Susanne Viktoria Haupt
27. November 2017

Lebendige Unabhängigkeit

Seitenansicht Spezial: Ein Besuch auf der BuchLust 2017

35 unabhängige Verlage präsentierten sich auf der diesjährigen BuchLust im Literaturhaus Hannover

Die Frankfurter Buchmesse ist leider schon vorbei und auf die Leipziger Buchmesse müssen wir noch etwas warten. Aber die Bedürfnisse von Bibliophilen werden auch in Hannover unglaublich ernst genommen. Bereits seit 24 Jahren findet die BuchLust statt. Denn die BuchLust-Messe ist eine kleine, aber sehr feine Messe für unabhängige Verlage, die ihre Besucherinnen und Besucher alljährlich mit interessanten Lesungen lockt. Für meine beste Freundin und mich gab es daher am vorletzten Wochenende nur ein Ziel: das Literaturhaus Hannover.

Insgesamt präsentierten sich 35 unabhängige Verlage. Darunter auch der Zusammenschluss “SWIPS – Swiss Independent Publishers”, der zwölf schweizerische Verlage umfasst. Aber erst einmal sollte ich vielleicht den Begriff “unabhängiger Verlag” genauer erklären. Ein unabhängiger Verlag ist ein Verlag, der sich nicht an einem Massenerfolg und Umsatz-Maximierung orientiert, sondern losgelöst von Konzernen jenen Büchern einen Raum bietet, die sonst bei den großen Verlagen keinen Platz finden würden. Meistens, weil die großen Verlage keinen oder nur kaum Gewinn durch die Publikation erwarten und daher das Manuskript ablehnen. Man kann also sagen, dass unabhängige Verlage die “Retter*innen” von Büchern sind, die ansonsten wahrscheinlich verloren wären. Das klingt nun sehr danach, als ob Bücher von unabhängigen Verlagen weniger spannend, weniger toll, weniger literarisch wären, weil die “Großen” sie schließlich nicht wollen. Aber dem ist einfach nicht so. Neben einigen Nischen-Themen, die von den großen Verlagen einfach nicht bedient werden, zieht es deswegen Autorinnen und Autoren häufig ganz bewusst zu den Unabhängigen.

Bei den zahlreichen literarischen Schmuckstücken ließ es sich gut stöbern: ein Besuch auf der BuchLust 2017

Das mag für den einen oder die andere auf den ersten Blick gar nicht logisch erscheinen, aber wer sich die Arbeit der unabhängigen Verlage einmal genauer anschaut, der wird schnell erkennen, wo des Rätsels Lösung steckt. Während ich nur zu gerne das oft langweilige und unkreative Cover-Design der großen Verlage bemängeln muss, kann bei den unabhängigen davon gar nicht die Rede sein. Denn hinter den kleinen Verlagen steckt nicht nur der Wille, gute Bücher zu publizieren, sondern eben auch jede Menge pure Leidenschaft für das Medium an sich. Als Vollzeit-Bibliophile kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das Verlagshaus Jacoby & Stuart aus Berlin beispielsweise zog uns mit seiner sagenhaft schönen Ausgabe von “Alice im Wunderland” direkt in den Bann. Die Illustrationen stammen von keinem geringeren als Benjamin Lacombe, einem talentierten französischen Illustrator und Autor. Und das war bei weitem nicht der einzige Augenschmaus an diesem Stand. Aber auch die restliche Messe hatte einiges zu bieten.

Im kommenden Jahr feiert die BuchLust bereits ihr 25jähriges Jubiläum

Der Verlag Edition Moderne lockte uns ebenfalls mit beeindruckenden Illustrationen. Der Verlag aus der Schweiz konzentriert sich auf Graphic Novels und Comics und konnte bei uns richtig gut punkten. Am Stand von Edition Tiamat aus Berlin blieb mein Blick auf dem Buch “Das Seltsame und das Gespenstische” hängen. Diese kulturtheoretische Essay-Sammlung stammt vom Briten Mark Fischer und beschäftigt sich mit all den seltamen, gruseligen und gespenstischen Dingen, die es in der Popkultur nun mal so gibt. Von H.P. Lovecraft bis Stanley Kubrick. Mein literarisches Herz verlor ich jedoch an “Hôtel Je t’aime” von Ralph Günther Mohnnau aus dem Programm des Frankfurter Weissbooks-Verlag. Eine Sammlung unglaublich schöner und poetischer Haikus, die allesamt das Lebensgefühl der 1960er-Jahre in der französischen Hauptstadt aufgreifen. Glaubt mir bitte, wenn ich sage, dass diese Sammlung einen bereits ab Seite eins nicht mehr loslässt!

Zwei Tage lang ging die BuchLust 2017. Schmale vier Euro kostete das Wochenend-Ticket und obendrauf gab es Lesungen, unter anderem von Isabel Fargo Cole und David Constantine. Zu einer Tasse Kaffe und einem Stück Kuchen traf man sich anschließend zu einem netten Plausch mit Gleichgesinnten. Unsere Taschen waren jedenfalls anschließend voll mit Literarischem und unsere “Muss-ich-lesen/haben”-Listen um einiges länger als vor der Messe. Nächstes Jahr feiert die BuchLust übrigens ihr 25.jähriges Jubiläum – und das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Die Seitenansichten werden im kommenden Jahr auf alle Fälle auch wieder verstärkt ein Auge auf unabhängige Verlage werfen!

(Fotos: Pressefotos/Literaturhaus Hannover/Thomas Preikschat (1,2)/Moira Frank (3))

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Kategorien: Literatur, Lokalitäten

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