Susanne Viktoria Haupt
5. Oktober 2017

Proust mit Humor

Die Klassiker einfach mal nicht so ernst nehmen: Comic-Künstler Nicolas Mahler zu Gast im Literaturhaus Hannover

Findet den Witz, wo man ihn kaum erwartet: Nicolas Mahler

Denkt man an Literatur, dann ist Humor eine Facette, die wir weniger mit dem verbinden, was allgemein unter Welt-Literatur oder “lesenswerten Klassikern” verstanden wird, sondern eher mit dem, was als Trivial-Literatur verpönt ist. Ernsthafte Literatur muss ernst sein. Und nur ernsthafte Literatur kann sich global durchsetzen und in den Kanon einziehen. Ganz gleich, ob man beispielsweise bei Franz Kafka ebenso gut lachen kann wie bei Douglas Adams. Kafka ist ernsthaft und daher ist es gehobene Literatur. Punkt.

Eine langweilige Einstellung, wenn ihr mich fragt. Nicht nur, dass diese Einteilung in “gute und schlechte” Literatur einfach langweilig und altbacken ist, denn generell ist es auch dröge, sich nicht humorvoll mit Literatur auseinandersetzen zu wollen. Gerade bei dem Kanon der Welt-Literatur gibt es etliche Steilvorlagen. Einer, der gerne mal einen Klassiker auf die Schippe nimmt, ist beispielsweise der britische Comic-Zeichner und Illustrator Tom Gauld. Jede Woche steuert er einen Comic-Strip zur Literaturbeilage des Guardians bei. Und trifft nicht selten den Nagel genau auf den Kopf. Aber wir müssen gar nicht über den Kanal blicken, um einen guten Comic-Zeichner zu finden, der sich geistreich und humorvoll mit Klassikern der Welt-Literatur auseinanderzusetzen weiß. Nicolas Mahler ist 1969 geboren und lebt in Wien. Er wurde nicht nur als bester deutschsprachiger Comic-Künstler ausgezeichnet, sondern veröffentlicht unter anderem in der FAZ, Die Zeit, NZZ und in der Titanic.

Zum heutigen Abend im Literaturhaus Hannover hat sich Mahler das nicht ganz so einfache Werk “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” von Marcel Proust vorgenommen. Dass Mahler durchaus kein Problem mit Herausforderungen hat, bewies er schließlich schon durch seine Arbeiten zu Robert Musils “Mann ohne Eigenschaften”. Ein Mammut-Werk, dass sich viele für die Pensionszeit aufheben. Aber heute ist nun mal Proust dran, und Mahler wird dem Publikum anhand von Comics zeigen, dass auch in dem Franzosen allerhand Humor stecken kann. Schlussendlich kommt es nämlich immer nur auf den Blickwinkel an. Und natürlich auf das, was der Künstler daraus erschafft. An seiner Seite stehen dafür heute die Literaturwissenschaftlerin Susanne Fischer sowie der hannoversche Autor Dietrich zur Nedden. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche “nach dem verlorenen Proust-Werk”. Das wird heiter!

Donnerstag, 5. Oktober 2017:
“Proust’sche Perioden – In Wort und Bild”, ein Abend mit Nicolas Mahler, Susanne Fischer und Dietrich von Nedden, Literaturhaus Hannover, Literaturhaus Hannover, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 6 Euro

(Foto: Pressefoto/Manfred Werner/Tsui/Literaturhaus Hannover)

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Kategorien: Kunst, Literatur, Tagestipps

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