Sebastian Albrecht
4. September 2017

Fahr’n, fahr’n fahr’n in der Straßenbahn

Das Apollo-Kino wirft heute einen Blick zurück auf die Geschichte der Landeshauptstadt: “Hannover in den 70er Jahren – längst vergessene Straßenbahnen”

Straßenbahn

Never mind the “Schönsten Bahnstrecken Deutschlands”: Here’s the “Hannover in den 70er Jahren – längst vergessene Straßenbahnen”

Die wenigsten Menschen begeistern sich für Umzüge. Klar ist es schön, in eine neue Wohnung zu ziehen oder einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Und sicher, Schätze, die man dabei findet, wie beispielsweise alte Liebesbriefe aus der Schulzeit oder ein längst vergessenes Album einer unterschätzten Band, haben schon etwas für sich. Aber im Prinzip ist Umziehen Stress pur. Selbst wenn die Inneneinrichtung so karg ausfällt wie in einem buddhistischen Kloster, stapeln sich unweigerlich nach kurzer Zeit die Umzugskartons bis zur Decke und es stellt sich die Frage, wie sich der ganze Kram überhaupt ansammeln konnte, als habe man nie im Leben etwas weggeschmissen. Die böseste Überraschung wartet aber immer im Keller. Kisten über Kisten, alte Möbel, kaputte und funktionierende, aber völlig veraltete Elektro-Geräte und Müllsäcke mit undefinierbaren Inhalt sind nur einige Dinge des Sammelsuriums. Wer schon einmal in einer WG gewohnt hat, weiß, dass gefühlt über die Hälfte der Sachen bei einem Umzug ehemaligen Mitbewohnern gehört, die längst in fremde Städte gezogen sind. Trotzdem verdoppelt sich das Hab und Gut mit dem eigenen Keller-Inhalt dann noch einmal.

Ein Gutes jedoch hat ein bevorstehender Umzug: Man sieht sein Viertel oder seine Stadt plötzlich mit anderen Augen, denn schließlich wird man sie vermutlich länger nicht mehr wiedersehen. Mal wird man sich der abgrundtiefen Hässlichkeit des bisherigen Wohnortes bewusst, manchmal auch der bezaubernden Schönheit. Und immer findet man Ecken, die einem vorher verborgen geblieben sind. Allein architektonisch gibt es häufig viel zu entdecken. So gibt es als Hamburger beispielsweise einige Geisterbahnhöfe zu entdecken, die vor langer Zeit stillgelegt oder niemals in Betritt genommen wurden. Ebenfalls zu entdecken gibt es in Hamburg einige Überreste der Straßenbahn, dessen letzte Linie 1978 stillgelegt wurde. Eins der wenigen Mankos der Hansestadt, macht eine Straßenbahn eine Stadt doch gleich liebenswerter. Trotz mehrerer Versuche wurde die Straßenbahn in Hamburg nämlich bisher nicht wieder eingeführt.

In Hannover wurde das Projekt Straßenbahn glücklicherweise bisher nicht beendet. Aber natürlich hat auch Hannover seine stillgelegten Strecken und Linien. In den 60er- und 70er-Jahren sah das Stadtbild Hannovers noch deutlich anders aus und die Straßenbahnen, damals noch keine seltsamen Hybrid-Wesen aus Straßen- und Stadtbahn, transportierten die Menschen durch die Stadt und auch heraus, und die Linie 11 verband sogar Hildesheim mit der Zivilisation. Fahrkarten kaufte man noch beim Fahrkartenverkäufer an der Haltestelle. Wer der Nostalgie frönen möchte oder sich einfach für Straßenbahnen an sich und/oder die Geschichte Hannovers interessiert, der sollte heute Abend im Apollo-Kino vorbeischauen, das den Film “Hannover in den 70er Jahren – längst vergessene Straßenbahnen” zeigt und einen Einblick gibt, welche Straßenbahn-Typen auf welchen Streckennetzen unterwegs waren. Neben Straßenbahnen werden auch Automobile aus der damaligen Zeit gezeigt.

Montag, 4. September 2017:
“Hannover in den 70er Jahren – längst vergessene Straßenbahnen”, Dokumentation von Tram-TV, D 2017, 50 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 17.30 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

  • weitere Vorstellung:
  • Montag, 30. Oktober 2017, 17.30 Uhr

(Foto: Pressefoto/Apollo-Kino)

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Kategorien: Film, Lokales, Tagestipps

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