Marcel Seniw
26. August 2017

Mit Hilfe von oben gegen den Ex mit dem Musterschüler

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Schalke 04

Hofft darauf, dass seine weiße Weste als 96-Chefcoach auch im ersten Bundesliga-Heimspiel gewahrt bleibt: André Breitenreiter

Das Erstliga-Comeback ist Hannover 96 am vergangenen Samstag in Mainz geglückt. Das Spiel war zwar alles andere als Feinkost für verwöhnte Fußballfans, aber am Ende standen drei ganz wichtige Punkte für die Roten zu Buche. Mit Mainz wurde ein direkter Kontrahent im Kampf um den Kassenerhalt mit 1:0 bezwungen – und gerade auswärts ist die Frage nach dem “wie” für einen Aufsteiger völlig irrelevant. Dennoch gut zu wissen: Martin Harniks Tor-Riecher hat den Liga-Wechsel gut verkraftet, ebenso wie Vorbereiter Matthias Ostrzolek seine Zeit beim Hamburger SV. Nun steht allerdings das erste Heimspiel für André Breitenreiters Mannschaft an – und der Gegner FC Schalke 04 ist dann doch ein etwas härteres Kaliber als der FSV Mainz 05.

Wiedersehen mit dem Ex

Für Trainer André Breitenreiter und Manager Horst Heldt steht morgen obendrein ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Klub bevor. Für beide stelle die Begegnung etwas Besonderes dar, da man alte Weggefährten und Freunde treffe, erklärte Breitenreiter auf der Pressekonferenz zum kommenden Spiel. Darüber hinaus freue man sich bei Hannover 96 auf das erste Heimspiel in der Bundesliga und ein hoffentlich erfolgreiches Spiel, so der 43-Jährige. Und die Chancen für ein erfolgreiches Spiel stehen gar nicht so schlecht, denn die Roten verloren von den letzten fünf Partien (inklusive eines Testspiels) nur ein Spiel gegen Königsblau. Das Problem an der Statistik ist allerdings, dass der FC Schalke 04 mit seinem neuen, jungen und dementsprechend hungrigen Trainer Domenico Tedesco einen Mann an der Seitenlinie stehen hat, der schon im April dieses Jahres den Roten – damals noch mit Erzgebirge Aue in der Zweiten Liga – ein Bein stellen konnte. In einem knappen Spiel trennten sich die Roten seinerzeit 2:2 von Tedescos Veilchen.

Der Muster-Laptop-Trainer

Domenico Tedesco stammt aus einer neuen Trainer-Generation, die man an urigen Stammtischen gerne mal auf Laptops reduziert. Im selben Jahrgang mit Hoffenheims “Frischling” Julian Nagelsmann schloss der 31-Jährige als Jahrgangsbester mit 1,0 ab. Soweit die Theorie, doch Tedesco konnte sein theoretisches Können auch in der Praxis bereits beweisen, indem er den akut abstiegsgefährdeten FC Erzgebirge Aue vor dem Gang in die dritte Liga rettete. Sehr eindrucksvoll dabei: Von den ersten 18 möglichen Punkten holten Tedescos Veilchen stolze 13. So gesehen scheint der junge Trainer nicht viel Anlaufzeit zu brauchen, um seine Mannschaften auf Kurs zu bringen. Bester Beweis, dass dies auch auf Schalke gilt: Am ersten Spieltag musste sich Vizemeister RB Leipzig bei den Knappen mit 2:0 geschlagen geben. Der Musterschüler scheint jedenfalls schneller auf Schalke anzukommen als viele seiner Vorgänger. Fraglich bleibt jedoch, wie der Deutsche mit italienischen Wurzeln bei den Fans ankommen wird, denn zwar siegte er bei seinem Bundesliga-Debüt gegen den für die aktive Fan-Szene unbeliebtesten Klub überhaupt, doch die Degradierung von Schalkes Ex-Kapitän Benedikt Höwedes auf die Bank könnte in einem Wechsel des Weltmeisters enden und zu neuer Unruhe führen.

Mit Hilfe von oben

In der letzten Kolumne habe ich bereits auf Hannovers bevorstehenden Rekordtransfer aufmerksam gemacht. Jonathas Cristian de Jesus Mauricio, kurz Jonathas, kam für 9 Millionen Euro von Rubin Kasan und soll Hannover 96 mindestens zehn Tore garantieren. Und ganz ehrlich: Mit der Hilfe von ganz oben sollte der Klassenerhalt doch geritzt sein, oder nicht? Hauptsache Jonathas musss nicht gleich in seinem ersten Spiel einen Elfmeter schießen, denn das hat schon einen der letzten neu transferierten Stürmer irgendwie verbrannt bei 96. Doch kommen wir lieber wieder zu den irdischen Themen. Hannover 96 geht als Außenseiter in die Partie gegen den FC Schalke. Auch der Auswärtserfolg in Mainz ändert daran nichts.

Ein Sieg wird schwer

Aus Sicht der Schalker wird es interessant sein, zu beobachten, wie sich Tedescos Team gegen eine Mannschaft schlägt, von der nicht unbedingt erwartet wird, dass sie das Spiel macht. Im Spiel gegen Leipzig konterten die Schalker zwar clever, doch das Spiel musste das Team um Neu-Kapitän Ralf Fährmann nicht selbst aufziehen. Gegen 96 könnte das jedoch der Fall sein – und genau deshalb fällt mir ein Tipp für dieses Spiel auch schwer. Mit einem Sieg der Roten rechne ich zwar nicht unbedingt, dafür wiegt der Erfolg Schalkes über Leipzig zu schwer, doch zwischen einem Unentschieden und einer 0:3-Reibe könnte alles möglich sein. Vielleicht reicht den Roten aber auch ein sauber herausgespielter Konter, so wie gegen Mainz. Also dann: Diese Woche tippe ich auf ein 1:1, so könnte die noch weiße Weste Breitenreiters als Cheftrainer von Hannover 96 im ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg gewahrt bleiben. Doch ganz ehrlich: Es wird schwer mit einem Punktgewinn für die Roten, trotz der Hilfe von Jesus, pardon, Jonathas. PS: Es bleibt abzuwarten, wie sich der Fanboykott der 96-Ultras auf das Spiel auswirkt, dazu dann in der nächsten Kolumne mehr.

Sonntag, 27. August 2017, 18 Uhr:
Hannover 96 – FC Schalke 04

(Foto: Thomas Rodenbücher/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Sports

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