Susanne Viktoria Haupt
12. August 2017

Wir sind Slam City 2017!

Ende Oktober finden in Hannover erstmalig die deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften statt. langeleine.de hat dazu den Blick hinter die Kulissen

Voller Vorfreude: das Organisationsteam des SLAM 2017

Mittlerweile geistert diese Information schon etwas länger durch die Stadt: Hannover richtet vom 24. bis zum 28. Oktober die deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften 2017 aus. Eine echte Premiere und lange überfällig, denn schließlich hat der Poetry Slam in Hannover bereits eine jahrelange Tradition. Allen voran die Slams im Rahmen von “Macht Worte!”, die nicht nur in kleineren Lokalitäten ganz nah am Publikum sind, sondern seit einigen Jahren auch die Kapazität der Staatsoper sprengen und zu den regelmäßigen Highlights des kulturellen Lebens in der niedersächsischen Landeshauptstadt gehören. Es ist Zeit für langeleine.de, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, und so ganz fremd sind mir die vier Mitglieder des Teams, mit denen ich mich treffe ganz und gar nicht. Neben Poetry Slammer Bernard Hoffmeister und der Schriftstellerin und Moderatorin Ninia LaGrande gesellen sich noch meine beiden Kollegen Henning Chadde und Jörg Smotlacha mit an den Tisch. Wer in Hannover Kultur sagt, der muss eben auch Chadde und Smotlacha sagen. Insgesamt ist das Team, das sich bereits seit zwei Jahren um Planung, Organisation und Finanzierung gekümmert hat, 13 Köpfe stark. Und ihre Message ist eindeutig.

“Hannover kann spannend sein”

“Ich möchte der Szene etwas zurückgeben und den Kram auch mal selber machen”, antwortet Ninia LaGrande auf die Frage, warum Sie sich dazu entschieden hat, dieses Mammut-Projekt mitzustemmen. Und auch für die drei anderen Anwesenden ist es vor allem eine Herzensangelegenheit. Henning Chadde ist ohnehin der Daddy der hannoverschen Poetry-Szene. Er kann mittlerweile auf rund zwanzig Jahre Bühnen-Erfahrung aufbauen und hat in dieser Zeit immer wieder unter Beweis gestellt, dass es ihm weder an Mut noch an Können oder Kreativität mangelt, um aus Hannover noch etwas mehr Lebendigkeit herauszukitzeln. Sich selbst bezeichnet er als “Überzeugungstäter”. Sein Herz schlägt für Hannover und für die Kultur – und eben für diese müsse man auch kämpfen. Für Jörg Smotlacha, der nicht nur als Chefredakteur von langeleine.de unterwegs ist, sondern auch als Moderator und Kulturveranstalter und zudem als Presse- und Öffentlichkeitschef des Kulturzentrums Faust, ist Kultur auch immer etwas Gesellschaftspolitisches, das sich entscheidend auf die Zukunft der Stadt auswirken kann. Schließlich wurde im Zuge der Vorbereitungen auch eine eigene GmbH gegründet. Die Firma nennt sich “Büro für Popkultur” und soll möglichst dort anschließen, wo die Meisterschaft aufhört. Dabei soll es sich aber nicht nur um Live-Literatur drehen, sondern allgemein um neue Kultur-Konzepte und Ideen, die die kulturelle Landschaft Hannovers bereichern können. “Hannover kann ganz spannend sein”, sagt LaGrande treffend.

Längst ist der Poetry Slam in der Hochkultur angekommen: Mitinitiator Jan Egge Sedelies auf der Bühne der hannoverschen Staatsoper

Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung

So selbstsicher sich die vier Team-Mitglieder auch geben, den Weg bis zur Meisterschaft nehmen sie nicht auf die leichte Schulter. Denn sie bringen auch eine gehörige Portion Respekt vor der Größe des Vorhabens mit. Die Idee, die deutschsprachige Meisterschaft nach Hannover zu bringen, ist schon etwas älter. Zum einen war es ein Wunsch, der direkt aus der Szene kam, aber auch ein Wunsch derer, die sich in Hannover breits lange auf diesem Feld professionell austoben. Aber einfach ins Blaue wollte keiner schießen. Das Projekt sollte Hand und Fuß haben und nicht in einer Überlastung für alle Beteiligten münden. Was Hannover allerdings hat, ist nicht nur eine äußerst lebendige Slam-Szene, sondern darüber hinaus auch noch eine sehr engagierte Kultur-Szene insgesamt. Einem Schneeballsystem gleich führte ein erstes Treffen 2015 letztendlich dazu, dass das Team wuchs und wuchs und schließlich mehr als einsatz- und handlungsbereit war.

