Sebastian Albrecht
23. Mai 2017

Mood for trouble

Anlässlich des bevorstehenden G20-Gipfels in Hamburg nimmt sich der Pavillon heute Abend einer wichtigen Frage an: „Weil Gesundheit keine Ware ist“

Weil Gesundheit keine Ware ist - Diskussion im Pavillon

Ein Thema, das nicht nur in Deutschland, sondern auch global ausgiebig diskutiert wird: die Gesundheit

Der diesjährige G20-Gipfel in Hamburg wirft bereits seine großen Schatten voraus und bietet ein umfassendes Unterhaltungsprogramm für jedermann. 2015 fand auf Schloss Elmau das G7-Treffen statt, enttäuschte aber durch seine Lage, die irgendwo im bayrischen Hinterland verortet war. Durch die Presse ging ein Foto, das den damaligen US-Präsidenten Barack Obama zeigt, wie er gelangweilt mit ausgestreckten Armen auf einer Alm-Bank sitzt, im Hintergrund ein in Wolken gehülltes Gebirgspanorama, und Angela Merkels verzweifelten Ausflüchten lauscht, keinen unterhaltsameren Ort gefunden zu haben. Ziemlich blamabel für die Kanzlerin und natürlich auch für das Ansehen Deutschlands, das international endgültig den Ruf als langweilige Schnarch-Republik weg hatte.

Millionenstadt mit Herz

Ein Image-Schaden, wie ihn sich eine Top-Wirtschaftsnation eigentlich nicht erlauben durfte. Aber Kanzlerin Merkel scheint aus ihren Fehlern gelernt zu haben und ist nun gewillt, dieses Jahr die Fettnäpfchen auszulassen. Hierfür geht sie auf Nummer sicher und lädt die Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. Juli in die Hansestadt Hamburg ein, die offiziell und wissenschaftlich anerkannt die schönste, spannendste und famoseste Stadt Deutschlands ist. Auch unsere europäischen Nachbarn schauen mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid auf die stilvolle Stadt im Norden – manch ein Land würde seine Hauptstadt gerne gegen die sympathische hanseatische Großstadt eintauschen, die neben Offenheit, Kultur, Internationalität und Fisch-Brötchen obendrein auch für ihre Bescheidenheit bekannt ist.

Beste Wahl für den G20-Gipfel

Eine gute Wahl der Kanzlerin, die keine Wünsche offen lässt. Während in den Medien noch gefeiert wird, dass US-Präsident Donald Trumps Wunsch erfüllt wurde und er nun wohl von Berlin nach Hamburg mit einem coolen Hubschrauber anreisen darf – ein wichtiger Kniff Merkels, um Trumps Aufmerksamkeit und Gunst zu erlangen -, kommt dabei auch die Volksnähe nicht zu kurz, die unsere Regierungschefin demonstriert: War die Anreise für viele Bürger 2015 noch zu weit, findet das Mega-Event diesmal quasi vor der Haustür statt. Die Messehallen sind sowohl vom Karo-Viertel, aus der Schanze und auch von St. Pauli aus gut zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen, alle anderen sind schnell mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort. So werden bis zu 100.000 Fans erwartet, die lautstark ihren Polit-Stars zujubeln wollen. 15.000 Polizisten sollen dafür sorgen, dass die Liebes-Bekundungen nicht zu extrem ausfallen. Wer hätte das nach dem desaströsen G7-Gipfel gedacht, aber der Image-Schaden Deutschlands scheint damit vollständig ausgebügelt zu sein. Beliebtheitswerte à la WM 2006 werden erwartet.

Gesundheit im Fokus

Neben den Evergreens Klimaschutz und Entwicklungshilfe sollen auch andere Themen wie Gesundheit auf der Setlist und im Mittelpunkt stehen. Gegen Gesundheit haben die meisten Menschen nichts einzuwenden. Es ist aber auch ein wichtiges Thema, über deren Komplexität sich häufig jedoch erst dann Gedanken gemacht wird, wenn man sich ihrer nicht mehr erfreut. Bis dahin erscheint sie häufig als Selbstverständlichkeit. Aber auch, wer ihrer verlustig wird, weiß, dass er zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen kann, Tabletten oder eine Therapie verschrieben bekommt und am Ende meist alles gut wird. Das ist schön und dem deutschen Gesundheitssystem zu verdanken – nicht jedes Land hat ein solches, und auch das unsere hat seine Tücken und Probleme, die mit der Unterteilung in gesetzlich- und privatversichert anfangen und noch längst nicht aufhören. Vor allem, da Krankheit oder Verletzung nicht immer bloß eine Grippe oder ein gebrochener Arm bedeuten. Auch hat nicht jeder Zugang.

Das Geschäft mit dem Gesundheitssystem

Ebenfalls kein Geheimnis ist, dass Gesundheit auch ein lohnendes Geschäft sein kann – der Umsatz großer Pharma-Konzerne beispielsweise ist nicht gerade klein. Und immer wieder geraten Praktiken oder Entwicklungen in der Gesundheitsbranche in die Kritik, sei es die Privatisierung in Krankenhäusern, Kooperationen zwischen Ärzten und Arzneimittel-Herstellern oder der Patent-Schutz auf neu entwickelte Medikamente. Das aktuelle Gesundheitssystem auf den Prüfstein zu legen und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu schauen, ist also keine schlechte Idee. Ob die G20-All-Stars dazu noch in der Lage sind oder lediglich ihr bisheriges Schaffen verwalten wollen, ist aber unklar: Die Ziele sind zumindest hochgesteckt. Die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Tropen-Krankheiten oder die Verhinderung von Epidemien stehen auf dem Programm. Ob das alles reicht, ist die Frage, die sich nicht wenige stellen. Werden einmal mehr bloß Symptome angegangen oder doch auch Ursachen? Zweifel werden heute Abend im Pavillon geäußert. Weder ein privatwirtschaftliches noch das momentane öffentliche Gesundheitswesen böten die Möglichkeit, allen die Leistungen zukommen zu lassen, die sie für eine bestmögliche Gesundung bräuchten – eine Vergesellschaftung müsse her, damit niemand außen vorbliebe. Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit zur Diskussion.

Dienstag, 23. Mai 2017:
„Weil Gesundheit keine Ware ist: Alternativen zur neoliberalen Gesundheitsversorgung“, Diskussionsrunde, Pavillon Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Pavillon)

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Kategorien: Politik, Tagestipps, Unrat

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