Susanne Viktoria Haupt
5. August 2017

Der Bau ist eingerichtet

Alle gegen einen, aber gegen wen überhaupt, und was bringt uns das? “Der Bau oder Die Gründung des Fight Club Dachs” im Theater an der Glocksee

Eine Inszenierung am Zahn der Zeit: Kafkas “Der Bau” in einer kraftvollen Neu-Interpretation

“Der Bau” gehört zu den unvollendeten, postum veröffentlichten Erzählungen von Franz Kafka. Und genau wie Kafkas andere Erzählungen besticht auch “Der Bau” vor allem durch nicht greifbare Nuancen der Story und die Möglichkeit, die Geschehnisse innerhalb der Erzählung auf die Gegenwart und damit auch auf die gegenwärtige Gesellschaft zu transportieren. In “Der Bau” geht es um ein dachsähnliches Tier, dass sich einen wohl fabelhaften Bau errichtet hat. Einen Bau, der ihn vor potentiellen, nicht näher genannten Feinden schützen soll. In dieser vermeintlichen Sicherheit und ausgestattet mit ausreichend Vorräten gibt sich das Tier einem Leben aus Schlafen und Essen und seliger Ruhe hin. Bis es urplötzlich ein Zischen vernimmt, dessen Ursache es sich nicht erklären kann. Fortan steht nur noch die Ergründung der Ursache dieses Geräusches im Fokus. Das Tier wirkt wie besessen. Besessen von dem Gedanken einer potentiellen Bedrohung und dem Trieb, sich gegen eben diese abschotten zu müssen.

Man muss kein Genie sein, kein Intellektueller und kein Kafka-Fan, um zu begreifen, wie gut diese Geschichte als Parabel auch für unsere heutige Zeit dienlich ist. Und wie gut der Dachs als Allegorie für beispielsweise den “besorgten Bürger” funktioniert, der nun mal am liebsten satt und ruhig schlafend, abgeschottet von allen Gefahren sein Dasein begehen möchte.

In ihrem aktuellen Stück “Der Bau oder Die Gründung des Fight Clubs Dachs” lässt das Theater an der Glocksee nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauerinnen und Zuschauer Teil des Geschehens werden. Alle befinden sich gemeinsam in diesem einen festen Bau und müssen sich verbünden, um sich gegen den Feind wirksam abzuschotten. Fraglich ist bei allem jedoch, ob es “den Feind” überhaupt gibt, und was das eigentlich mit uns macht, wenn wir uns wie besessen abschotten wollen. Eine kraftvolle Inszenierung von Milena Fischer, die wirklich sehenswert ist.

Samstag, 5. August 2017:
“Der Bau oder Die Gründung des Fight Club Dachs”, Inszenierung von Milena Fischer, Theater in der Glocksee, Glockseestraße 35, 30169 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 14 Euro, ermäßigt: 10 Euro

  • weitere Aufführungen:
  • Mittwoch, 9. August, 20 Uhr
  • Freitag, 11. August, 20 Uhr
  • Samstag, 12. August, 20 Uhr
  • Mittwoch, 16. August, 20 Uhr
  • Freitag, 18. August, 20 Uhr
  • Samstag, 19. August, 20 Uhr
  • Mittwoch, 23. August, 20 Uhr
  • Samstag, 26. August, 20 Uhr
  • Mittwoch, 6. September, 20 Uhr
  • Samstag, 9. September, 20 Uhr
  • Mittwoch, 20. September, 20 Uhr
  • Freitag, 22. September, 20 Uhr
  • Samstag, 23. September, 20 Uhr
  • Mittwoch, 27. September, 20 Uhr

(Foto: Pressefoto/Theater an der Glocksee)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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