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Neu wird Heimat

Vom Ankommen: Die Kunsthalle Faust zeigt in der Ausstellung „Neue Wurzeln“, wie 29 Menschen in Hannover heimisch geworden sind

Ihre persönlichen Geschichten sind ganz unterschiedlich, aber eines haben sie gemeinsam: Sie leben nun in Hannover

Wenn wir von Heimat sprechen, müssen wir auch immer von Wurzeln sprechen. Jeder von uns hat eine Heimat, ganz gleich, wie diese aussehen mag. Aber nicht jeder bleibt sein Leben lang an jenem Ort, den er als ursprüngliche Heimat bezeichnen würde. Einige ziehen für Ausbildung oder Studium um und andere für oder wegen der Liebe. In Zeiten von Flüchtlingsströmen, die durch Krieg, Terror und Verfolgung ausgelöst wurden, spielt aber auch diese Form des Verlassens der ursprünglichen Heimat eine immer größere Rolle. Gerade in solch einem Falle können sich die Betroffenen nicht einfach aussuchen, wo sie sich künftig zumindest vorläufig niederlassen werden. Es gibt Menschen, die bereits seit Jahren im Flüchtlingslager Zaatari im Norden Jordaniens leben, manche haben es vielleicht bis in den Norden Frankreichs geschafft und strandeten wie Heimatlose im mittlerweile aufgelösten Camp in Calais. Und auch hier bei uns in Hannover gibt es etliche Menschen, die notgedrungen ihre Heimat verlassen mussten, aber dann in der niedersächsischen Landeshauptstadt neue Wurzeln finden konnten.

Wurzeln sind wichtig, denn sie stiften uns Identität. Verlassen wir unsere ursprüngliche Heimat, bleibt diese stets tief in uns verwurzelt. Aber nur das allein reicht nicht aus, damit wir uns auch fernab von unserem Startpunkt heimisch fühlen können. Sich neu zu beheimaten ist ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert und der je nach Distanz zur ehemaligen Heimat mal kürzer, mal länger dauern kann. Und natürlich gibt es zahlreiche Fälle, in denen sich Menschen in ihrem neuen Zuhause sogar deutlich wohler fühlen als vorher und dieses gar als ihre „echte Heimat“ bezeichnen.

Der Fotograf Micha Neugebauer und die Journalistin Katharina Sieckmann haben 29 Menschen portraitiert, die in Hannover eine neue Heimat gefunden haben. Es sind Menschen, die vor Krieg geflüchtet sind, aber auch Menschen, die einfach von Neugierde und Abenteuerlust angetrieben wurden. Ihre Geschichten und Erfahrungen zeigen dabei die unterschiedlichsten Facetten und bringen zum Teil auch berührende Lebenswege zum Vorschein. Aber auch, wenn sie alle aus unterschiedlichen Gründen und auf unterschiedlichen Wegen nach Hannover kamen, haben sie dennoch eines gemeinsam. Sie sind mit Leib und Seele in Hannover angekommen – jede und jeder von ihnen trägt seinen Teil zu unserer Gesellschaft bei. Die Kunsthalle Faust zeigt die Ausstellung „Neue Wurzeln“ noch bis zum 21. Juni und macht nicht nur die Arbeit von Neugebauer und Sieckmann damit zugänglich, sondern auch ganze 29 Leben und ihre damit verbundenen Geschichten. Initiiert wurde das Ganze vom MiSO-Netzwerk Hannover e.V.

Freitag, 9. Juni 2017:
„Neue Wurzeln“, Ausstellung vom MiSO-Netzwerk Hannover e.V., Kunsthalle Faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, geöffnet: 16-20 Uhr, Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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