Susanne Viktoria Haupt
12. Januar 2018

Hannovers Game

Im Kulturzentrum Pavillon findet heute das Game-Treff “Pavillon Prison Break” statt

Ein zeitgemäßer Zugang zur Stadtgeschichte: “Pavillon Prison Break”

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um mit Geschichte umzugehen. In der elften Klasse hatte ich beispielsweise einen Geschichtslehrer, der zwar unglaublich nett war, allerdings auch mit einer fürchterlich monotonen, sonoren Stimme gesprochen hat, die selbst den ambitioniertesten Menschen in den Tiefschlaf treiben konnte. Klassischer Frontal-Unterricht ist gerade im Fach Geschichte ohnehin wenig lohnenswert. Geschichte muss erlebbar werden, denn so kann man sich am besten in alte Zeiten hineinversetzen. Und nur so können wir Vergangenes auch besser verstehen. Aber wie kann man Geschichte erlebbar, oder besser gesagt erfahrbar machen? In Museen zu gehen, ist ein weiterer klassischer Weg, aber auch die Erfahrung von Überresten der Geschichte im öffentlichen Raum. Das können Denkmäler sein, die an bestimmte Ereignisse erinnern oder aber auch alte Gebäude, deren heutiger Nutzen nicht immer ihrem Ursprung gleichkommt. Geschichte ist wie ein klassischer Detektiv-Fall. Spuren lassen sich eigentlich immer und überall finden. Um Geschichte also erlebbar zu machen, reicht es eigentlich schon, vor die Tür zu treten.

Das Kulturzentrum Pavillon hat nun einen weiteren und zudem zeitgemäßeren Zugang zur eigenen Geschichte gefunden. Bevor es das Gebäude des Pavillons gab, stand an dessen Stelle das Gerichtsgefängnis Hannover. Der Vollständigkeit halber muss man sagen, dass es, als es 1875 eröffnet wurde, noch das “Königliche Zellengefängnis” war. In diesem Gefängnis wurde beispielsweise der Serienmörder Fritz Haarmann hingerichtet. Ein weiteres dunkles Kapitel war auch die Unterbringungen von NS-Widerstandskämpfern. Einzig ein Denkmal erinnert noch an diese Schrecken. 1963 wurde der Gefängniskomplex abgerissen und der Bereich neu gestaltet. Um diese längt vergangene Zeit sichtbar zu machen, hat ein Team des Pavillons gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Seniorinnen und Senioren und Kulturschaffenden an einem App-Game gearbeitet. Nach langer Arbeit ist die App “Pavillon Prison Break” seit August 2017 kostenfrei in den jeweiligen App-Stores erhältlich und herausgekommen ist auf jeden Fall kein Spiel, bei dem man ruhig auf dem Sofa sitzen kann. In 13 Levels muss man die Beine in die Hand nehmen und samt Smartphone zu den Originalschauplätzen laufen. Heute findet im Pavillon dazu ein Game-Treff statt, bei dem sich die Spielerinnen und Spieler gegenseitig helfen können und obendrein das Entwickler-Team Unterstützung bietet, wenn man einfach feststeckt. Aber denken wir doch einmal über Folgendes nach: Hannover hat sein eigenes Game. Das ist schon ziemlich cool, oder?

Freitag, 12. Januar 2018:
“Pavillon Prison Break”, Game-Treff, Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 16.30 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Pavillon)

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Kategorien: Lokales, Medien, Tagestipps

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