Susanne Viktoria Haupt
6. Februar 2018

Haben wir noch Träume?

Nicht nur Martin Luther King hatte einen Traum: Das Herrenhäuser Forum für Zeitgeschehen wirft einen Blick auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und ihre Folgen

Ein mutiger Visionär und Bürgerrechtler: Martin Luther King Jr.

Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Hautfarbe in unserer Gesellschaft immer noch eine viel zu große Rolle spielt und auch mit Nachteilen verknüpft sein kann. Dafür müssen wir uns ja nur einmal umsehen. Wie viele People of Colour besetzen hierzulande Führungspositionen? Wie viele von ihnen schaffen das Abitur? Und wie oft liegt ein Scheitern nur daran, weil ihnen aufgrund ihrer Hautfarbe deutlich weniger zugetraut wird als ihren Mitmenschen?

Noch viel schlimmer wird das Bild, wenn wir uns nicht mehr auf Deutschland konzentrieren, sondern einen Blick nach Amerika werfen. Immer wieder werden People of Colour in Amerika Opfer von rassistischer Polizeigewalt, die zudem nicht selten tödlich endet. Dunkelhäutige Menschen werden statistisch gesehen häufiger einer Straftat verdächtigt und erzielen seltener einen Highschool- oder College-Abschluss. Daran haben die zwei Amtsperioden von Barack Obama leider auch nicht viel geändert. Am 30. Dezember 2017 verstarb die amerikanische Aktivistin Erica Garner. Todesursache war ein Infarkt aufgrund eines Herzproblems, das durch die Geburt ihres zweiten Kindes entstanden war. Die amerikanische Musikern und Doula Domino Kirke äußerte sich zu Jahresbeginn in einem Instagram-Post zu Garners Tod, in dem sie die prenatale Versorgung farbiger Mütter in Amerika stark kritisierte. Garners Tod stellt für die Inhaberin eines Geburtszentrums eine vermeidbare Tragödie dar. Die Statistiken geben ihr leider Recht. Bei einer farbigen werdenden Mutter besteht eine drei bis viermal höhere Gefahr, dass sie vor, während oder aber in Folge einer Geburt stirbt, als bei einer hellhäutigen.

Der Kampf um Gleichberechtigung und gegen Rassismus ist in den USA ein Thema, das im Grunde genommen bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht. Während des Sezessionskriegs von 1861 bis 1865 war es vor allem die Sklavenfrage, welche die Gemüter erhitzte. Sklavenhaltung war bei Gründung der USA verfassungsrechtlich geschützt. Schon dieser Umstand sagt einiges über den Umgang mit farbigen Menschen aus. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewannen die People of Colour dann eine schillernde Gallionsfigur im Kampf für die Bürgerrechte und gegen Diskriminierung und Unterdrückung: Martin Luther King. King wurde 1929 in die damals noch rechtlich bestehende Rassentrennung hineingeboren, durchlief aber dennoch eine akademische Laufbahn, die ihn zu einem engagierten Baptisten-Pastor werden lies.

Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die farbige Amerikanerin Rosa Parks in einem Bus Platz für einen Weißen zu machen. Parks wurde verhaftet und löste damit die erste gewaltige Protestwelle aus, die auch King aktiv unterstützte. Die damals beginnende Protestwelle ist heute bekannt als amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Zu ihren höchsten Zielen gehörte die Aufhebung der Rassentrennung und die vollständige rechtliche Gleichstellung von Farbigen und Weißen. Zu den prägendsten Ereignissen dieser anti-rassistischen Bewegung gehört vor allem die populäre “I have a Dream”-Rede von Martin Luther King. Gehalten wurde sie am 28. August 1963 in Washington, D.C. vor dem Lincoln Memorial im Rahmen des Marschs auf Washington. Zu diesem Marsch hatten sich über 200.000 Menschen versammelt, die gegen die Rassentrennung demonstrierten. 1968 fiel King einem Attentat zum Opfer. Das Erbe des Friedensnobelpreisträgers wird bis heute gepflegt.

Im Rahmen der Herrenhäuser Gespräche wird nun genauer geschaut, was aus dem einstigen Traum von Martin Luther King und seinen Mitmenschen wurde. Wie viel wurde hinsichtlich der Gleichstellung wirklich erreicht? Wie sehen die genauen Statistiken zur rassistisch motivierten Polizeigewalt aus? Und was hat es mit dem von Polizei-Seite aus gefürchteten Ferguson-Effekt auf sich? Und vor allem: Was kann sich im schlimmsten Falle nun unter dem neuen Präsidenten Donald Trump ändern? “Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung in den USA” ist das Thema des heutigen Vortrags- und Gesprächsabends im Schloss Herrenhausen.

Dienstag, 6. Februar 2018:
“Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung in den USA”, Vortrags- und Gesprächsabend im Rahmen des Herrenhäuser Forums für Zeitgeschehen, Schloss Herrenhausen, Alte Herrenhäuser Straße 3, 30419 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Wikipedia.de/Marion S. Trikosko)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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