alle kriegen dick”

Mit dem Ensemble des jungen Schauspiels fühlt sich Corinna Haug wohl

Hattest Du dieses Mal mehr Angst vor einer Absage?

Diesmal bin ich ganz anders an die Sache rangegangen. Beim ersten Mal dachte ich noch, ich könnte das schaffen, weil ich schon Theater-Erfahrung hatte. Dieses Jahr hab ich mir von Anfang an gesagt, mach‘ dir nicht zu viele Hoffnungen, vielleicht wird es nichts.

Wie war das, als die Zusage kam?

Nach dem letzten Casting hieß es, dass sie uns noch am selben Abend, spätestens am nächsten Morgen anrufen würden. Ich bin an dem Abend mit einer Freundin ausgegangen, und gegen elf hat sie mir dann das Handy weggenommen, weil ich die ganze Zeit draufgeguckt habe. Für mich war klar, das war’s. Und um zwei Uhr nachts bekam ich dann eine SMS von meiner Mutter, dass der Anruf gekommen ist und ich dabei bin.

Du hast gesagt, dass Du Theater-Erfahrung hast. Ist das auch Dein Berufswunsch?

Wenn ich genauer darüber nachdenke, hab‘ ich schon seit der Grundschule bei jedem Theaterstück mitgemacht, das sich angeboten hat. Und das Oberstufen-Theater war dann ja auch schon ein bisschen professioneller. In München und Berlin hab ich schon an den Aufnahmeprüfungen der Schauspielschule teilgenommen, aber die haben mich nicht genommen.

Wie hast Du Dich auf die Castings vorbereitet?

Gar nicht. Es wurde gesagt, dass Workshops stattfinden, und ich hab einfach darauf vertraut, dass mir meine Erfahrung weiterhilft. Es ging dann mehr darum, in der Situation improvisieren zu können, sich auf das Spiel einzulassen.

Aber für die Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen hast Du Dich vorbereitet. Wie sah das aus?

(grinst) Texte lernen, Stücke lesen und vor allem die richtigen Monologe aussuchen. Man muss halt gucken, was zu einem passt. Mit Monologen aus bekannten Stücken hat man es zum Beispiel schwer. Es ist nicht leicht, damit noch zu überraschen.

Ertappst Du Dich manchmal dabei, wie Du im Alltag schauspielerst?

Sagen wir so, manchmal ist es ganz praktisch, wenn man die Kontrolle über seine Mimik hat.

In „Alle kriegen dick und werden Kinder“ wirst Du die Doreen spielen. Was kannst Du uns über sie erzählen?

Sie ist die beste Freundin von Laslo, der Hauptfigur. Für mich ist das eine sehr interessante Rolle. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich sie gekriegt habe, weil Doreen ihre eigene kleine Geschichte im Stück hat. Sie ist eine witzige, aber auch tragische Person. Ich kenne Doreen jetzt auch erst seit drei Tagen, aber ich habe sie schon richtig lieb gewonnen.

Hast Du einen Plan B, falls es mit dem Theater nicht klappt?

Vielleicht gäbe es einen, wenn ich mich länger damit beschäftigen würde. Aber ich möchte nicht, dass die Sorge, es nicht zu schaffen, zu viel Raum einnimmt. Denn dann wird der Traum immer kleiner und ist irgendwann weg.

(Fotos: Pressefotos)

Dieser Artikel erschien im Stadtkind, Ausgabe Juni 2009

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Kategorien: Bühne, Menschen

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