Susanne Viktoria Haupt
18. Dezember 2017

Girl-Power in den Achtzigern

Seitenansicht: “Paper Girls” von Brian K. Vaughn, Cliff Chiang und Matt Wilson

In “Paper Girls” steckt alles drin, was ein Comic-Hit braucht: Buchcover

Der Gratis Comic Tag ist jedes Jahr etwas besonders Schönes. In aller Frühe reiht man sich mit unzähligen anderen Nerds in die Schlange vor einem Comic-Laden und hält seinen Flyer bereit. Auf diesem Flyer sind alle Comics angegeben, die an diesem Tag zur Verfügung stehen. Einfach schnell drei auswählen und warten, bis Ihr dran seid! Dann dürft Ihr tolle Comics mit nach Hause nehmen. Dieses Jahr hatte ich mir eine Leseprobe von “Paper Girls” geben lassen und war sofort völlig begeistert. So begeistert, dass ich mir sofort den ersten Band mitgenommen habe und ihn bereits auf dem Heimweg durchgelesen hatte. Leider war er so gut, dass ich direkt wieder zurückgehen musste. Wenn ich also sage, dass “Paper Girls” wirklich gut ist, dann zieht das U in gut so richtig lang. Das trifft es am besten.

In “Paper Girls” geht es um die vier zwölfjährigen Mädchen Erin, MacKenzie, Tiffany und KJ im Jahre 1988. Alle vier tragen früh morgens an Halloween die Zeitungen in der fiktiven Vorstadt Stony Stream aus. Daher auch der Name “Paper Girls”. Doch urplötzlich wird die schöne Vorstadt-Idylle von einer Invasion aus der Zukunft heimgesucht. Und schon sind die Mädchen nicht nur mitten im Geschehen, sondern treten auch die größte Herausforderung ihres noch jungen Lebens an. Das Konzept funktioniert in Zeiten, in denen Mysterie-Serien mit einem Retro-Touch, wie beispielsweise “Stranger Things”, unglaublich erfolgreich sind, wirklich hervorragend. Aber nicht nur dank dieses Trends ist “Paper Girls” schon längst der neue Shooting Star am Comic-Himmel.

Autor Brian K. Vaughn hat sein Talent bereits bei der Reihe “Saga” und auch bei “Runaways” bestens unter Beweis gestellt. Die von ihm erschaffenen “Paper Girls” sind echte “Badass Girls”, die allesamt mutig, clever und sogar erfrischend vorlaut sind. Die Jungs von “Stranger Things” könnten sie jedenfalls locker in die Tasche stecken. Auch der Umstand, dass die Mädchen weder in einer bestimmmten Zeit, noch in einem Raum verweilen, bringt die Story gut voran. Für die Illustrationen hat sich Vaughn extra Cliff Chiang herangeholt. Das alterslose Ausnahme-Talent verzierte bereits die Stories von “Wonder Woman”, “Green Arrow” und “Black Canary” und haucht auch den “Paper Girls” echtes Leben ein. Und für die Farben hat man sich Matt Wilson geholt, der bereits den Eisner-Award gewonnen hat. Von 2011 bis 2014 hat Wilson, der zu den bedeutensten Colouristen der Comic-Industrie zählt, bereits mit Cliff Chiang zusammen gearbeitet. Die beiden sind sozusagen ein eingespieltes Team und das merkt man auch.

Wer also Lust auf jede Menge Girl-Power, Mystery, fremde Planeten und Zeitreisen hat, der ist mit der “Paper Girls”-Reihe bestens versorgt. Band 1 und 2 sind bereits auf Deutsch erhältlich und Band 3 kommt just am 20. Dezember kurz vor Weihnachten noch in deutscher Sprache auf den Markt.

Brian K. Vaughn, Cliff Chiang und Matt Wilson: “Paper Girls 1″, 144 Seiten, Berlin Verlag, ISBN-13: 978-3959811408, 22 Euro

“Seitenansicht” erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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