Susanne Viktoria Haupt
31. Juli 2017

Ein Wallfahrtsort für Nerds und Geeks

Seitenansicht Spezial: Ein Besuch auf der Comic Con Germany 2017

Comics, Mangas, Merchandise und vieles mehr: die Comic Con in Stuttgart

Es ist Samstag um Viertel vor fünf in der Frühe und mein Wecker klingelt. Das frühe Aufstehen liegt mir eigentlich gar nicht, und vor fünf Uhr morgens aus dem Bett zu springen, ist selbst für ganz versierte Frühaufsteher eine Herausforderung, aber am ersten Samstag im Juli lockte mich ein ganz besonderes Event: die Comic Con Germany 2017 auf dem Messegelände in Stuttgart. Ich bin ein Whovian, ein Potterhead, ich bin sherlocked und ich liebe Comics. Ich sammle FunkoPops, Comic-Bücher und fiebere derzeit immer noch der Wahl des neuen Doctors entgegen. Eine Comic Con ist für mich also pures Vergnügen, und dafür pelle ich mich auch einmal zu so einer ungastlichen Uhrzeit aus dem Bett. Vor meinen zwei Begleitern und mir lag schließlich noch die lange Fahrt bis in den Süden Deutschlands.

San Diego als Vorbild

Die Comic Con Germany ist nicht zu verwechseln mit der German Comic Con. Zwar hat sie als Vorbild auch die große San Diego Comic Con, sie kommt aber gerade erst auf ihre zweite Ausgabe und soll auch künftig nur einmal im Jahr stattfinden. Die German Comic Con hingegen findet an mehreren Terminen im Jahr in unterschiedlichen Städten statt. Im vergangenen Jahr, bei ihrem großen Debüt, zog die Comic Con Germany direkt 50.000 begeisterte Besucherinnen und Besucher an. Ein großartiger Erfolg für die Veranstalter. Der Wunsch nach einer Wiederholung war dementsprechend groß. Auf einer Comic Con gibt es einige klassische Highlights. Neben zahlreichen Ausstellern aus dem Comic- und Merchandise-Bereich locken zum Beispiel Signier-Stunden mit Comic-Zeichnern, Cosplay-Wettbewerbe, Panels (Diskussionsrunden mit Stars oder Vorträge) und selbstverständlich auch hochkarätige Star-Gäste, die sich für Autogramme und Foto-Termine zur Verfügung stellen. Mit einem Preis von 40 Euro für ein Wochenend-Ticket ist die Comic Con Germany zudem einigermaßen günstig, so dass selbst einem schmalen Geldbeutel der Zutritt zugänglich gemacht wird.

Ein nicht ganz gelungenes Amy Pond-Cosplay, doch dafür war mein Doctor in bester Verfassung!

Zwischen Schwertern, T-Shirts, Kuscheltieren und Comics

In aller Frühe machten wir uns also mit großen Erwartungen auf den Weg und wir wurden keineswegs enttäuscht. In zwei großen Hallen schlenderten die Besucher von Stand zu Stand oder entspannten sich zwischendurch draußen auf den Wiesen. Panini glänzte mit einem großen Angebot an Comics (ein Kilogramm Comics für zehn Euro), EMP spendierte Gratis-Taschen, in denen man die besten Fundstücke verstauen konnte, Händler aus Japan zeigten dem deutschen Publikum, was echt “kawai” ist, und wer seine Schwert-Sammlung aufstocken wollte, wurde auch befriedigt. Ein breites Angebot, für das man sich Zeit nehmen sollte und für das viele Comic Con-Besucher schon Monate vorher sparten. Und dazwischen immer die wildesten, buntesten, professionellsten Cosplay-Kostüme, die man in Deutschland zu sehen bekommen kann. Mal schlendert Batman an einem vorbei, dann Wonder Woman oder auch mal ein Newt Scamander. Unzählige Fotos werden gemacht und für die allermeisten Cosplayer ist dies auch einfach eine große Ehre und Freude.

Alles, was Spaß macht

Cosplay kommt aus Japan und feiert seit den 1990er-Jahren auch in Deutschland immer größere Erfolge. Dabei geht es darum, dass Figuren als Anime, Manga, Comic, Film und Fernsehen oder aus Games möglichst originalgetreu dargestellt werden. Viele Cosplayer nähen ihre Kostüme selbst, kaufen sich teure Perücken und studieren die Gestik und Mimik ihrer Figuren ein. Wer nun denkt, dass dies nur eine Freizeitbeschäftigung für Mädchen oder junge Frauen darstellt, liegt aber völlig daneben. Denn auch viele Jungs, junge Männer und auch erwachsene Männer legen sich für ihre Kostüme voll ins Zeug. Und verwischen dabei genau wie die Mädchen und Frauen die Geschlechtergrenzen. Alles kann, nichts muss, und jeder wird für seinen Versuch bestaunt. Das Angenehme beim Cosplay ist dabei, dass es keineswegs darum geht, ob eine Frau beispielsweise einen “echten Wonder Woman-Körper” hat. Der Spaß und die Liebe zur Sache stehen im Vordergrund. Eine Entwicklung, die man nur zu gerne im Alltag sehen würde.

