Susanne Viktoria Haupt
7. Februar 2018

Zurück zu den Wurzeln

Comedian Özcan Cosar macht sich heute im Pavillon Hannover auf die Suche nach verlorenen Kindheitsträumen

Clevere Comedy mit Tiefgang: Özcan Cosar

Als ich vier Jahre alt war, wollte ich unbedingt Prinzessin werden. Dabei war dieser Wunsch nicht in einer Liebe zu prachtvollen Kleidern begründet, sondern in einer Liebe zu prachtvollen Schlössern. Mein Vater packte mich also ein und wir fuhren zusammen zum Schloss Bückeburg. Für die angemessene Kleidung meinerseits war auch gesorgt und ich trug meine neuen Riemchen-Schuhe aus Lack. Doch anders als gedacht, bereitete mir der Einblick in ein künftiges Prinzessinnen-Leben gar keinen Spaß. Meine Schuhe drückten, ich bekam Blasen an den Füßen und ich weinte. Nach dem Besuch auf Schloss Bückeburg wollte ich auf gar keinen Fall mehr Prinzessin werden und begab mich auf die Suche nach einem neuen Berufswunsch. Mein sehr ambitionierter Berufswunsch als Kind wurde also durch die harte Realität in Form von nicht vorhandenem angemessenem Schuhwerk zerstört. Anschließend wollte ich Vampir werden. Denn Vampire müssen keine unbequeme Kleidung tragen und Rüdiger („Der kleine Vampir“) konnte schließlich sogar fliegen!

Heute möchte ich natürlich kein Vampir mehr werden. Träume und Wünsche habe ich allerdings immer noch. Und sie sind keinesfalls immer operabel. Allerdings wäre der Alltag nur halb so spannend, wenn wir unsere Fantasie und den Kontakt zu unserem inneren Kind vollständig aufgeben würden. Das dachte sich auch der Comedian Özcan Cosar. Auf der Bühne des Pavillon Hannovers begibt sich Cosar daher heute auf eine Reise in die Vergangenheit. Denn genau wie ich und Tausende andere hatte auch er so seine Träume. Und genau wie bei zig anderen Menschen, sind diese auf dem Weg in das Erwachsenen-Leben verlorengegangen. Denn zwischen Vollzeit-Arbeit, ersten Dates, Steuererklärungen und Rentenfonds bleibt nicht viel Zeit zum Träumen. Man müsste im Festhalten von Träumen schon sehr geübt sein. Cosar geht sogar noch einen Schritt weiter und beleuchtet den Umstand, dass wir mehr an die Zukunft denken, als in der Gegenwart zu leben. Das mag jetzt eher alltagsphilosophisch klingen und daher weniger unterhaltsam, aber Cosar versteht sich genau darauf, auch gehaltvollere Themen humorvoll einzubetten. Mit viel schauspielerischem Talent und einer ordentlichen Prise Selbstironie nimmt er das Publikum mit auf eine Reise zur „Old School“. Einem Ort, an dem die Zukunft einfach mal nichts mehr zu melden hat.

Mittwoch, 7. Februar 2018:
„Old School – Die Zukunft kann warten“, Comedy-Show von Özcan Cosar, Pavillon Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 21 Euro, ermäßigt: 18 Euro

(Foto: Pressefoto/Pavillon Hannover/Gianni-D)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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