Marcel Seniw
9. Dezember 2017

Der Endspurt für 20+x

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim

Im letzten Jahr noch beim Gegner 1899 Hoffenheim im Kader, hat sich Mittelfeld-Stratege Pirmin Schwegler längst als tragende Säule im 96-Team erwiesen

Alle Achtung, Hannover 96. Wie bereits in der letzten Kolumne beschrieben, darf man in München auch mal verlieren – selbst dann, wenn das seit über zehn Jahren quasi immer der Fall war. Doch die 1:3-Niederlage von Hannover 96 bei Bayern München letzte Woche war alles andere als ein Offenbarungseid. Viel mehr war es ein Achtungserfolg des Aufsteigers in der Allianz Arena, auch wenn Coach André Breitenreiter und seine Mannen sich dafür nichts kaufen können. Und wer weiß, wie die Partie verlaufen wäre, hätte Niclas Füllkrug seinen verwandelten Elfmeter nicht wiederholen müssen und danach im zweiten Versuch verschossen.

Welcome back, Charly!

Eine ganz besondere Geschichte lieferte diese Partie dennoch: Es lief die 35. Minute in München. Hannover 96 erhielt einen Eckstoß, die Flanke segelte in den Strafraum, lehrbuchmäßig ans Fünfer-Eck. Der von Verletzungen arg gebeutelte Charlison Benschop gab nach elendig langer Verletzungspause und einigen Einsätzen in Hannovers Reserve-Team sein Startelf-Comeback und stieg fast unbedrängt im Bayern-Strafraum hoch, köpfte den Ball Richtung Sven Ulreichs Tor und platzierte den Ball unhaltbar für den Bayern-Keeper im langen Eck. Benschops zweites Tor für Hannover 96 brachte nicht nur die 96-Fans ins Träumen von einem Punktgewinn, nein, es hatte auch eine höchst emotionale Bedeutung für den Neu-Nationalspieler von Curacao. Charlison Benschop trägt die Rückennummer 35. Und diese Nummer begleitet den bulligen Stürmer bereits durch seine gesamte Fußballer-Karriere, allerdings aus einem sehr traurigen Grund: Benschops Vater verstarb viel zu früh mit gerade einmal 35 Jahren. In Gedenken an seinen Papa trägt Charly nun jene Trikot-Nummer. Dass er ausgerechnet bei seinem Startelf-Comeback gegen den größten Gegner im deutschen Profi-Fußball in der 35. Minute einen Treffer erzielt, war also eine ganz besondere Geschichte für Benschop, Hannover 96 und seinen Fans. Dass er ganz nebenbei eine klasse Partie ablieferte, passte ins Gesamtbild seines Arbeitstages. Welcome back, Charly!

Ausbaufähige Bilanz

Aber genug des Rückblickes, schließlich steht mit der TSG 1899 Hoffenheim ein Gegner vor der 96-Brust, der den Roten nicht unbedingt liegt. Aus 16 Aufeinandertreffen mit den Kraichgauern konnte Hannover nur vier Siege bei zwei Remis und zehn Niederlagen holen. Und für einen fünften Sieg gegen die TSG muss André Breitenreiter ein weiteres Mal eine Topleistung aus seinen Spielern kitzeln, wie vor Wochen gegen die damals noch krisenfreie Dortmunder Borussia. Denn die von Julian Nagelsmann trainierten Hoffenheimer stehen nach dem Freitagsspiel auf dem sechsten Tabellenplatz, mit Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen. Mit einem Sieg über Hannover könnte Hoffenheim auf Rang drei vorrücken, mit einem Sieg der Roten könnten Tschauner und Co. aber auch bis auf einen Zähler an die TSG heranrücken. Und diesen Sieg wünscht sich 96-Präsident Kind, um nach gutem Saisonstart endlich “20+x”-Punkte einfahren zu können und somit über die Hälfte des Klassenerhalts bereits vor der Winterpause klarzumachen. Doch 1899 wird ausgeruht nach Hannover anreisen, trotz des Europapokal-Spieles unter der Woche.

Ausgeruhte Hoffenheimer

Am Donnerstag verabschiedete sich Hoffenheim von seiner ersten Europapokal-Teilnahme überhaupt. Gegen Ludogorez Rasgrad schickte Nagelsmann eine B-Elf auf den Platz, die nur 1:1 spielte, weil ein Handspiel vor dem Ausgleichstreffer nicht geahndet wurde. Hoffenheim hat also auch eine beachtliche zweite Garde aufzubieten, die nun für die Frische der ersten Elf am Sonntag sorgt: Gegen Hannover 96 wird eine ausgeruhte erste Elf auf dem Rasen der HDI-Arena antreten. Wie gesagt: André Breitenreiter wird einen neuen genialen Plan austüfteln müssen, um gegen Sandro Wagner und Co. bestehen zu können. Noch nicht ganz sicher ist, ob der Ex-Hoffenheimer Pirmin Schwegler wieder die Fäden im 96-Mittelfeld ziehen kann und ob Ihlas Bebou wieder den Flügel mit seinem enormen Tempo beackern kann, denn beide Spieler waren zuletzt angeschlagen. Mit Bebou und Schwegler rechne ich den Roten gute Chancen aus, ohne die beiden wäre auch ein Remis schon ein gutes Ergebnis. Daher gibt es diese Woche zwei Tipps von mir: Mit Bebou und Schwegler wird 96 gegen die TSG Hoffenheim mit 2:1 siegen, ohne die beiden mit 1:2 verlieren. Es wird also doch noch eng mit 20+x vor der Winterpause.

Sonntag, 10. Dezember 2017, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – TSG 1899 Hoffenheim

(Foto: xtranews.de/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Sports

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