Susanne Viktoria Haupt
6. Dezember 2017

Sprache als Spielplatz

Sebastian Zawrel alias Willy Nachdenklich macht auf seiner Buchtour Halt im Béi Chéz Heinz

“Nachdenkliche Sprüche mit Bilder”: Willy Nachdenklich hat das Internet begriffen

Das Jugendwort des Jahres 2017 lautet “I bims”, was so viel bedeutet wie “Ich bin’s” oder “Ich bin es”. Gerade in den vergangenen Monaten sind Ausdrücke wie “I bims” oder auch “vong…her” (was so viel heißt wie “von….her”) immer geläufiger geworden. Zumindest auf Plattformen wie Facebook. So manche Germanisten oder allgemeine Sprachliebhaberinnen bekommen bei solch einer “Verunstaltung” der deutschen Sprache das große Grauen. Wenn wir aber bedenken, dass Sprache nicht nur ein wirklich idealer Spielplatz sein kann, sondern in einigen Bundesländern in der Grundschule das Schreiben zudem immer noch nach Gehör unterrichtet wird, erscheint “I bims” gar nicht mehr so abwegig. Sowieso kann der Umgang mit Sprache eben auch Kunst sein, das wissen wir doch eigentlich ganz genau. Und Kunst muss nicht immer schön sein.

Aber woher kommt “I bims” eigentlich? Der genaue Ursprung kann nicht wirklich rekonstruiert werden, allerdings sind diese Ausdrücke eindeutig vor allem durch eine Facebook-Seite populär geworden: “Nachdenkliche Sprüche mit Bilder”. Auf dieser Seite begann Sebastan Zawrel alias Willy Nachdenklich irgendwann eben genau solche Dinge zu posten. Man kennt es von den Social Media-Plattformen zur Genüge. Irgendwer postet ein eher kitschiges Bild von einem Sonnenuntergang und legt darüber eine vermeintliche Weisheit, die tendenziell nach einem Spruch aus dem Poesie-Album der achten Klasse mit starker Rechtschreibschwäche klingt. Zawrel postete also fröhlich kitschige Bilder und legte wie viele andere flache Weisheiten darüber, die er extra mit ordentlich viel Rechtschreibfehlern versehen hatte. Seine Posts kamen an – und mittlerweile hat die Seite über 350.000 Fans. Vor allem Ausdrücke wie “I bims” und “vong….her” wiederholten sich so häufig, dass sie irgendwann zu geflügelten Begriffen wurden. Dass “I bims” nun auch das Jugendwort 2017 geworden ist, lässt sich auf die pointierten Posts von Zawrel zurückführen, die einfach ein hohes Maß an Viralität erreichten. Das bedeutet nicht, dass die Jugend wirklich so spricht. Sondern einfach nur, dass sie mit diesem Ausdruck gut vertraut ist. Und sicherlich auch, dass sie das Augenzwinkern dahinter ebenfalls versteht!

Sebastian Zawrel, der sich gerne Willy Nachdenklich nennt, hat demnach ein sprachliches Internet-Phänomen ordentlich aufs Korn genommen und es so überspitzt, dass ich persönlich tatsächlich von einer Kunstform sprechen würde. Und Herr Nachdenklich ging noch einen Schritt weiter und hat in eben dieser Kunst-Sprache sogar ein Buch verfasst. Damit ist er momentan in ganz Deutschland auf Tour und macht heute im Béi Chéz Heinz Halt. Es wird also heute besonders nachdenklich, aber auf eine wirklich witzige und unterhaltsame Weise.

Mittwoch, 6. Dezember 2017:
Willy Nachdenklich, Lesung, Béi Chéz Heinz, Liepmannstraße 7b, 30453 Hannover, Beginn: 21 Uhr, Eintritt: 20 Euro

(Foto: Pressefoto/Béi Chéz Heinz)

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Kategorien: Literatur, Medien, Tagestipps

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