Jörg Smotlacha
4. August 2017

Der Fährmann trotzt der Flut

Das Fährmannsfest hatte dieses Jahr mit allem möglichen Unbill und den Wettergöttern zu kämpfen, es hält für seine Fans aber wie immer jede Menge Highlights parat

Als der Fährmann noch über schwimmende Bühnen nachdenken musste: das Festival-Gelände eine Woche vor dem Fest

Die gute Nachricht ganz vorweg: Das Fährmannsfest findet auch im 34. Jahr seines Bestehens ganz normal statt! Doch was ist beim Fährmannsfest schon normal? Da gab es die Premiere mit Moulin Rouge und The Undermen, bewegte Ausgaben mit hannoverschen Legenden wie Jane, Fury In The Slaughterhouse, Terry Hoax oder den Abstürzenden Brieftauben, die Chaostage und ein riesengroßes Durcheinander, das “Eine-Welt”-Festival im Jahr 2000, ewige Diskussionen um den stets schmalen, aber für viele schon ab 3 DM zu teuren Eintrittspreis, plötzlich eine tolle zweite Bühne, ein Kinderfest, das sich sehen lassen durfte, und vieles mehr. Und natürlich nicht zu vergessen den schönsten Backstage-Bereich der nördlichen Hemisphäre – oder wo sonst gibt es einen Strand als Backstage?

In diesem Jahr aber musste der Fährmann arg kämpfen, eigentlich gar so arg wie nie. Zunächst wurde sein beliebtes Kinder- und Kulturfest in Frage gestellt. Natürlich von niemandem persönlich, aber dann doch ganz bedrohlich durch gestiegene Anforderungen im Bereich Sicherheit und Emissionschutz. Konkret: Aufgrund der aktuellen Entwicklungen sind die Kosten in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Damit das Musik-Festival auch in Zukunft mit geringen Eintrittspreisen und dem eintrittsfreien Sonntag durchgeführt werden kann, war eine finanzielle Unterstützung des Kinder- und Kulturfestes durch öffentliche Zuschüsse unerlässlich. Und die kam dann glücklicherweise auch zustande: Es gab Zuschüsse von der Landeshauptstadt Hannover in Höhe von 8.000 Euro und vom Bezirksrat Linden-Limmer in Höhe von 2.250 Euro, die halfen, für die nötige Infrastruktur zu sorgen, um – wohlgemerkt den eintrittsfreien Teil – des Fährmannsfestes zu decken und zu retten.

Doch damit nicht genug, denn dann kam plötzlich das Hochwasser. Ganz Niedersachsen klagte über steigende Ufer und Fluss-Pegel und letzlich stand noch vor ein paar Tagen auch die gute alte Fährmannsinsel total unter Wasser. Unser Titel-Foto zeigt das ganze Drama: Noch vor einer Woche war völlig unklar, ob und wenn ja, welche Teile des Fährmannsfestes stattfinden können. Und wieder war die Kulturbühne gefährdet. Denn wenn man sich auf die sichere und trockene Seite hätte retten müssen, hätte das Fährmannsfest ausschließlich auf der Faust-Wiese stattgefunden, wo nur eine der beiden Bühnen möglich gewesen wäre, also hätte es möglicherweise ein eingeschränktes Fest ohne die in den letzten Jahren so beliebte Kulturbühne gegeben.

Aber was soll man sagen: Der Fährmann hat seine Ufer zurückerobert, das Fest findet statt, und es gibt wie immer jede Menge Highlights: Die Sterne zum Beispiel, Sondaschule, Fiddler’s Green und Großstadtgeflüster sowieso, aber auch die Abstürzenden Brieftauben (nach 28 Jahren wieder dabei!), The Brew, die SpVgg Linden-Nord und den Poetry Slam, das Kinderschminken, tolle Falafel und eine matschige Wiese (hey, das ist ein Festival!) und natürlich eine der schönsten Locations für so ein Fest überhaupt: unser Fährmannsufer, dort, wo Ihme und Leine aufeinandertreffen. Wir sehen uns am Fluss!

Freitag, 4. August (bis Sonntag, 6. August) 2017:
Fährmannsfest 2016, Weddigenufer, 30167 Hannover, Eintritt: 15 Euro (Tagesticket), 22 Euro (Wochenend-Ticket im Online-VVK, Sonntag Eintritt frei), Beginn: 16 Uhr

das volle Programm und ausführliche Informationen zum Fährmannsfest:
www.faehrmannsfest.de

(Fotos: Pressefoto/Fährmannsfest)

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Kategorien: Lokalitäten, Musik, Tagestipps

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