Susanne Viktoria Haupt
2. Dezember 2017

Blaue Sehnsucht

Beim Liederabend “Ach, das Meer” im Theater an der Glocksee dreht sich alles um das kühle Nass

Mehr Meer kann es in Hannover kaum geben: “Ach, das Meer” im Theater an der Glocksee

Es gibt durchaus Menschen, die dem Meer nichts abgewinnen können. Zu blau, zu nass. Vielleicht lieben sie auch einfach eher die Berge. Eigenartigerweise scheint es zwischen Bergen und Meer immer einen gewissen Konkurrenzkampf zu geben. Verschreibt man sich einmal einem dieser beiden Teams, dann ist kein Entkommen mehr möglich. Ein Freund von mir zum Beispiel ist inmitten der französischen Alpen aufgewachsen. Für ihn gab und gibt es nichts schöneres als die Berge. Während einer seiner Besuche in der niedersächsischen Landeshauptstadt mussten wir mehrfach in den Harz fahren. Hannover war ihm auf Dauer einfach “zu flach”. Müsste ich mich selbst in eine dieser Kategorien einordnen, dann würde ich aber wohl doch dem Team Meer beitreten.

Das Meer ist für mich ein durch und durch sehnsuchstvoller Ort. Wenn man im Urlaub oder auf Reisen ist und an einem Meer steht, dann zeigt einem jene weite blaue Unendlichkeit, dass es noch so viel weiter gehen kann. Einfach, dass man auf seiner bisherigen Reise nur ein kleines Stück vom großen Ganzen gesehen hat! Im Mai 2014 stand ich zum Beispiel an der niederländischen Nordsee-Küste. Und auch wenn ich die Tage in den Niederlanden voll und ganz genossen hatte, schweifte mein Blick in die Ferne und ich überlegte, wie es wohl wäre, wenn ich mir jetzt einfach ein Ticket für eine Fähre nehmen würde und nach England rüberschippern würde. 2016 stand ich dann am Hafen von Cardiff in Wales und träumte von den grünen Weiten Irlands. Stehe ich wiederum an der französischen Mittelmeer-Küste, dann denke ich an Korsika. Das weite Blaue scheint wie eine Straße zu sein, die einen irgendwohin führen kann. Und dieses irgendwohin erscheint so aufregend, so abenteuerlich, so neu und so sehnsuchtserfüllend, dass man nicht anders kann, als bereits in Gedanken weiterzureisen…

Und schließlich ist es das, was die Menschen schon seit vielen hundert Jahren tun. Sie bauen Schiffe und fahren zur See. Die Portugiesen und Spanier bereisten seit Ende des 15. Jahrhunderts – wenn auch aufgrund ihrer rücksichtslosen Verhaltensweisen mit fatalen Folgen – Mexiko und Südamerika. Und auch, wenn sie sicherlich von der Suche nach Gold getrieben wurden, mag ich mir gerne vorstellen, dass der ein oder andere auch einfach von jener Sehnsucht getrieben wurde, die die meisten Menschen nun mal verspüren, wenn sie auf ein Meer hinaus blicken. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, warum für so viele Menschen Urlaub einfach bedeutet, irgendwo an einem Meer zu sein. Weil dieses Blau so eng verknüpft ist mit der Sehnsucht. Weil es ein Sinnbild für das Reisen ist. Mal abgesehen davon ist der Blick aufs Wasser auch ganz schön entspannend – und wer einmal wirklich in aller Ruhe den Wellen gelauscht hat, der weiß, wovon ich rede.

Im Theater an der Glocksee dreht sich heute bei dem Liederabend “Ach, das Meer!” alles rund um eben dieses ewige Blau. Eingebettet in eine Rahmenhandlung, die ihren Platz inmitten eines Büros für Reiserücktrittsversicherungen hat, singen die Darstellerinnen und Darsteller Lieder, die erfüllt sind von Geschichten, die nur das Meer schreiben kann. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Sehnsucht, sondern auch um die anderen Seiten des Meeres, wie beispielsweise Umweltverschmutzung, Entdeckungen, Handel, Sklaverei, Tourismus und anderes. Romantik ja, aber die Schattenseiten werden dennoch nicht ausgeblendet. “Ach, das Meer” ist ein Liederabend, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig die Sehnsucht weckt. Es spielen und singen Matthias Buss, Helga Lauenstein, Wassilissa List, Burkhard Niggemeier und Sabine Wewer.

Samstag, 2. Dezember 2017:
“Ach, das Meer!”, Liederabend, Theater an der Glocksee, Glockseestr. 35, 30169 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 9 Euro

  • weitere Aufführungen:
  • Mittwoch, 6. Dezember, 20 Uhr
  • Freitag, 8. Dezember, 20 Uhr
  • Samstag, 13. Dezember, 20 Uhr
  • Mittwoch, 15. Dezember, 20 Uhr
  • Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr
  • Samstag, 20. Dezember, 20 Uhr
  • Mittwoch, 12. Januar 2018, 20 Uhr
  • Samstag, 13. Januar 2018, 20 Uhr
  • Mittwoch, 19. Januar 2018, 20 Uhr
  • Samstag, 20. Januar 2018, 20 Uhr

(Foto: Pressefoto/Theater an der Glocksee)

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Kategorien: Bühne, Musik, Tagestipps

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