Marcel Seniw
27. Oktober 2017

Voetbal total

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Borussia Dortmund

Steht für brutal effizienten Offensiv-Fußball: BVB-Trainer Peter Bosz

Hat Hannover 96 unter der Woche ein Spiel gehabt? Das muss irgendwie an mir vorbeigegangen sein. Ich kann mich jedenfalls beim besten Willen kaum noch daran erinnern, dass Wolfsburgs Felix Udoukhai gegen Hannover 96 ein Tor geschossen hat, das den HSV aus Hannover aus dem DFB-Pokal kegelte. Vielleicht ist aber auch nicht so wichtig – denn wer ist schon Wolfsburg, wenn am morgigen Samstag der Spitzenreiter aus Dortmund zu Besuch kommt?

Schlechte Vorzeichen

Wenn Hannover 96 auf Borussia Dortmund trifft, gibt es für die Roten leider eher selten etwas zu holen. In den letzten fünf Jahren konnte sich 96 nur einmal als Sieger durchsetzen – sieben Mal gewannen die Schwarz-Gelben aus dem Pott. Aber es gibt Grund zur Hoffnung: Der BVB spielt zwar bislang eine bemerkenswerte Bundesliga-Saison, aber in der Champions League wurde deutlich, wie man Dortmund knacken kann. Natürlich hießen die Gegner dort Real Madrid und Tottenham Hotspur, also Teams, von deren Leistungsvermögen Hannover 96 soweit entfernt ist, wie von einer Meisterschaft. Aber dennoch haben diese Spiele gezeigt, dass man Dortmund mit schnellem und direktem Umschaltspiel den Zahn ziehen kann. Bei Kontern ist die Mannschaft von Peter Bosz irgendwie anfällig, denn die holländische “Voetbal total”-Schule, welche ein gewisser Johan Cruyff prägte, ist seit jeher zwar vorne brutal effektiv, aber in der Defensive etwas wacklig. Zunächst einmal gilt es aber dennoch, die Offensive der Dortmunder zu stoppen. Philipp Tschauner, seine Abwehr und der Rest sollten sich also einen Sahnetag gönnen, denn einen solchen werden sie gegen den Spitzenreiter aus dem Ruhrpott benötigen, wenn sie nicht einen Ball nach dem anderen aus dem Netz holen wollen.

Auch das noch: Harnik fällt aus

Hannovers bester Torschütze, Martin Harnik, kann am Samstag seinem Team nicht mit seinen Toren weiterhelfen: Schüttelfrost und Fieber plagen den Torjäger. Nicht nur aufgrund seiner Tore ist Harniks Ausfall ärgerlich für die Roten, sondern auch, weil Harnik mit seiner Laufbereitschaft und vielen Sprints in der Offensive für Betrieb sorgt und Räume für die anderen Stürmer schafft. Gegen den BVB wird sein Torriecher definitiv fehlen, denn der Österreicher schießt teilweise Tore, wo eigentlich keine Chancen vorhanden sind. Gerade gegen ein Top-Team wie den BVB wäre 96 auf seine Antizipation angewiesen.

Belehrt mich eines Besseren

So weh es mir auch tut: Gegen Borussia Dortmund wird es nichts zu holen geben. Der Tabellenführer ist qualitativ zu gut besetzt, als dass man aus hannoverscher Sicht auf einen Heimsieg tippen könnte. Es muss schon sehr viel zusammenkommen, damit 96 punkten kann, doch ich lasse mich gerne eines Bessern belehren. Im Fußball ist alles möglich, also warum nicht auch ein glücklicher dreckiger Sieg gegen den BVB? Ich bleibe dennoch auf Kurs Spaßbremse und tippe auf eine 1:3-Heimniederlage gegen eine starke Bosz-Truppe. Da kann auch die schwache kurze Ecke von BVB-Torhüter Roman Bürki nichts daran ändern. Voetbal total eben.

Samstag, 28. Oktober 2017, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Borussia Dortmund

(Foto: Светлана Бекетова/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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