Roman Kansy
30. Mai 2017

Musik zum Vermitteln, Musik zum Hände reichen

Heute Abend wird es bunt: Gemeinsam bieten Feinkost Lampe und der Kulturpalast Linden Geflüchteten eine offene Plattform zum Musizieren

Wird dem Publikum die Klänge seiner Heimat präsentieren: der syrische Rechtsanwalt und Musiker Ahed Nofal

Ja, Linden mag seine eigenen Probleme haben – zum Beispiel mit der Gentrifizierung und dem x-ten Schuppen für Plastiknägel, da kann man schon mal ins Schimpfen kommen. Aber Linden strotzt auch vor diesen kleinen Besonderheiten, die den Charme des Stadtteils in einem nicht unerheblichen Maße mit prägen: Stichwort Kulturlandschaft. Vor kurzem wurde in Linden zum Beispiel zum wiederholten Male konsequent und erfolgreich im Kontext der Kulturvermittlung das Internationale 1. Mai-Fest auf der Faust-Wiese abgehalten. Und ebenfalls unter dem Banner der Kulturvermittlung werden heute in Zusammenarbeit von Kulturpalast Linden und Feinkost Lampe nationale Grenzen und Ressentiments abgebaut. So wird zum Feiern des gemeinsamen Hierseins und der Grenzenlosigkeit ein angemessen internationales Musik-Buffet aufgetischt, dessen Spektrum von traditionellen syrischen, libanesischen und kurdischen Klängen bis hin zu Dancehall-Reggae aus Gambia reicht.

Dabei ist zum Beispiel Ahed Nofal: Der Syrer kommt aus Damaskus und ist Rechtsanwalt, Social Worker und natürlich Musiker. In seiner Heimat organisierte er im Namen der Frauen- und Menschenrechte Konzerte, heute wird er auf dem Instrument seiner Wahl, dem Oud, klassische traditionelle Musik zum Besten geben. Als Gesandter kurdischer Musik und Kultur versteht sich Ramadan Mohammed. In seiner Heimat Syrien war er als Berufsmusiker aktiv. Heute wird er auf seinem Saz das Publikum mit traditionellen Klängen einen akustischen Blick in sein Herkunftsland beschenken. Live-Erfahrung konnte er durch seinen ehemaligen Beruf bereits auf Hochzeiten und diversen Festen sammeln. Ebenfalls syrischer Herkunft ist Brin Hamo. Er kommt allerdings ein wenig moderner daher: Hamo komponiert auf seinem Keyboard hybriden Pop aus westlichen und kurdischen Klängen und ist momentan dabei, westliche Klassik auf seinem Klavier zu lernen.

Das Duo Pel wiederum versteht sich als kurdisch-syrische Gemeinschafts-Combo. Hinter dem Namen verbergen sich die beiden Musiker Khaled Suliman (Gesang) und Azad Fahro (Gitarre, Koposition). Neu sind die beiden nicht auf Hannovers Bühnen, sie konnten die Qualität ihres Soft-Rocks bereits bei mehreren lokalen Auftritten wie beispielweise der Fête de la Musique 2016 beweisen. „Erst Bayern, jetzt Hannover!“ könnte hingegen der Leitspruch von Kevin Kamara lauten. Der Singer/Songwriter aus Gambia wohnte erst einige Zeit in Bayern, wo er auf einigen kleinen Festivals auftreten durfte. Mittlerweile hat es ihn glücklicherweise nach Hannover verschlagen. Mit seinen Dancehall/Reggae-Sound versteht er sich als „Voice of the refugees from all over the world“. Seine Musik steht für die Freiheit, für die er heute Abend auf die Bühne geht.

Zu einem kunterbunten Musik-Experiment haben sich schließlich Musikerinnen und Musiker der Musikwelt zusammengeschlossen. Dort musizieren Edgar Wendt (Klarinette, Gesang) und Eike Ernst (Schlagzeug, Percussion) gemeinsam mit Jungen und Mädchen aus Syrien, dem Libanon und Afghanistan. Im Vordergrund der Idee stehen primär Trommeln, es kommen aber auch Klarinette, Akkordeon und exotische Zutaten wie das Buzuk und Rap-Einlagen hinzu. Internationales Flair und einen spannenden wie bunten Aufruf zur Verständigung bietet der heutige Abend im Kulturpalast Linden auf jeden Fall. Und wer nach den vielen interessanten Shows noch Appetit auf mehr hat, der darf sich bei der anschließenden Jam-Session mit anderen Musik-Begeisterten austoben. Heute im bunten Linden: ein offener Abend für neue Begegnungen!

Dienstag, 30. Mai 2017:
„Dasein-Klänge/Subsistence-Sounds“, Kulturpalast Linden, Deisterstraße 24, 30449 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Feinkost Lampe)

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Kategorien: Menschen, Musik, Tagestipps

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