Marcel Seniw
14. September 2017

Spitzenreiter wird nur der HSV!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den Hamburger SV

Einstand nach Maß: In seinen ersten beiden Spielen für Hannover 96 war Jonathas Jesus gleich Gold wert

Eine Sache ist nach dem heutigen Abend-Spiel von Hannover 96 gegen den Hamburger SV jedenfalls sicher: Der kommende Spitzenreiter der Bundesliga-Tabelle wird der HSV sein – zumindest für eine Nacht. Und wenn am heutigen Abend Hannover auf Hamburg trifft, dann spielt der Drittplatzierte gegen den Siebtplatzierten – das ist echt wahr! Der kleine HSV von der Elbe steht natürlich hinter dem großen HSV von der Leine, das versteht sich. Somit muss Hannover 96 morgen Abend zu Hause schon gegen die Hanseaten verlieren, um nicht mit mindestens acht Punkten an der Tabellenspitze zu stehen, was wiederum bedeuten würde, dass Hamburg sich mit neun Punkten an die Spitze setzt. Anreiz genug ist jedenfalls vorhanden, um das Flutlicht-Spiel zu einem schönen Nord-Duell zweier höchstmotivierter Teams werden zu lassen.

Das Wesentliche

So schön die Vorstellung von der Momentaufnahme eines Tabellenführers der Bundesliga aus Hannover auch wäre, so sollten wir die Träumerei vom ballackschen Orakel, welches die Meisterschaft für Hannover 96 als durchaus im Bereich des Machbaren erachtete, dennoch ins Reich der Fabeln schicken und uns auf das viel Wesentlichere konzentrieren: Hannover 96 könnte nach gerade einmal vier Spieltagen ein Viertel Klassenerhalt geschafft haben! Nur darum wird es am heutigen Abend gehen, selbst wenn die Spitzenreiter-Sprechchöre einen gewissen Charme aufweisen würden, wenn es denn zu ihnen kommt. Eine Sache sei aber noch erwähnt: Hannover 96 startete noch nie besser in eine Bundesligasaison, wie in diese. Ehre, wem Ehre gebührt!

Genug der Lobhudelei

Um nun wieder etwas geerdeter mit dem grandiosen Saisonstart der Roten umzugehen, möchte ich aber noch einmal die Transfers von Horst Heldt loben, bevor wir zum Hamburger SV übergehen. Wie Ihlas Bebou die Wolfsburger Hintermannschaft vor der Vorlage von Jonathas Jesus und dem Doppel-Tunnel-Hackentor von Martin Harnik natzte, das war schon ziemlich lässig. Bebou und Jonathas scheinen ebenso wie der Ex-Hamburger Matthias Ostrzolek, Julian Korb und Pirmin Schwegler perfekt ins System Breitenreiter zu passen. Zu früh will ich das eventuell goldene Händchen Heldts nicht in den Himmel heben, aber 96 überrascht mich von Woche zu Woche mehr, denn: Ohne Daniel Didavis Freistoß-Tor stünde 96 schon jetzt an der Tabellenspitze. Der Rückschlag kam, doch die Roten haben umgestellt, ausgeglichen und Wolfsburg schon recht eindrucksvoll bespielt. Respekt.

Schöne Grüße aus Leeds, Klaus!

Kommen wir zum Hamburger SV. Die Hamburger sind ja noch nie um eine schräge Story verlegen gewesen, mag sie einem noch so abstrus vorkommen. Und ich muss wirklich zugeben, dass der kleine hsv mir im letzten Jahr im “Abseits” echt gefehlt hat. Doch leider kann man ihm sportlich – bislang – rien gar nichts vorwerfen. Sechs Punkte nach drei Spieltagen, die Chance auf die zwischenzeitliche Tabellenführung: Es läuft in Hamburg! Und auch wenn ich mich gerne mal dem sogenannten hsv-Bashing anschließe: Witze über Nicolai Müllers Kreuzbandriss beim Torjubel kann man in dieser Kolumne vergebens suchen. Gute Besserung an dieser Stelle! Viel witziger finde ich da schon die Story des “Jahrhundert-Flops” Pierre-Michel Lasogga. Vom Edel-Fan mit der locker sitzenden Kohle, Klaus Michael Kühne, aufs Übelste gedemütigt, blüht Lasogga in Englands zweiter Liga momentan mal so richtig auf. Nach zwei Spielen für Leeds United stehen für PML zwei Tore und drei Assists auf der Habenseite – Kühne muss sich in seiner ganz eigenen Fußballwelt wirklich wohl fühlen.

Mit Aggressivität und Jesus!

Doch auch André Breitenreiter darf sich in seiner Fußballwelt aktuell sehr wohl fühlen. Noch immer gänzlich ungeschlagen in Pflichtspielen, steht er mit seinen Roten kurz vor der Übernahme der Tabellenführung und das gegen einen seiner Ex-Vereine. Zudem stößt der gegen Wolfsburg noch mit einer Kniereizung ausgefallene Pirmin Schwegler wieder in die Startelf, was dem 96-Team nur gut tun kann, verstand er es doch besser als Manuel Schmiedebach, Ruhe ins Mittelfeld von 96 zu bringen. hsv-Trainer Markus Gisdol auf der anderen Seite hat nach der unglücklichen Verletzung von Nicolai Müller nun mit Filip Kostic den nächsten nicht spielfähigen Außenbahnspieler zu beklagen. Doch auch in Bestbesetzung würde es für den hsv kein leichtes Spiel werden. Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe, das dank der Aggressivität der Roten mit einem 2:1-Sieg Hannovers enden wird. Jesus schießt uns an die Spitze!

Freitag, 15. September 2017, 20.30 Uhr:
Hannover 96 – Hamburger SV

(Foto: Кирилл Венедиктов/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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