Marcel Seniw
18. August 2017

Welcome back zur Primetime!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Erstliga-Comeback von Hannover 96 beim FSV Mainz 05

Gehen hoffnungsvoll in die neue Saison: die Spieler von Hannover 96

Geschafft! Hannover 96 hat sein klar definiertes Saisonziel, den direkten Wiederaufstieg, erfüllt und darf ab diesem Wochenende wieder im Konzert der Großen mitspielen – zumeist zu altgewohnten Anstoßzeiten ab 15.30 Uhr. Doch neben der Uhrzeit des Anpfiffs wird es eine weitere grundlegende Veränderung für unsere Roten geben: 96 geht nicht mehr in fast allen Spielen als klarer Favorit in seine Partien. Der Gejagte muss nun zum Jäger werden – und um jeden einzelnen Punkt kämpfen, was die Beine und das Regelwerk hergeben. Denn: Einen klaren Abstiegskandidaten festzumachen, fällt in dem in diesem Jahr extrem ausgeglichenen Teilnehmerfeld der 1. Bundesliga sehr schwer, oder?

Abstiegskandidat Nummer eins?

Bei vielen Experten steht das Team aus Hannover aber dennoch bereits als Abstiegskandidat fest. Sport 1 sieht zwar den FC Augsburg noch hinter 96 auf Platz 18, aber allgemein gilt André Breitenreiters Mannschaft für Medien, Experten und Öffentlichkeit als das gefährdete Team schlechthin in dieser Saison. Doch Breitenreiter sieht diesen Prognosen gelassen entgegen. Seine Mannschaft habe eine gute Vorbereitung abgeliefert (Sechs Siege und drei Remis bei einer Niederlage) und sich bestmöglich auf die kommenden Aufgaben vorbereitet, um „jeden, der uns als Abstiegskandidat Nummer eins sieht, eines Besseren zu belehren“, so der 42-Jährige auf der Pressekonferenz kurz vor Saisonstart. Zu konstatieren bleibt aber: Hannover 96 muss sich auf dem Transfermarkt noch einmal bemühen, denn mit dem gerade frisch zum Kapitän ernannten Edgar Prib fehlt den Roten ihr bester Vorlagengeber der Aufstiegssaison aufgrund eines Kreuzbandrisses für unbestimmte Zeit, mindestens jedoch für sechs Monate. Seine Standards ebneten 96 den Weg zum Aufstieg und werden sicherlich schmerzlich vermisst werden im Kampf um den Klassenerhalt.

Baustelle Außenbahn

Und damit nicht genug: Mit Uffe Bech (Meniskusriss) und Noah Joel Sarenren-Bazee (Sehnenriss) fallen zwei weitere Außenbahnspieler auf unbestimmte Zeit aus. Wieder einmal Bech, wieder einmal Sarenren-Bazee. Horst Heldt muss sich also nicht nur auf Transfers konzentrieren, um den Konkurrenzkampf zu intensivieren, nein, er muss sich um Spieler bemühen, die Hannover 96 sofort weiterhelfen können. Diese Worte kennt man noch aus der Abstiegssaison von Heldts Vorgänger Martin Bader, ihre Priorität steht dieser Tage wieder einmal außer Frage. Bislang wurden mit Michael Esser (Torwart) und Julian Korb (Außenverteidiger) zwei Spieler für insgesamt fünf Millionen Euro verpflichtet, hinzu kommen die ablösefreien Pirmin Schwegler (defensives Mittelfeld), Matthias Ostrzolek (Außenverteidiger) und Yousef Emghames (offensive Außenbahn). Während die erstgenannten vier für Hannover 96 eine sofortige Verstärkung darstellen könnten, verhält es sich bei Emghames ein wenig anders. Eigentlich soll dieser erst 19-Jährige aus der Jugend des FC Bayern zunächst einmal in den U-Mannschaften aufgebaut werden, doch durch die Ausfälle der arrivierten Kräfte und der bislang fehlenden Alternativen könnte es der Jungspund früher als gedacht in Hannovers Aufgebot schaffen. Beim morgigenAuftakt gegen den FSV Mainz 05 steht der Linksfuß allerdings noch nicht im Kader.

Ein Wandervogel für zehn Tore

Horst Heldt erklärte auf der Pressekonferenz zum Auswärtsspiel in Mainz, dass die „Transferaktivitäten noch nicht abgeschlossen“ seien und dass man „über mehrere Offensivkräfte” nachdenke. Für den Sturm wurden in den letzten Wochen auch gleich diverse Namen gehandelt. Nach einem heftigen Flirt mit Anthony Ujah, der in China jedoch noch bis zur Winterpause verbleiben soll und somit aus dem Raster fiel, wurde vor allem Luuk de Jong von PSV Eindhoven mit 96 in Verbindung gebracht. Auch Schweinsteiger-Kollege David Accam von Chicago Fire wurde als Verstärkung für den Sturm gehandelt, doch letztlich wird die erhoffte Verstärkung, die zehn Saisontore garantieren soll, wohl aus Russland kommen. Jonathas, ein 28-jähriger Brasilianer von Rubin Kasan, wird für die vereinsinterne Rekordablöse von 6,5 Millionen Euro zu Hannover 96 wechseln. Im Gegensatz zu Luuk de Jong, der bereits in Mönchengladbach scheiterte, versprechen sich die Verantwortlichen von dem Brasilianer mehr Ballsicherheit, mehr Tempo und somit mehr Tore. Zudem soll der Wandervogel, der in seiner Vita in jedem Jahr einen neuen Verein stehen hat, mit einem zuvor bei 96 nicht dagewesenen Gehalt von drei Millionen Euro jährlich endlich sesshaft gemacht werden. Jonathas ist also der Name, der Hannover zum Klassenerhalt ballern soll – mal schauen, wie das bei einem gewissen Niclas Füllkrug ankommt, der sich in der Vorbereitung und im Pokal als treffsicher gezeigt hat und immerhin als Derby-Held gefeiert wird.

