Henning Chadde
25. Mai 2006

Pottzblitz – Einmal Kreativrutsche und zurück

Im Portrait: Der Comic-Zeichner und Grafiker Patrick Schmitz

Patrick „Pott“ Schmitz mag es doppelbödig, vielschichtig und überraschend. Vor ungefähr sechs Jahren wollte er von Braunschweig aus zu einem Brian Setzer-Konzert nach Hamburg fahren. Zu seinem Pech, aber zum Glück aller Comic-Fans, war dieses jedoch ausverkauft. Zu dumm, wenn man das erst unterwegs erfährt – für Schmitz dennoch kein Problem.

Frankenpott

Mutig: Patrick Schmitz geht auch mit dieser Visage vor die Tür

Als Mann schneller Entschlüsse machte er kurzum in Hannover Halt und setzte einen Großteil seiner Konzertkohle in einem Comicladen um. Danach mietete er sich für das Restgeld ein schmuckes Hotelzimmer in unserer heimeligen Heimatstadt und verbrachte das komplette Wochenende mit Lesen und Biertrinken.

In Hannover auf den „KingKingKongKing“ gekommen

Bei dem geschilderten Inspirations-Tripp der etwas anderen Art ist schließlich ein folgenschwerer Entschluss herausgekommen. Schmitz hatte schon zu Schulzeiten mit derben Lehrerparodien auf sich aufmerksam gemacht, doch nun stand für ihn fest: „Jetzt mach ich mal wieder einen Comic!“ Gesagt, getan. Ein knappes halbes Jahr nach der Offenbarung in Hannover war sein in Eigenregie verlegtes Erstlingswerk „KingKingKongKingComix“ auf dem Markt – gefolgt von „KingKingKongKingRoboComix“.

Beide fanden reißenden Absatz und brachten ihm sogar interessierte Nachfragen aus den USA ein. Allerdings nicht aus Comicfachkreisen. Vielmehr wollten fanatische Anhänger und Sammler des mythenumrankten Riesenaffen wissen, ob denn das Chrysler-Building, von dem sich King Kong dereinst liebestoll in den Tod stürzte, auch in Schmitz’ Werken zu bewundern sei. Lapidar, wie es seine Art ist, antwortete Schmitz nur achselzuckend: „Nö, nicht mal King Kong kommt vor“ und legte den Telefonhörer umgehend auf.

Originalpott

So geht’s auch: Patrick Schmitz mit Maske

Eigentlich fand der 35-Jährige einfach nur den Red Devils-Plattentitel „King King“ ansprechend, war aber der Meinung, dass hier noch irgendein Anhang mit „King Kong“ fehlte. Und so war der Titel für die ersten Comic-Reihen geboren. Dem geneigten Leser wird nun klar, warum Herr Schmitz den Kosenamen „Pott“ mit sich führt. Sei’s drum, sein abgedrehter Humor zeichnet ihn bis heute aus.

Von Menschen, Monstern, Robotern und Affen

Patrick Schmitz hält seine Comics vorzugsweise in schwarz-weiß und bevölkert sie mit den unwahrscheinlichsten Charakteren und Handlungen. Da tummeln sich – als sei es das Normalste der Welt – Slacker, Szenefreaks und Punks munter mit Normalbürgern, biertrinkenden Monstern, Affen und Robotern herum. Da übernehmen Hintergrund-Plots plötzlich die Haupthandlung und die „kleinen“ Figuren am Rande verwandeln sich in die eigentlichen Stars der Szenerie. Doch als gäbe es nichts Einfacheres, führt Schmitz das scheinbare Chaos in einem großen Finale leichtfertig und dennoch tiefgründig wieder zusammen. Ganz so, als sei es das Normalste der Welt. Sein Motto dabei: „Man sollte sich über nichts wundern – einfach nur überraschen lassen“.

