Marcel Seniw
19. September 2017

Kommt die Euphorie-Bremse?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim SC Freiburg

Droht gegen Freiburg angeschlagen auszufallen: Mittelfeld-Stratege Pirmin Schwegler

Ganze 43 Stunden lang stand Hannover 96 unangefochten auf dem ersten Tabellenplatz der Belle Etage des deutschen Fußballs. Viel mehr braucht es meiner Meinung für den Start in die erste Bundesliga-Saison nach dem Wiederaufstieg auch nicht, denn Hannover 96 sollte sich vielleicht nicht gleich in den ersten Wochen eine Überdosis Höhenluft einfangen. Der Aufsteiger soll sich lieber langsam daran gewöhnen, vor allem, damit sich die Geschichte eines Mannes nicht wiederholt: die von André Breitenreiter. Der SC Paderborn stand unter seiner Regie vor genau drei Jahren auch schon einmal nach dem vierten Spieltag auf dem ersten Platz – und stieg dann ab – bis in Liga drei! Doch aus Fehlern lernt man: Breitenreiter ganz genau so wie seine Mannschaft, die mental sehr stark zu sein scheint. Oliver Kahn soll bei seinem Wettanbieter auch nur noch auf 96 tippen, munkelt man…

Hannover 96 ist überzeugend gestartet

Und tatsächlich: Hannover 96 scheint aktuell nichts aus der Ruhe zu bringen. Das liegt zum einen am bildhaft dargestellten Selbstvertrauen der Spieler, zum anderen aber auch an ihrer Spiel-Intelligenz. André Breitenreiter und sein Co-Trainer Volkan Bulut haben ihre Spieler nicht nur ein Spiel-System verinnerlichen lassen, das weiterhilft, sondern ihnen scheinbar ein kleines Fußball-Handbuch in den Kopf gepflanzt. So kann der Chefcoach auf so gut wie jede Spiel-Situation reagieren. Als die Roten gegen Wolfsburg in Rückstand langen, stellte er das System um und 96 wurde sehr dominant. Gegen den HSV verletzte sich Felipe früh – doch Breitenreiter wechselt nicht etwa einen Verteidiger ein, sondern Stürmer Ihlas Bebou. Zur Halbzeit wurde das System verändert und es folgte eine überzeugende zweite Hälfte: Hannover war am Ende des Tages erstmals seit 48 Jahren Spitzenreiter in Liga eins. Die Frage, die mich aktuell umtreibt, lautet: Wie kann Hannover 96 mit einem Rückschlag umgehen? Mit einer dreckigen Niederlage? Mit einer herben Klatsche, die gegen Dortmund oder Bayern immer im Bereich des Möglichen liegt? Und wenn sich Hannover 96 vielleicht sogar gegen die Granden der Liga behaupten kann? Dann fange auch ich an, daran zu glauben, dass in dieser Saison Aberwitziges geschehen könnte.

Freiburg ist gefährlich

Aber in der Bundesliga gibt es nicht nur die großen Gegner, sondern auch vermeintlich kleine, die unangenehm zu spielen sind. Gegen genau solch einen geht es morgen, wenn der SC Freiburg der Gastgeber ist. Freiburg hat zwar erst vor enigen Wochen die Qualifikation für die Europa League verspielt, aber dennoch wird der SC wohl immer ein kleiner Klub bleiben, bei dem Aderlass, den dieser Verein Jahr für Jahr zu verzeichnen hat. Und deshalb wirkt Hannover beim morgigen Auswärtsspiel schon fast wie ein Favorit, was Breitenreiter gar nicht gefällt: “Als Aufsteiger sind wir in keinem Spiel Favorit, und schon gar nicht auswärts. Klar, wir haben vier Spiele gespielt, in denen wir gut gestartet sind und stehen momentan vor Freiburg, aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Tatsache, dass wir der Aufsteiger sind und Freiburg sich fast für die Europa League qualifiziert hat.” Acht Punkte und 14 Plätze trennen beide Teams vor der Begegnung, doch Freiburg muss so langsam abliefern, wenn die Breisgauer nicht in eine Negativ-Spirale geraten wollen. Und genau das macht sie vor diesem Spieltag so gefährlich.

Kommt die Euphorie-Bremse?

Beim SC Freiburg wird Hannover 96 jedenfalls auf die verletzten Brasilianer Felipe und Jonathas verzichten müssen. Und Mittelfeld-Stratege Pirmin Schwegler ist ebenso fraglich wie Stammkeeper Philipp Tschauner, weshalb der 96-Tross mit 20 Spielern ins Breisgau reist. Was wir von dem Spiel erwarten dürfen? Die Wundertüte schlechthin. Irgendwann muss der Dämpfer für Hannover kommen, irgendwann Freiburg mal einen Dreier holen. Als Aufsteiger sollte 96 einen vermutlichen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt zwar schlagen, doch das gilt andersrum auch für Freiburg. Daher bin ich in dieser englischen Woche etwas vorsichtiger mit meinem Tipp und hoffe dennoch, dass die Euphorie-Bremse noch etwas auf sich warten lässt. Hannover 96 siegt im Breisgau mit 2:1. Die Höhenluft tut uns doch eigentlich ganz gut!

Mittwoch, 20. September 2017, 20.30 Uhr:
SC Freiburg – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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