Marcel Seniw
13. Mai 2017

Das Spitzenspiel

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das entscheidende Heimspiel der Saison gegen den VfB Stuttgart

Dieses Bild wünscht sich ganz Hannover morgen auch gegen den großen Rivalen aus Stuttgart: die Nordkurve beim Feiern des Derby-Sieges gegen Eintracht Braunschweig

Noch zwei Spieltage hat Hannover 96 vor der Brust, bevor es zur Abrechnung kommt. Das souveräne 2:0 vergangene Woche in Heidenheim reichte für die Roten nicht zur Eroberung des zweiten Tabellenplatzes, da Eintracht Braunschweig sein Montagabend-Spiel gegen den bis dahin vierten Aufstiegsaspiranten Union Berlin mit 3:1 gewann. Die Braunschweiger haben zwar das bessere Torverhältnis, allerdings weniger eigene Treffer erzielt als Hannover, was wiederum bei gleicher Tordifferenz Hannover auf den direkten Aufstiegsplatz zwei rutschen lassen könnte. Ärgerlich, dass die Roten in Heidenheim in der starken ersten Hälfte nicht noch einen dritten oder gar vierten Treffer nachlegen konnten, denn denn dies war gegen einen in Halbzeit eins verunsicherten Gegner durchaus im Bereich des Möglichen. Hoffentlich müssen wir in Hannover dieser vertanen Gelegenheit nicht nachtrauern, denn sollte am Ende nur der Relegationsplatz drei herausspringen, dann droht 96 der Rekord-Relegationssieger der Neuzeit, der Hamburger SV, als Gegner. Obwohl so ein “Rekord-Relegationssieger-Besieger”-T-Shirt – in Anlehnung an den FC St. Pauli und sein “Weltpokalsieger-Besieger”-T-Shirt kurz nach dem Millenium – und das Ausschießen der ewigen Bundesliga-Uhr beim HSV sicher durchaus Potenzial zum Verkaufsschlager hätte.

Das Restprogramm

Dank des Braunschweiger Sieges gegen Union Berlin haben sich die Hauptstädter wohl aus dem Aufstiegskampf verabschiedet. Braunschweig, Hannover und Stuttgart werden den Kampf um die direkten Aufstiegsplätze an den letzten beiden Spieltagen nun wohl unter sich ausmachen. Schaut man sich das Restprogramm an, dann hat Braunschweig das vermeintlich leichteste vor sich. Hannover 96 und Stuttgart treffen morgen im direkten Duell aufeinander. Am letzten Spieltag trifft 96 dann auf das im Niemandsland der Tabelle steckende Sandhausen und der VfB Stuttgart muss zu Hause gegen die akut abstiegsbedrohten Würzburger ran. Der BTSV trifft morgen zwar auch auf abstiegsbedrohte Bielefelder, aber am letzten Spieltag dann auf den längst abgestiegenen Karlsruher SC, welcher letzte Woche immerhin mal wieder ein Spiel gewinnen konnte. Braunschweig hat also das vermeintlich leichteste Restprogramm, wobei sich der KSC noch als fieser Stoppelkamp-Stein entpuppen könnte.

Der Kontrahent

Über den morgigen Gegner VfB Stuttgart muss man wohl nicht mehr allzuviel sagen. Neben Hannover 96 als Topfavorit in die Saison gestartet, haben sich die Schwaben im Verlauf der Saison mit den Gegebenheiten der Liga akklimatisiert und vor allem in der Rückrunde auf den letzten Drücker noch Punkte eingefahren. Stuttgart spielte zwar auch keine sensationell überragende Serie, aber der VfB steht auf dem ersten Rang – und spätestens wenn der Aufstieg geschafft ist, kräht dem “Wie” kein Hahn mehr nach. Am eindrucksvollsten bleibt jedoch der enorme Wille und der Kampfgeist der Truppe von Trainer Hannes Wolf, selbst nach Rückstand noch Partien zu drehen, wie zum Beispiel vor zwei Wochen beim 3:2-Sieg beim 1. FC Nürnberg. Hannover 96 muss also hellwach sein im Spitzenspiel schlechthin, denn das Wort “aufgeben” scheinen die Stuttgarter nicht zu kennen.

Zum Ende der Saison: das Spitzenspiel

Superlative: Nichts geringeres verdient die Partie Hannover 96 gegen den VfB Stuttgart. Der Tabellenerste gegen den Tabellendritten. Das beste Heimteam der Liga (96 mit 41 Punkten) trifft auf das beste Auswärtsteam (der VfB mit 28 Zählern). Der VfB Stuttgart ist seit sieben Spieltagen ohne Niederlage, die Roten sogar schon seit neun Spieltagen. Die beiden wertvollsten Teams der Liga (Stuttgart wird mit 41,9 Millionen gehandelt, Hannover 96 mit 32,15 Millionen) bitten zum Tanz – und dann wären da ja auch noch die beiden besten Bomber der Liga mit Martin Harnik (17 Tore) und Simon Terodde (23 Tore). Da beiden Trainern fast der gesamte Kader zur Verfügung steht und sie somit aus dem Vollen schöpfen können, dürfen wir uns wohl auf ein richtig gutes und nervenaufreibendes Spiel freuen.

Der Baldrian liegt bereit

Fakt ist: Hannover 96 ist heiß auf sein letztes, so ungemein wichtiges Heimspiel. André Breitenreiter sagte dazu: “Aktuell müsste ich 20 aufstellen, weil sie alle Bock auf das Spiel haben. Die Jungs sind topmotiviert.” Klingt nach besten Voraussetzungen für ein Spiel gegen einen Gegner, welchen wir uns alle auch in der nächsten Saison wünschen – dann aber in Liga eins, versteht sich. Damit das auch sicher und ohne Umwege klappt, braucht Hannover 96 noch zwei Siege und etwas Schützenhilfe aus Bielefeld oder Karlsruhe, wenn es nichts mit hohen Siegen gegen Stuttgart und Sandhausen wird. Ich bin sicher: Den ersten Sieg holen Breitenreiters Unbesiegbaren gegen den VfB Stuttgart durch ein packendes 3:2 in der Schlussphase. Ein hohes Ergebnis ist das nicht, weshalb alles auf den Showdown in Sandhausen hinausläuft. Die Familienpackung Baldrian liegt bereit…

Sonntag, 14. Mai 2017, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – VfB Stuttgart

(Foto: Marcel Seniw)

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Kategorien: Sports

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