Marcel Seniw
4. Mai 2017

Das Zünglein an der Waage

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim 1.FC Heidenheim

Hier sollte Hannover 96 morgen gewinnen, wenn das Team vermeiden möchte, im nächsten Jahr wieder in Heidenheim spielen zu müssen: die liebliche Voith-Arena

Am vergangenen Sonntag spielte Hannover 96 zum wiederholten Male zu null. Beim 1:0-Heimsieg über Fortuna Düsseldorf bekamen die Zuschauer zwar keinen fußballerischen Leckerbissen zu sehen, dafür aber einen eindeutigen Sieg nach tristem Sonntagsfußball. Hannover 96 wirkte dabei zwar stabil, doch wieder einmal nicht souverän. Mit etwas Pech hätte das Spiel gegen die Fortuna wie schon gegen Aue sogar noch mit einem Remis enden können. Als Torhüter Philipp Tschauner nach einer Ecke Düsseldorfs in der Schlussphase orientierungslos durch seinen Fünfer segelte, hielt es die Glücksgöttin dann aber doch mit den Hannoveranern. Auf der Pressekonferenz auf das Thema Souveränität angesprochen, entgegnete Trainer André Breitenreiter: “Die anderen haben die gleichen Probleme. Da spielt auch keiner souverän, sondern Stuttgart holt einen Rückstand auf nach einer schwachen ersten Halbzeit. Braunschweig ist im Chancenverhältnis klar unterlegen – muss das Spiel eigentlich verlieren gegen Sechzig, gewinnt eng. Das ist die Endphase, da zählen Siege.” Dennoch seien er und sein Team davon überzeugt, es gegen Heidenheim schon ein Stück weit besser zu machen. Und gerade in Heidenheim wäre ein souveräner Vorsprung von beispielsweise zwei Toren sicherlich sehr von Vorteil, denn die Brenzstädter sind Spezialisten am ruhenden Ball, der Hannover 96 auch in der 94. Minute noch Ärger machen könnte.

Die Schlussmänner im Fokus

Eine entscheidende Rolle könnten in einem engen Spiel die Torhüter spielen: Mit 16 vereitelten Großchancen und 14 weißen Westen stellt 96-Keeper Philipp Tschauner die Bestwerte in der Zweiten Liga. Bei Eckbällen offenbarte der 31-Jährige jedoch nicht erst gegen Düsseldorf, dass auch ein starker Rückhalt mit Standards so seine Problemchen haben kann. Und der kommenden Gegner aus Heidenheim erzielte nach Standardsituationen in dieser Saison bereits 21 Treffer – damit stenen die Süddeutschen in dieser Statistik vor 96 (20) und hinter Arminia Bielefeld (22) auf Rang zwei. Obwohl die Brenzstädter in der Rückrunde noch kein einziges Heimspiel gewinnen konnten, sollten die Roten deshalb morgen gewarnt sein, weil sie auf einen Gegner treffen, der etwas gut zu machen hat. Im letzten Heimspiel vertändelte der FCH eine 2:0-Führung gegen Arminia Bielefeld, begünstigt durch einen krassen Torwartfehler von Schlussmann Kevin Müller. Und am letzten Spieltag verloren die Schützlinge von Coach Frank Schmidt mit 0:3 bei den wieder erstarkten St. Paulianern, wieder begünstigt durch einen Aussetzer von Keeper Müller. Heidenheim möchte also vor heimischer Kulisse in der Voith-Arena endlich wieder siegen und die vergangenen Wochen wettmachen. Ein Erfolg über das große Hannover würde dem Ende der Negativ-Serie gar noch ein Schleifchen umhängen. Leider ist auch nicht zu übersehen, dass Hannover 96 ebenfalls gegen eine Negativserie ankämpft: Das Team blieb die letzten vier Auswärtsspielen ohne Sieg. Ob eine der beiden Negativserien reißen wird, hängt wohl auch vom jeweiligen Schlussmann an diesem Freitagabend ab. Die Keeper könnten also im Fokus dieser Partie stehen.

Fußball kann so ironisch sein

Der 1. FC Heidenheim belegt aktuell den siebten Rang im Tableau. Nach guter Hinrunde durfte zwischenzeitlich gar vom Aufstieg geträumt werden, doch in der Rückrunde läuft es nicht mehr rund beim Team von Frank Schmidt, das trotzdem weit entfernt von Abstiegssorgen ist. Auf ein lockeres Match stellt sich 96-Coach André Breitenreiter aber dennoch nicht ein, auch wenn die Saison für den FCH eigentlich schon gelaufen ist. Breitenreiter rechnet damit, dass Heidenheim “nach der Niederlage bei St. Pauli eine Reaktion zeigen will. … In der Rückserie stottert es ein bisschen, aber nichtsdestotrotz ist es eine Mannschaft, die insbesondere zu Hause immer enge Spiele liefert und erfolgreich spielt”, so der Chefcoach der Roten auf der Pressekonferenz. Er gehe von einem harten Fight aus, zu welchem Hannover 96 aber positiv gestimmt fahre. Man freue sich auf auf das Spiel in Heidenheim und werde dort versuchen, “endlich auch auswärts zu siegen”. Dafür wird es bei nur noch drei Spielen, wovon zwei auswärts sind, auch endlich Zeit. Schon irgendwie eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Heidenheim und Sandhausen auswärts zum Saisonende anstehen, hatte man doch vor dem drohenden Abstieg noch gehofft, nicht bei diesen “Provinzklubs” antreten zu müssen. Nun könnten sie das Zünglein an der Waage darstellen.

Bereit für den Showdown

Hannover 96 ist morgen zum Siegen verdammt und könnte einen ganz wichtigen Big Point im Aufstiegsrennen landen, denn am Montag treffen Braunschweig und Union Berlin aufeinander und komplettieren den Spieltag. Ab nächster Woche, wenn Hannover 96 auf den VfB Stuttgart trifft, werden dann alle neun Partien simultan angepfiffen. Daher kann 96 jetzt noch einmal den psychologischen Vorteil des Vorlegens nutzen und Druck auf die Konkurrenten ausüben. Mein Tipp: Hannover 96 holt einen fast souveränen 2:1-Auswärtssieg, beendet die eigene Negativserie und ist bereit für den Showdown gegen den VfB Stuttgart.

Freitag, 5. Mai 2017, 18.30 Uhr:
1. FC Heidenheim – Hannover 96

(Foto: 1846Hoirna/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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