Henning Chadde
11. November 2017

Die alten Männer sind nicht müde, sie spielen immer noch viel mehr…

Heavy-Psych-Rock as Heavy-Psych-Rock can: Die norwegischen Breitwand-Stylisten Motorpsycho sind heute zu Gast im Kulturzentrum Faust

Ein junger Neuzugang und zwei altgediente Bartträger mit musikalischer Vollzeit-Vision: Motorpsycho

“Never stop a running system!” Diese altgediente Weisheit trifft auf die norwegischen Prog-Psych-Rock-Breitwand-Könige Motorpsycho zu, wie kaum eine andere. Unbeirrbar und dabei schwindelerregend innovativ und entdeckerfreudig basteln sie seit ihrer Gründung im Jahre 1989 an ihrem musikalischen Nachlass und sind trotz – vielleicht aber auch gerade – zwei einschneidender Drummer-Wechsel nunmehr mit ihrem nagelneuen, aktuellen Album “The Tower” und neuem Schlagwerker immerhin schon bei ihrer einundreißigsten soundgewordenen Veröffentlichung angekommen.

Keine Frage, die beiden Mopsy-Köpfe Bent Seather (Bass, Gitarre und Gesang) und Hans “Snah” Magnus Ryan (Gitarre und Gesang) haben eine Vision, die sie stoisch verfolgen. Eine musikalische Lebensaufgabe, die sie ohne Wenn und Aber, ohne Zweifel und ohne Rückschritte vorantreibt. Nachdem nach zehn Jahren hinter dem Schlagzeug ihr langjähriger Wegbegleiter Kenneth Kapstadt die Band zugunsten der ebenfalls in Norwegens Rock- und Jazz-City Trondheim beheimateten Spidergawd rund um den ehemaligen Cadillac-Frontman Per Borton verlassen hatte, befürchteten nicht wenige Fans zumindest eine Auszeit für Motorpsycho. Sind sie doch seit ihrer Gründung Jahr für Jahr unermüdlich quer durch Europa am Mega-Touren und hauen neben unzähligen Seiten-Projekten mit der Verlässlichkeit eines Osloer Uhrwerkes in eben jenem Rythmus eine Neuerscheinung nach der anderen raus. Wobei nicht wenige davon als Doppel- und/oder Konzept-Alben ihre epische Breite voll ausspielen und auch vor Jazz-, Country- un Folk- bis Sixties- und Prog-Einflüssen keinesfalls Halt machen. Im Gegenteil, denn Stillstand gilt nicht. Hier zählt nur der anhaltende Fortschritt und die Horizont-Erweiterung. Nicht selten die eigene der Musiker, da ihre Werke gerade in den letzten zehn Jahren an Komplexität bis hin zum sicher grandiosen, aber auch eben etwas nerdigen Feinstimmertum stetig zugenommen haben. Nicht unbedingt zur Freude der alten Die-Hard-Fans der ersten 90er-Stunden, aber sei es drum. Live ist diese Band nach wie vor ein beeindruckender Überhammer an Intensität, Spielfreude, Improvisation und Überraschungswillen, der seinesgleichen sucht.

So gleicht kein Konzert dem anderen, sondern setzt sich seit Karriere-Beginn durchgehend aus einer sich stets wandelnden Playlist und neuen Songs zusammen. Kein Wunder, bei diesem Output und diesem Füllhorn an Tracks und nicht endenwollenden Ideen. Ein Trademark übrigens, dass die Band oft weit über zweieinhalb bis drei Stunden auf der Bühne agieren lässt. Und ihr obendrein den Titel der besten Live-Band der Welt eingebracht hat. Ein inoffizieller Titel zwar, auf den sich Motorpsycho sicherlich ein hart gekochtes Ei zu pellen wissen, da sie auf szenetypische Ausszeichnungen und Trends seit jeher gelinde gesagt pfeifen, aber dieser Ruf sagt doch einiges über die Energie und den Antriebswillen der Band aus, Musik als absoluten, alleinigen Mittelpunkt ihres Lebens zu bergreifen und voranzutreiben. Respekt, Jungs! Zu begreifen und erleben heute in der 60er-Jahre Halle des Kulturzentrums Faust. Guten Raum-Flug auch!

Samstag, 11. November 2017:
Motorpsycho, Heavy-Progressive-Rock aus Trondheim, Kulturzentrum Faust, 60er-Jahre Halle, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 28 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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