Kann Horst Heldt die Qualität in Hannovers Kader noch erhöhen?

Wenn Horst Heldt jetzt noch ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt beweist und zwei richtig gute Außenbahnspieler verpflichtet, die einschlagen und die Qualität des Kaders merklich erhöhen, dann darf man gespannt sein, ob Hannover 96 auch nach zehn Spieltagen noch als Abstiegskandidat Nummer eins in der öffentlichen Wahrnehmung gilt. Ich sehe jedenfalls neben 96 auch Vereine wie den FC Augsburg, den SC Freiburg und selbstverständlich den Hamburger SV sowie den kommenden Gegner Mainz 05 als abstiegsbedroht an, und auch wenn ich noch keine Experten-Meinung dahingehend vernommen habe: Auch der VfB Stuttgart muss erst einmal wieder in der ersten Liga ankommen!

Der erste Gegner: Mainz 05

Der FSV Mainz 05 hat eine schwierige Saison hinter sich gebracht. Als sich der VfL Wolfsburg im Winter die Dienste des Mainzer Spielmachers Yunus Malli sicherte, geriet der FSV in eine Abwärtsspirale, die beinahe im unerwarteten Abstieg ihr Ende fand. Die 05er konnten sich jedoch gerade noch retten und gehen nach einer einvernehmlichen Trennung von Trainer Martin Schmidt nun mit Sandro Schwarz als neuem Chefcoach in die Saison. Die Mainzer kommen also mit frischem Wind in den Segeln daher – und sie haben auch einige Transfers getätigt, bei denen man einen gewissen Aha-Effekt verspürt. Mit René Adler (Hamburger SV) fürs Tor und Alexandru Maxim (VfB Stuttgart) für die Offensive haben die Mainzer definitiv zwei aufsehenerregende Neuverpflichtungen. Adler verfügt nicht nur über Erfahrung im Abstiegskampf, sondern durfte auch schon diverse Male international sein Können zeigen. Seine Verletzungsanfälligkeit stand einer größeren Karriere leider im Weg, doch in Mainz sucht der mittlerweile 32-Jährige eine neue Herausforderung. Und mit Maxim holen sich die Mainzer einen Spieler, der beim VfB Stuttgart zwar aufgrund fehlender Konstanz nie die ganz großen Erwartungen erfüllen konnte, aber für geniale Momente immer gut ist – speziell bei ruhenden Bällen. Maxim bringt jedenfalls viel mit, und wenn die Erwartungshaltung an ihn nicht mehr ganz so hoch ist, wie noch in Stuttgart, dann könnten die Mainzer einen wahrlich großartigen Transfer getätigt und ihren Malli-Ersatz endlich gefunden haben. Nicht zu vergessen bleibt aber, dass Mainz mit Cordoba seinen Knipser an den 1.FC Köln verloren hat. Im Gegenzug holte man dafür Viktor Fischer aus Middlesbrough, der nun für die Tore sorgen soll, auch wenn er eher als Außenbahnspieler denn als Mittelstürmer angesehen werden darf. Daher fällt es aktuell schwer, den FSV Mainz 05 so richtig einzuordnen. Eines ist sicher: Gegen den Aufsteiger 96 zählt für den FSV nur ein Sieg.

Was bringt der erste Spieltag?

Hannover 96 ist unter Trainer André Breitenreiter in Pflichtspielen noch ungeschlagen. Und es wäre sehr wünschenswert, dass diese Bilanz weiter ausgebaut werden kann. Für einen Aufsteiger – auch wenn 96 nicht als typischer Aufsteiger zu betrachten ist – ist es wichtig, gegen potenzielle Abstiegskandidaten zu punkten, am besten dreifach. Mit einem Sieg könnte Hannover obendrein die Aufstiegs-Euphorie konservieren und sogar neu entfachen, was für einen Lauf sorgen könnte. Doch auch der FSV Mainz 05 ist heiß auf den Saisonstart und will in der heimischen Opel Arena gleich mal eine Ansage an die Konkurrenz richten. Da schmeichelt es der 96er-Seele doch, dass die Roten ihre letzten sieben Auftaktspiele in eine Saison nicht mehr verloren haben und dabei immer mindestens doppelt trafen. Daher mein Tipp für das Auftaktspiel in Mainz: Auch ohne Abwehrchef Salif Sané, der noch rotgesperrt fehlen wird, werden die Roten ihren Auftakt erfolgreich absolvieren und mit 2:1 siegen. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und tippe auf den Doppelpacker Niclas Füllkrug. Welcome back at 15.30 Uhr, Hannover 96!

Samstag, 19. August 2017, 15.30 Uhr:
FSV Mainz 05 – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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