Joyce Kuhn
13. August 2017

Schauder und Sinnlichkeit

Das Wilhelm Busch Museum präsentiert Füsslis schaurig-schönen “Nachtmahr” und zeigt den Einfluss des schweizerisch-englischen Malers auf die Karikatur

So unheimlich und anzüglich, dass Füssli damit einen Skandal auslöste: “Der Nachtmahr”, um 1781

Als Johann Heinrich Füssli 1782 in der Royal Academy in London die erste seiner drei Versionen des “Nachtmahr” präsentiert, trifft er mit seinem Werk mitten ins Schwarze und löst einen Skandal aus. Denn in seinem Bild kommt wirklich alles zu einem Feuerwerk der düsteren Bedrohlichkeit und verbotener Anziehung zusammen: Ein geisterhaftes Pferd mit leeren Augen und davor ein unheimlich grinsender Gnom – in der Mythologie Alb genannt –, der auf der Brust einer schlafenden Frau sitzt. Dem Alptraum ausgeliefert, liegt sie ergeben auf dem zerwühlten Bett und strahlt dabei vielmehr Lust als Qual aus.

Füsslis Alptraum findet dementsprechend irgendwo zwischen Realität und Wahn, zwischen Angst und Erotik statt. Kein Wunder also, dass der Schweizer Maler mit dem “Nachtmahr” schon 1781 alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Mythen, die sich um Füssli rankten – etwa der, er äße blutiges Schweinefleisch vor dem Schlaf und würde Opium konsumieren, um ähnlich dunkle Visionen wie die des Bildes heraufzubeschwören -, befeuerten den Hype um sein Werk nur weiter. Dabei griff Füssli auf ein schon damals uraltes Motiv zurück und bediente sich nur sowohl in der Literatur, der Kunst und der Medizin. Die Mischung aus Sinnlichkeit und Schauder funktioniert eben immer. Auch heute noch.

Doch die Aufmerksamkeit um Füsslis Werk ebbte in der Folgezeit kaum ab, und so schrieb sich sein Motiv in Literatur, Film und Kunst ein und inspirierte zahllose Künstler zu eigenen Arbeiten. Auch Karikaturisten nutzten den “Nachtmahr” – allein in der Zeit von 1781 bis 1820 lassen sich um die 100 vorwiegend politisch ausgerichtete Karikaturen finden, die auf Füsslis Bild verwiesen. Unter dem Titel “Vom Sublimen zum Lächerlichen” lädt das Museum Wilhelm Busch Museum derzeit noch bis zum 15. Oktober ein, eine Reise durch die Geschichte des “Nachtmahrs” in der Karikatur anzutreten. Dafür zeigt das Museum seinen eigenen Bestand an Karikaturen, an denen sich die Wirkung des schaurig-schönen Alptraums Füsslis ablesen lässt und präsentiert außerdem das Original: Als Leihgabe des Frankfurter Goethe-Museums ist der “Nachtmahr” endlich auch in Hannover zu sehen: sofern man sich denn traut, dem skandalträchtigen Alptraum, der Angst und der Lust in Person gegenüberzutreten.

Sonntag, 13. August 2017:
“Füsslis Nachtmahr”, Ausstellung, Wilhelm Busch Museum, Georgengarten, 30167 Hannover, Geöffnet: 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Oktober
  • Öffnungszeiten: Di bis So 11-18 Uhr

(Foto: Pressefoto/Museum Wilhelm Busch)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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