Ein Segen für Fans: Lego hat mittlerweile ein breites Angebot an Figuren aus den Bereichen Comic, Film- und Fernsehen

Kleine Steine, große Ergebnisse

Ein weiteres Highlight auf der Comic Con Germany ist die Lego-Modell-Ausstellung. Bereits im vergangenen Jahr begeisterte sie zahlreiche Besucher. Ausgerichtet wird sie vom ersten Lego-Verein Deutschlands, dem Schwabenstein 2×4 e.V. Und auch in diesem Jahr konnte man einfach nur staunen, was sich aus den kleinen Steinen alles bauen lässt. Von Elsas Eispalast bis hin zur Superhelden-Zentrale und eigenen Entwürfen war einfach alles dabei. An großen Tischen wurde den Besucherinnen und Besuchern zudem die Möglichkeit gegeben, sich selbst auszuprobieren und etwas eigenes zu bauen. Spaß daran hatten nicht nur die Kinder, sondern eben auch viele Erwachsene. Aber auch ansonsten ist die Comic Con Germany wirklich nichts, woran nur die Kleinen ihren Spaß haben können. Spaß ist generationsübergreifend und zeitlos – und das wurde am ersten Juli-Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Ein Held zum Umarmen

Ein ganz besonderer Höhepunkt in Stuttgart war der Besuch des Schauspielers, Entertainers und Autors John Barrowman. In Fan-Kreisen kennt man ihn vor allem als Captain Jack Harkness, der sowohl mit dem Doctor aus “Doctor Who” unterwegs war, als auch später mit “Torchwood” eine eigene erfolgreiche Serie bekam. Aber auch in anderen Universen war er schon unterwegs, beispielsweise als Ra’s al Ghul im “Arrowverse”, das sich zusammensetzt aus den DC-Serien “Arrow”, “Flash”, “Supergirl” und “Legends of Tomorrow”). Es sind aber nicht nur die charmanten Rollen in Serien, die Barrowman schlussendlich zum Erfolg verhalfen, sondern vor allem sein Auftreten jenseits des Bildschirms. So kennt man ihn auch im Batman-Kleid in Highheels und als offen auftretenden Schwulen, der sich für die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Liebe einsetzt. Barrowman versprüht eben Inspiration und Liebe, wo er geht und steht. Aber trotz seines straffen Zeitplans verbrachte er das gesamte Wochenende in Stuttgart und stand für Autogramme und Foto-Shootings zur Verfügung. Diese großartige Chance haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen und sind nun im Besitz eines Fotos mit diesem großartigen Künstler, auf dem wir aussehen, als ob uns die Sonne aus jeder Pore strahlt. Ein Moment mit viel herzlichen Umarmungen und weichen Knien auf unserer Seite.

Zusammen unter Freunden und Gleichgesinnten

Für viele Comic-Fans ist die Comic Con Germany zu einer Art Wallfartsort geworden. Manche von ihnen nahmen sogar zwölfstündige Busfahrten auf sich, um zwei Tage unter Gleichgesinnten ihre Leidenschaften ausleben zu können. Diese Leidenschaften waren genauso stark zu spüren wie die gute Laune und die allgemeine Freundlichkeit innerhalb der Szene. Man kam schnell mit anderen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch und dabei konnte man nicht nur neue Menschen kennenlernen, sondern im Getümmel auch noch alte Freunde wiederfinden, die ebenfalls den langen Weg auf sich genommen hatten.

Was dieses Erlebnis für mich und meine Mitreisenden nun bedeutet? Nächstes Jahr sind wir wieder mit dabei und fahren einfach schon Freitag, damit das frühe Aufstehen wegfällt. Grobe Pläne fürs Cosplay 2018 haben wir auch schon. Vielleicht die Paternoster Gang. Oder was in Richtung Steampunk. Gut ist, dass der Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt sind.

(Fotos: Eike Kastner (1), Susanne Viktoria Haupt (2,3))

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Kategorien: Literatur, Lokalitäten, Medien, Menschen

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