Meilensteine erfolgreich gemeistert

Als erstes galt es, die Stadt Hannover von dem großen Vorhaben zu überzeugen. Lange mussten die Mitglieder des veranstaltenden Vereines Live Literatur e.V. nicht um die Unterstützung des Kulturausschusses bitten und bekamen sofort ein hundertprozentiges “Ja” und obendrauf noch eine Finanzspritze von 60.000 Euro. Für Chadde klar ein Türöffner, der nicht nur das Vertrauen der Stadt in die Szene zeigte, sondern auch nachfolgenden Sponsoren ein klares Signal gab. Mittlerweile haben die Organisatorinnen und Organisatoren des SLAM 2017 ein Budget, das sich auf über 300.000 Euro beläuft und damit nicht nur über dem vom letztjährigen Austragungsort Stuttgart liegt, sondern obendrein viel Spielraum möglich macht. Damit haben die Macherinnen und Macher den ersten Meilenstein erfolgreich hinter sich gebracht. Zudem läuft der Vorverkauf für die Festival-Tickets bereits so gut, dass ein Teil des Projektes schon aus eigener Tasche vorfinanziert werden kann. “Slam ist ein gutes Produkt und ein junges Format”, sagt Hoffmeister. Aber ein gutes Argument waren eben auch die vergangenen Jahre der Erfahrung und der damit verknüpfte Erfolg. “Wir wissen, was wir tun”, sagt LaGrande. Das Geld sollte allerdings nicht irgendwoher kommen, sondern möglichst einen lokalen Bezug haben.

Die Spiele können beginnen: das Organisationsteam des SLAM 2017

Ein Rahmenprogramm, das sich sehen lassen kann

Die Finanzierung des Projektes war aber nur ein wichtiger Schwerpunkt, denn das Team hat sich nicht nur besonders viel Mühe gegeben, die im Oktober eintreffenden Künstlerinnen und Künstler ordentlich unterbringen und bewirtschaften zu können, sondern zudem ein spannendes und sehenswertes Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Neben einem Bücher-Bus, der sozusagen die coole Variante des traditionellen Bücher-Tisches darstellt, dürfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber auch das geneigte Publikum auf Workshops, Diskussionsrunden, Running Mic-Aktionen, Kleinveranstaltungen und sogar auf ein kleines Street Food-Festival freuen. Wer also trotz aller Bemühungen keine Karte mehr abbekommt, wird dennoch nicht auf dem Trockenen sitzen bleiben. Ziel sei es, in den Tagen der Poetry Slam-Meisterschaft mit der Kultur genau dahin zu gehen, wo die Menschen sind, so Henning Chadde. Das Kulturzentrum Faust wird dabei als Festival-Zentrum fungieren, und Hannover hat als Stadt zudem glücklicherweise den Bonus, dass auch ansonsten alle Spielorte fußläufig zu erreichen sind. Mit den groben Vorbereitungen sind sie also durch, was bleibt ist nun noch viel Detail-Arbeit.

Highlights, Highlights und noch mehr Highlights

Fragt man das Organisationsteam nach ihrem persönlichen Highlight, können sie sich kaum entscheiden. Alleine beim Anblick des Rahmenprogramms wird einem die Schwierigkeit deutlich bewusst. Zum einen werden natürlich die Spielorte genannt, die tatsächlich besonderes Entzücken entlocken können. Zwei der Halbfinals finden beispielsweise in der barocken Galerie Herrenhausen statt – und die gilt neben der Staatsoper, in der das Finale ausgetragen wird, als besonderes Schmankerl. In der Oper fand der normale Slam zwar schon einige Male statt, aber die Medienwirksamkeit sei diesmal natürlich eine ganz andere, so Chadde. Ein weiteres Highlight stellt das traditionell stattfindende Fußballspiel zwischen dem “FK Interslam” und einer lokalen Mannschaft dar. In Hannover nennt sich die Mannschaft “Madsack and Friends” und sowohl der hannoversche Entertainer und Kabarettist Desimo als auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok könnten beispielsweise mit von der Partie sein. Wirklich ernst wird es bei dem Spiel aber nicht zugehen. Sprüche-Bänder, ein Hummer und originelle Fangesänge sind traditionell Teil des Spektakels und bringen die Szene auch noch einmal außerhalb des eigentlichen Wettbewerbs auf besondere Art zusammen. Ebenso begeistert die Meisterschaft schon jetzt durch die bereits ausverkaufte Königsdisziplin des Team-Slams. Team-Slams finden relativ selten statt, da viele Team-Mitglieder aus verschiedenen Städten kommen und daher die Kosten derartiger Veranstaltungen vergleichswqeise hoch sind. Und natürlich hat auch nicht immer jede und jeder Zeit. Während der deutschsprachigen Meisterschaften ist der Team-Slam jedoch nicht nur eine feste Institution, sondern vor allem ein Publikumsmagnet.

Im Großen und Ganzen ist das allergrößte Highlight für Chadde, Smotlacha, LaGrande und Hoffmeister aber dann doch ganz einfach die Möglichkeit, einmal die gesamte deutschsprachige Poetry Slam-Szene in unserer schönen Stadt Willkommen zu heißen. Denn schließlich sind es nicht nur Gäste aus allen Winkeln Deutschlands, sondern auch aus Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Fünf Tage, mehr als 300 Künstlerinnen und Künstler, ein hochmotiviertes und versiertes Team, eine unterstützende Stadt und ein vielfältiges Rahmenprogramm. Das Slam 2017-Team kann sich schon jetzt auf die Schultern klopfen. Für alle anderen heißt es: die restlichen Tickets abbgreifen und sich ansonsten Ende Oktober von der kreativen Energie einfangen und beflügeln lassen!

SLAM 2017 – die deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften finden vom 24. bis 28. Oktober 2017 in Hannover statt.

weitere Infos und Tickets:
www.slam2017.de

(Fotos: Susanne Viktoria Haupt (1,3) und Matthias Stehr (2))

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Kategorien: Literatur, Lokalitäten

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