Susanne Viktoria Haupt
9. Februar 2018

Neues aus Schweden

Die schwedische Band Hater erinnert uns heute im Hafven daran, warum Stockholm und Malmö immer noch mindestens so cool sind wie Manchester und Liverpool

Schweden beweist mal wieder, dass es mehr als Möbel kann: die Indie-Rock-Band Hater aus Malmö

Als ich mich mit einem Baby-Bauch durch die Oberstufe schob, habe ich mich von schiefen Blicken nicht einschüchtern lassen. Schließlich hatte ich dick und fett auf mein T-Shirt – und zwar genau auf Höhe des künftigen Erdlings – „Capitalism stole my Virginity“ geschrieben. Das war ein Songtitel der schwedischen Indie-Rock-Band The (International) Noise Conspiracy und markierte sozusagen die Hochzeit dieser Band und gefühlt auch irgendwie die aller anderen schwedischen Indie-Bands. Eine Mitschülerin war beispielsweise absolut dem Mando Diao-Fieber verfallen und konnte einem mit ihren Hoheliedern auf die Band aus Börlänge sämtliche Lust auf Indie-Rock nehmen. Auch The Sounds aus Helsingborg rockten vor allem zu Beginn der 2000er-Jahre mit Frontfrau Maja Ivarsson sämtliche Bühnen. Direkt aus Stockholm und ebenfalls global erfolgreich sind und waren Friska Viljor. Der Schweden-Rock ergriff uns daher damals wie eine Welle, der man nur schwerlich aus dem Weg gehen konnte. Modisch versuchten die meisten Schweden-Fans daher Fjallraven-Rucksäcke zu Chelsea-Boots zu tragen. Die Mädchen schnitten sich komische Ponys, die Jungen versuchten, sich krampfhaft einen Bart wachsen zu lassen. Und die Haare sollten möglichst aussehen wie die von Mando Diao-Frontman Björn Dixgård. Die (Kunst-)Lederjacke war ebenfalls ein obligatorisches Accessoire. Neben den genannten Bands gab es dann noch weitere wie Peter Björn and John, The Hives oder Shout Out Louds, die für einen wahren Boom sorgten, und wer kein schwedisches Wörterbuch besaß, wurde direkt aus dem magischen Zirkel ausgeschlossen.

Mal abgesehen davon, dass ein Hype eigentlich immer etwas sehr Unterhaltsames hat, waren viele der schwedischen Musik-Importe qualitativ aber auch sehr gut aufgestellt. Zwar kann ich Mando Diao bis heute nichts abgewinnen, aber gegen ein gepflegtes „Hate to say I told you so“ (The Hives) oder „Young Folks“ (Peter Björn and John) habe ich nichts einzuwenden. Selbst die mit dem Hype verbundenen Accessoires können sich bis heute sehen lassen. Und Schweden produziert auch weiterhin sauberen Indie-Rock, der es versteht, die Massen zu begeistern. Wie zum Beispiel Hater aus Malmö. Hater sind ein Mix aus gutem alten Rock-Verständnis und einer bezaubernden Note Indie-Pop, die gerade einen ollen Februar deutlich erträglicher machen kann. Zu Gast sind sie heute Abend im Hafven in der Nordstadt. Der Hafven hat sich bereits seit einiger Zeit als trendbewusste eierlegende Wollmilchsau etabliert und bietet sowohl Möglichkeiten im Bereich des Co-Working als auch im Bereich des Maker Space. Also schmeißt euch in euer bestes Indie-Outfit und bringt Love zum Hater-Konzert.

Freitag, 9. Februar 2018:
Hater, Hafven Nordstadt, Kopernikusstraße 14, 30167 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro

(Foto: Pressefoto/Hafven/Ludvig Hedlund)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Musik, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel