Joyce Kuhn
6. September 2017

Im Land der Grafik

In der Ausstellung “Grafik Ost” präsentiert das Sprengel Museum aktuell Grafik-Kunst aus der DDR

“Verlorene Mitte”: Auch Wolfgang Mattheuer widmete sich in seinem Schaffen der Druckgrafik

Das Sprengel Museum öffnet seinen Fundus: Erstmals präsentiert das Museum einen Teil seiner umfassenden Sammlung an Druckgrafik aus der DDR – und zeigt damit die wohl wichtigste Kunstrichtung aus diesem diktatorischen Staat, der in der Kunst-Szene heute durchaus als “Land der Grafik” gilt. Denn das Erlernen grafischer Techniken spielte sowohl in den gut ausgestatteten Werkstätten wie auch in der Ausbildung in den künstlerischen Fach- und Hochschulen der DDR eine große Rolle, zudem – und hier liegt vielleicht der maßgebendere Grund – ließ die SED-Kulturpolitik der Grafikkunst nur wenig Aufmerksamkeit zukommen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich diese Kunstform in den 1970er- und 80er-Jahren auch in der künstlerischen Sub- und Gegenkultur wiederfand und hier, mit politischer Bedeutung aufgeladen, zum “Medium der Freiheit” wurde.

Dr. Georg Girardet war von 1978 bis 1985 als Referent in der Ständigen Vertretung der BRD bei der DDR in Ost-Berlin tätig – dabei von 1980 bis 1985 als Kultur-Referent. In dieser Position konnte er nicht nur kulturelle Veranstaltungen durchführen, wie etwa eine Beuys-Ausstellung, bei der Joseph Beuys selbst anwesend war, sondern ebenso einen engen Kontakt zu Künstlern der DDR halten. Er begann in den 1980er-Jahren, Werke von ihnen zu sammeln und stellte so über die Jahre eine große Sammlung an Druckgrafiken zusammen – die 1988 vom Land Niedersachsen erworben und dem Sprengel Museum übergeben wurden. Diese 413 Werke, darunter vor allem Druckgrafiken, aber auch Handzeichnungen und Fotografien, wurden bis heute nie gezeigt. Mit der Ausstellung “Grafik Ost” macht das Sprengel Museum jetzt endlich 100 dieser Bilder der Öffentlichkeit zugänglich und widmet sich damit nach der Ausstellung “Zeichnung Ost”, die im Jahre 2014 stattfand, erneut der DDR. Bei diesem Thema kann man das Sprengel Museum beinahe als Experten bezeichnen: Dank Vermittlungen des Galeristen Dieter Brusberg und Ankäufen der FAMAKunststiftung verfügt das hannoversche Museum heute über eine große Sammlung an DDR-Kunst und ist damit eine der wenigen westdeutschen Institutionen mit einem solchen Bestand.

Mittwoch, 6. September 2017:
“Grafik Ost”, Ausstellung, Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet: 10-18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Januar zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr
  • freitags Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Sprengel Museum/Herling/Gwose)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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