Roman Kansy
10. September 2017

Abenteuer Improvisation

Auf stetig neuen Pfaden: Heute Abend kann man in der Tonhalle Hannover im Moment geborene Jazz-Klänge des Simone Weißenfels Trios erleben

Überschreitet musikalische Grenzen und erobert neues Territorium: das Simone Weißenfels Trio

Das Simone Weißenfels Trio ist ein schwer greifbares Ding und deshalb eben gerade so interessant. Verschrieben hat sich das Trio dem Free Jazz oder Freak Jazz, wie sie ihre Interpretation nennen. Das Besondere und Spannende dabei ist, dass die geneigten Zuhörerinnen und Zuhörer eigentlich nicht wirklich wissen können, was sie erwartet. Das Genre Free Jazz erlaubt den Menschen vor und den Künstlern auf der Bühne ohnehin nur eine Ahnung des groben Rahmens, in dem sich musikalisch bewegt werden wird. Ansonsten wird vieles spontan im Moment geboren, eben improvisiert. Klang und Geräusch werden ebenbürtig behandelt, die Musiker entwickeln ihre Stücke “on the fly”. Genau das ist auch der zuweilen bizarre Pfad, den das Simone Weißenfels Trio eingeschlagen hat. Ihre grenzüberschreitende tonale Kunst lässt sich irgendwo zwischen Jazz, Impro-Musik, Avantgarde und Noise verorten.

Ohnehin hat das Trio einiges auf dem biografischen Kasten. Namensgeberin Simone Weißenfels übernimmt das Piano und arbeitet sonst als Grenzgängerin zwischen verschiedenen Genres: von klassischer Musik über Noise bis eben zu Free Jazz. Ihr Schaffen beschränkt sich aber nicht nur auf das Musizieren, zusätzlich ist die studierte Musikerin auch noch als Komponistin, Kuratorin und Leiterin verschiedener Ensembles tätig. Ihr Band-Kollege Yan Keller kommt nebenher aus der Skulptur-Kunst und hat ein Wahnsinns-Instrument im Gepäck. Sein “Steel Bass” wurde aus Teilen eines Blitzableiters gefertigt und steht für den Künstler als manifestierter Bruch mit den Strukturen des traditionellen Jazz. Ganz schön jung angefangen hat der Dritte im Bunde: Sean Derrick Cooper macht nach eigener Aussage Musik, seit er sechs Jahre alt ist. Er ist innerhalb der Band für die elektronischen Einflüsse verantwortlich. Bevor er sich allerdings der elektronischen Musik verschrieb, übernahm er in diversen Metal-Bands den Posten als Sänger oder übte sich an der E-Gitarre. Ihre renommierte musikalische Vergangenheit erlaubt es der Band, ihre eigene tonale Welt mit spannenden neuen Tonfarben zu erschaffen. Wer neugierig geworden ist, sollte heute Abend unbedingt in der Tonhalle Hannover aufschlagen – es lohnt!

Sonntag, 10. September 2017:
Simone Weißenfels Trio, Tonhalle Hannover, Fischerstraße 1A, 30167 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 15 Euro, ermäßigt: 10 Euro

(Foto: Pressefoto/Tonhalle Hannover)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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