Susanne Viktoria Haupt
17. Juli 2017

Kulturschock in der französischen Provinz

Wenn der Traum von der Welt-Metropole auf dem Land endet: der französische Spielfilm “Ein Dorf sieht schwarz”

Beruht auf einer wahren Geschichte: “Ein Dorf sieht schwarz” von Julien Rambaldi, Filmplakat

Der deutsche Philosoph Ernst Bloch schrieb einst über die vierte Dimension, die Zeit und die damit verbundene Ungleichzeitigkeit. Ungleichzeitigkeit meint, dass die Zeit und der vermeintliche Fortschritt nicht überall gleich verlaufen. Selbige können sogar innerhalb eines Landes stark variieren. Wir kennen das Gefühl als Städter sehr gut, wenn wir einmal einen Ausflug aufs Land wagen. Denn dort scheint “die Zeit still zu stehen”. Alte Traditionen sind noch fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Fertigkeiten werden seit Generationen weitergegeben – und selbst der Tagesablauf kann sich an ganz anderen Begebenheiten orientieren, als wir es gewohnt sind. Diese Ungleichzeitigkeit zieht sich durch sämtliche Lebensbereiche. Durch die Bildung, durch die politische Einstellung, durch die eigenen Perspektiven sowie durch Wirtschaft und Kultur. Auf dem Land kann also eben alles ganz anders sein als in der Stadt. Wobei anders nicht zwangsweise schlechter bedeutet.

Für die Familie des aus dem Kongo stammenden Arztes Seyolo Zantoko (Marc Zinga) war das in den 1970er-Jahren eine reine Überraschung. Als Zantoko seine Familie darüber informierte, dass er eine Praxis in der Nähe von Paris gefunden hat, hörten alle nur “Paris” und träumten fortan von breiten Boulevards und dem pulsierenden Leben der französischen Hauptstadt. Einem Leben, das den Einstieg in eine bessere Welt als Migrant erheblich erleichtern sollte. Als die Familie jedoch im Norden Frankreichs in einem kleinen Dorf inmitten des Nirgendwo ankommt, sitzt der Schock erstmal tief. Aber nicht nur die Familie hatte mit einer deutlich anderen Umgebung gerechnet, auch die Dorfbewohner hatten nicht mit einem farbigen Arzt gerechnet. So muss sich Zantoko erstmal in der äußerst eigenwilligen Dorfgemeinschaft behaupten und um Patienten ringen, während auch seine Kinder in der Schule um Anerkennung und gegen Rassismus kämpfen müssen…

“Ein Dorf sieht schwarz” ist ein witziger, anrührender und dennoch ernster Film über die wahre Geschichte des legendären Arztes Seyolo Zantoko, der sich in der kleinen Gemeinde Marly-Gomont einen Namen machen konnte und bis zu seinem Tode im Jahr 2008 dort praktiziert hat. Heute zu sehen im Apollo-Kino in Linden.

Montag, 17. Juli 2017:
“Ein Dorf sieht schwarz”, Film von Julien Rambaldi, F 2016, 117 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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