Helge Schneider im Pixi-Buch-Format
von Anne-Kathrein Garbe Donnerstag, 4. Juni 2009Die Hannoveranerin Dorthe Hodemacher bietet beste Unterhaltung mit ihren Hosentaschengeschichten
1 Minute für eine SMS, 3 Minuten für eine Zigarette, 4 Minuten bis die Bahn kommt, 11 Minuten Warten in der Supermarktschlange, 15 Minuten Tagesschau, 36 Minuten bei einem Glas Wein mit der Liebsten den Tag Revue passieren lassen. Das Leben findet in kurzen Sequenzen statt, wer sich Zeit nimmt, lebt gegen den Strom. Genau diesen Umstand nimmt die 30-jährige Drehbuchautorin Dorthe Hodemacher zum Anlass, Literatur zu vertreiben, die reinpasst in das beschleunigte Leben von heute. Sie weiß, dass ein Buch, das die Gedanken innerhalb weniger Minuten, in vielleicht drei Zigarettenlängen, fünf Üstra-Stationen oder beim Schlürfen eines Cappuccinos umkrempelt, bestimmt nicht dick, sondern einfach richtig gut sein muss.

Dorthe Hodemacher veröffentlicht Mini-Bücher für jede Gelegenheit
Eigener Verlag geplant
Hodemachers Hosentaschengeschichten sollen zu einem Markenzeichen werden. In Hannovers Oststadt, in der die gebürtige Hannoveranerin lebt, sind ihre Geschichten bereits heiß begehrt. Wer eine Hosentaschengeschichte ersteht, kann sicher sein, dass er bestens unterhalten wird, für etwa 30 bis 45 Minuten dem Alltag entkommt, und dass es ein nächstes Mal geben wird. Damit das nächste Mal schon beim Kaffee im Hamburger Hauptbahnhof, im ICE zwischen Hannover und München, in der Hotel-Lobby oder in irgendeiner Kneipe im deutschsprachigen Raum sein könnte, arbeitet Dorthe Hodemacher eifrig am Aufbau ihres eigenen Verlages. Bisher schrieb die Jungautorin, deren Augen das gleiche faszinierende Azur haben wie ihre ersten professionell gestalteten Muster-Heftchen, die Geschichten für die Hosentaschen selbst. In einem kleinen Kasten in Hannovers Oststadt legte sie Monat für Monat eine neue Geschichte aus und war überrascht, wie viele Menschen sich über sie freuten, sie mitnahmen, lasen und ihr dankten.
Ab August soll es die Hosentaschengeschichten im Handel geben
Künftig will Hodemacher nicht ihre eigenen, sondern Kurzgeschichten bekannter und unbekannter Autoren veröffentlichen, darunter, man möchte es fast nicht glauben, am Liebsten Helge Schneider. Auch die äußere Gestaltung überlässt sie nicht dem Zufall. Sechs Wochen trug sie ein Muster in ihrer “wilden Handtasche” mit sich, und erst, als das Papier den Härtetest überstanden hatte, entschloss sie sich für das Design, an dem nunmehr kleine Änderungen vorgenommen werden sollen. “Ich bin ein großer Fan der Pixi-Bücher. Meine Geschichten sollen wie anfangs die Pixi-Bücher in Serie, das heißt, in einer Büchlein-Box erhältlich sein, die von Gastronomen und Geschäftstreibenden abonniert werden kann.” Zwischen Kuchen, Pfefferminz-Bonbons und Kaffee werden die Hosentaschengeschichten voraussichtlich ab dem 1. August in vielen Cafés und Kneipen Wartenden, Suchenden, Bummlern und Sammlern in die Augen fallen. Um eine der wie Pralinen versiegelten Geschichten in die Hände zu bekommen, müssen Interessierte lediglich 2 Euro über die Theke schieben, und in wenigen Minuten können sie sich wie eh und je von Literatur begeistern und entführen lassen.
Die Vielfalt literarischer Spielarten
Der Verlegerin ist nicht daran gelegen, anderen ihren persönlichen Literatur-Geschmack aufzudrängen, vielmehr möchte sie in ihrem Verlagsprogramm die Vielfalt aller literarischen Spielarten berücksichtigen. Um der Vielfalt der Geschmäcker aber gerecht werden zu können, benötigt sie Berge von Kurzgeschichten, ziemlich genau mit der Länge von 10 bis 12 Normseiten. “Ich freue mich über jede Einsendung. An manchen Geschichten muss einiges geändert werden, aber in jedem Fall bürge ich als Verlegerin für die Qualität der Geschichten. Die Textauswahl wird immer meine Sache sein”, stellt Hodemacher unumstößlich fest. Ebenso überzeugt ist die Verlegerin, dass die Verfasser der eingesandten Kurzgeschichten ein Honorar verdienen, obwohl viele sogar Geld zahlen würden, um ihre Texte veröffentlichen zu lassen. “Arbeit muss bezahlt werden”, meint die Jungunternehmerin und hofft, das Honorar von derzeit 250 Euro bald aufstocken zu können. Dass sie eine Leseratte im klassischen Sinne sei, bezweifelt Hodemacher, allerdings sei sie geschichtensüchtig, egal ob es sich um Film, Hörspiel oder Literatur handele. Na, wenn da mal nicht jemand gerade einen großen Drogenhandel organisiert – total legal und berauschend sympathisch.
Kontakt:
Dorthe Hodemacher
hosentaschengeschichten@gmx.de
Eichstraße 60
30161 Hannover
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“Wilde Mischung aus Hochliteratur und Beinahe-Schund” -
Dorthe Hodemachers Hosentaschengeschichten haben sich bestens bewährt (8/2010)
(Foto: Anne-Kathrein Garbe)
Rubrik: Menschen, Literatur
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