Marcel Seniw
3. November 2017

Dann rappelt’s im Bullen-Karton

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei RB Leipzig

Kann sich nur schwer auf Hannover 96 einstellen: Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl

Hätte Hannover 96 Borussia Dortmund vergangene Woche nicht eiskalt mit 4:2 aus der HDI-Arena geschossen, würde die heutige Kolumne wohl der von letzter Woche sehr ähneln. Ich würde davon schreiben, dass der Gegner RB Leipzig dank seiner individuellen Klasse und Tiefe im Kader dem von Hannover 96 weit überlegen sei, dass es bei den Sachsen sehr schwer sein würde, etwas Zählbares mitzunehmen, und dass Philipp Tschauner aufpassen müsse, dass er gegen diesen starken Gegner nicht die Hucke voll kriegt. Doch zum Glück ähnelt diese Kolumne nicht der letzten.

Aufwärtstrend bei Klaus

Zugegeben: Borussia Dortmund durchläuft gerade sein erstes Tief unter dem neuen Coach Peter Bosz, doch auch das mindert den überraschenden Sieg des Aufsteigers gegen das Spitzenteam nicht. Vater des Erfolges war zweifelsohne Trainer André Breitenreiter, der nicht nur mal wieder mit einer neuen taktischen Variante in puncto Formation und Aufstellung überraschte, sondern auch noch Felix Klaus aus dessen Stagnation befreite, in dem er ihn einfach mal zwei Spiele außen vorließ, um ihn dann auf der Spielmacherposition einsetzen und herausragen zu lassen. Neben der treffsicheren Doppelspitze, bestehend aus Jonathas und Ihlas Bebou, war Klaus gegen den BVB der überragende Mann auf dem Platz. Und Oliver Sorg spielte die ungewohnte Position als rechter Innenverteidigung in Breitenreiters 5-3-2 wie ein alter Hase aus der italienischer Schule.

Der Taktik-Guru

Keine Frage: Man kann jetzt schon sagen, dass Breitenreiter ein Taktik-Guru ist, fand er doch bislang zu fast jedem Gegner den richtigen Taktik-Schlüssel. Wer aber nach einer Spielphilosophie in Hannover sucht, wie man sie zum Beispiel aus München, Dortmund oder auch Leipzig kennt, der wird nicht unbedingt fündig. André Breitenreiters Fußballschule lässt sich nicht auf ein Muster festlegen, sondern überrascht jeden Gegner aufs Neue, wie die Worte von Rasenballs Trainer Ralph Hasenhüttl auf der Pressekonferenz vor dem morgigen Spiel bei RB Leipzig belegten: “Eine taktische Vorbereitung ist bei uns fast nicht möglich. Wir müssen andere Tugenden zeigen”. Stattdessen forderte Hasenhüttl seine Spieler dazu auf, Hannover zu stressen und mit Leidenschaft und Kampf dagegenzuhalten. Die Worte könnten allerdings auch der Tatsache geschuldet sein, dass den Bullen zwischen Porto und Hannover kaum Zeit für eine lange Vorbereitung blieb, da Leipzigs Flug aus Portugal sich verzögerte.

Das erste Mal

Hannover 96 trifft erstmalig auf RB Leipzig. Man könnte sagen, ein kippendes “50+1″ trifft auf einen Retortenklub, wenn man ein kritisches Auge auf die Partie wirft. Man kann aber auch den ganzen Bullshit beiseite lassen und einsehen, dass es im modernen Fußball nun einmal derartige Praktiken gibt und wir zahlende Fußballfans daran eigentlich sogar selbst die Schuld tragen. Daher wenden wir uns lieber wieder den schönen Dingen zu, wie zum Beispiel dem kleinen Topspiel des Samstags, in dem der Tabellen-Dritte RB Leipzig den Viertplatzierten Hannover 96 empfängt. Da sich Dortmund und der FC Bayern am Samstagabend im Top-Spiel des Spieltages gegenseitig die Punkte nehmen werden, kann sich der Sieger des Leipzig-Hannover-Spiels zumindest vorübergehend auf Rang zwei vorschieben. Das kleine Top-Spiel ist angerichtet – und zwar mit ausreichend Pfeffer.

Was weiß ich denn?

Wie anfangs bereits erwähnt, hätte hier am Ende der Kolumne wieder von einer Niederlage die Rede sein können, doch wie anfangs erwähnt, kann es auch ganz anders kommen. Was weiß ich schon, wie diese Partie enden wird! Fakt ist: Leipzig verfügt über eine brutale Angriffsmaschinerie, die ein Pressing und Gegenpressing praktiziert, das selbst die Bayern zu ungeahnten Fehlern im Spielaufbau treiben kann. Fakt ist aber auch, dass RB seine letzten drei Spiele verlor – zwei Mal gegen Bayern und einmal gegen Porto, weshalb Ralph Hasenhüttl und seine Mannen nun auf einen Befreiungsschlag warten. Fakt ist aber auch, dass die Roten Bullen auf Leistungsträger wie Abwehrchef Willi Orban und den agilen sowie treffsicheren Franzosen Jean-Kévin Augustin verzichten müssen. Aber die Breite des Bullen-Kaders ist enorm, und wenn Timo Werner neben Youssuf Poulsen stürmt, dann macht das die Sache für die 96-Defensive nicht unbedingt leicht. Die zweitbeste Abwehr der Liga muss also wieder einmal eine Top-Leistung abrufen, dann kann sie auch in Leipzig bestehen. Und wenn Bebou, Jonathas und Klaus wieder so harmonieren und überragen wie letzte Woche, dann rappelt es auch im Bullen-Karton. Mein Tipp an diesem Wochenende: Punkteteilung. Hannover 96 und RB Leipzig trennen sich mit 2:2.

Samstag, 4. November 2017, 15.30 Uhr:
RB Leipzig – Hannover 96

(Foto: Thomas Rodenbücher/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Sports

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