Comic-Entwurf "Geschichten aus der verbotenen Stadt"

Eindruckssammler: Potts Figuren haben ihre kleinen Helfer

Ganz ähnlich ist der überzeugte Ex-Braunschweiger, der seit 2004 wieder in Hannover wohnt, vor einigen Jahren auch mal an sein Informatik-Studium in der Landeshauptstadt herangegangen. Er war der Einzige in seinem Semester, der sich strikt weigerte, einen Computer anzuschaffen: „Selbst Taschenrechner waren mir zuwider“, verkündet er mit einem schelmischen Grinsen. Eine Haltung, die er unter keinen Umständen aufgeben wollte, also brach er sein Studium kurzerhand ab, nur um ein neues aufzunehmen: Elektrische Anlagentechnik. Diesmal mit Diplom. Hat ihn aber dennoch nicht vom Hocker gehauen und so arbeitet er heute als Lehrer und Systemadministrator in der Benachteiligtenförderung.

Umtriebig wie er ist, scheint aber auch dies nur eine weitere Station zu sein, denn sein Herzblut schlägt unübersehbar in seinen Comics und grafischen Arbeiten. Nach seinen ersten Erfolgen gestaltete der überzeugte Autodidakt Werbung und Anzeigen (unter anderem für das Punk-Zine OX und das Radio Blast), entwarf Plattencover (aktuell für Murder In The Registry) und Plakate für Bands, Konzerte und Lesungen. Zudem gestaltet er seit diesem Jahr für das Braunschweiger Stadtmagazin „szens“ eine eigene Comic-Strecke und das Cover.

Leader of the FirstRoboticApeChurchOfGermany

Doch damit nicht genug. Zusammen mit dem Schauspieler Roland Kremer ist Schmitz Mitinitiator des Braunschweiger Poetry Slams Lesemühle. Für manche unter uns ist die Welt eben einfach zu klein und so schaffen sie sich ihre eigenen Horizonte. Patrick Schmitz gehört dazu, und mittlerweile weiß der überzeugte Braunschweiger Hannover durchaus zu schätzen: „Unter der Hand hat Hannover viel mehr zu bieten als die subkulturell etablierten Szenen wie die Glocksee oder das Heinz für die es von Außen so gelobt wird“.

Im nächsten Moment fügt der Überzeugungstäter verschmitzt hinzu, dass er ja „schon gerne mal von der Kunst würde leben wollen“ – aber nur, um Hannover wieder schnell zu verlassen und sich „eine Kirche in Meck-Pomm zu kaufen“. Er würde dort die „FirstRoboticApeChurchOfGermany“ gründen: „mit ’nem Roboter am Kreuz!“ Klar, dass die Frage nach Ursprung und Ansatz dieses missionarischen Eifers von Patrick Schmitz umgehend mit einem „Ach, vergiss es, es gibt keinen. Da sind einfach die Kirchen gerade billig!“ beantwortet wird. Und ein Grinsen macht sich breit. Unweigerlich grinst man mit. Herzlich Willkommen im unwahrscheinlichen Wahrscheinlichkeits-Universum des Patrick Schmitz!

Nicht verpassen:

Patrick Schmitz ist am 23. Juni zu Gast auf der langeleine-Release-Party. In einer exklusiven Ausstellung wird eine Auswahl der besten Comics und Grafiken des 35-Jährigen zu sehen sein.

Neue Comic-Serie auf langeleine.de

Ebenfalls im Juni startet Patrick Schmitz‘ neue Comic-Serie „Geschichten aus der verbotenen Stadt“ – auf langeleine.de.

Patrick Schmitz: www.pottzblitz.com

(Foto: Henning Chadde, Comic & Frankenstein-Foto: Patrick Schmitz)

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Kategorien: Kunst, Literatur, Menschen

4 Kommentare

  1. Conny sagt:

    Schöner Bericht!
    Mach weiter so Pott 😉

    Lg Conny

  2. Antje sagt:

    Ein richtig klasse Bericht!
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß bei deinen Sachen und mach schön weiter so….;)
    LG Antje

  3. Paul sagt:

    hervorragend!
    sehr schöner bericht! es geht also langsam richtig los was, pott? freue mich für dich!

    gruß, paule

  4. Lalle sagt:

    Ja wohl alter so muß das sein! Und immer weiter so, Ich hab schon immer ROBO-comix bewundert! gruß Lalle

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