Susanne Viktoria Haupt
10. November 2017

Fünf Tage für das Vergessen

Der Schrecken des Kriegseinsatzes: Das Kino im Künstlerhaus zeigt heute das französische Drama “Die Welt sehen”

Sollen auf Zypern den Alptraum vergessen und können nicht: Aurore (Ariane Labed) und Marine (Soko), Filmplakat “Die Welt sehen”

Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass sich schwere Traumata auf einen Menschen nachhaltig auswirken können. Das kann sogar so weit gehen, dass sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Damit sind jetzt keine kleineren Schreck-Momente gemeint, sondern Situationen, in denen sich ein Mensch seiner Sicherheit beraubt fühlt. Ein Moment, der Lebensgefahr signalisiert. Unbehandelt bleiben die Betroffenen mit einer Fülle an psychischen und auch physischen Folge-Erkrankungen zurück. Angststörungen und Depressionen sind dabei oft nur ein kleiner Teil des Ganzen. Befindet sich ein Mensch sogar über einen längeren Zeitraum in einer Situation, die für ihn Lebensgefahr signalisiert und aus der er selbst nicht ausbrechen kann, dann kann das Ganze sogar chronisch werden. Bei der Behandlung einer chronischen PTBS geht es häufig nicht mehr um die vollständige Genesung, sondern nur noch um die Linderung der Symptome. Ein Trauma kann einen überall ereilen. Es kann beispielsweise durch schwere Unfälle, Naturkatastrophen, Vergewaltigung, Misshandlung, Folter, durch ein anderweitiges Gewaltverbrechen und durch Krieg oder dem Einsatz in einem Kriegsgebiet entstehen.

In dem französischen Film “Die Welt sehen” geht es um eine Gruppe von Soldaten und Soldatinnen, die gerade aus Afghanistan abgezogen wurden. Ihr Dienst ist vorbei, aber die Erinnerungen an die Kampf-Handlungen bleiben. Um sich vor der endgültigen Heimkehr “erholen” zu können, werden sie zur sogenannten Dekompression nach Zypern geschickt. In einem Luxus-Hotel haben sie fünf Tage Zeit, um sich von den Strapazen zu erholen und die fürchterlichen Erinnerungen hinter sich zu lassen. Sie sollen feiern, Sport treiben, am Strand liegen und immer wieder mit psychologischen Fachkräften das Erlebte durchsprechen, um sich in diesem Prozess davon zu distanzieren. So einfach ist das aber leider wirklich nicht. Aurore (Ariane Labed) und Marine (Soko) müssen das sehr schnell erkennen und lernen, dass ihre Sicht auf die Welt nur eine von vielen ist. Obwohl sie sich beide bereits seit ihrer Schulzeit kennen, lassen sich ihre Erinnerungen an die grauenvollen Kriegserlebnisse nicht in Einklang bringen…

Mit viel Feingefühl haben die beiden französischen Regisseurinnen Delphine Coulin und Muriel Coulin mit “Die Welt sehen” einen Anti-Kriegsfilm erschaffen, dessen Geschichte und Blickwinkel bei vielen ehemaligen Soldaten und Soldatinnen auf Zuspruch traf und in Frankreich schnell zum Erfolg lancierte. Zu sehen ist der Film heute im Kino im Künstlerhaus.

Freitag, 10. November 2017:
“Die Welt sehen”, Drama von Delphine Coulin und Muriel Coulin, F 2016, 102 min, OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro

  • weitere Aufführungstermine:
  • Samstag, 11. November, 20.15 Uhr
  • Sonntag, 12. November, 18 Uhr
  • Dienstag, 14. November, 16 Uhr
  • Mittwoch, 15. November, 15.30 Uhr

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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