Susanne Viktoria Haupt
11. Februar 2018

Minimal genial

Wirksames Lebensmodell gegen Überfluss und Verschwendung, oder nur ein überflüssiger Trend? Im Pavillon Hannover findet heute ein Ideencamp zum Thema Minimalismus statt

Passend zum Thema zeigt auch langeleine.de bei der Foto-Auswahl Minimalismus: ein schlichtes weißes Quadrat

Man kann ohne jeden Zweifel sagen, dass wir hier in Deutschland größtenteils in einer Überfluss- und Wegwerf-Gesellschaft leben, die sehr konsumorientiert ist. Es gibt beispielsweise Menschen, die sich wirklich immer das neueste iPhone kaufen. Unabhängig davon, ob ihr altes noch funktioniert oder nicht. Es gibt Menschen, die mehr als ein Handy besitzen und dies nicht zwingend aus einem wirklich triftigen Grund. Manch einer besitzt mehr Schuhe, als eine Woche Tage hat. Und auch ich bin keinesfalls frei von Fehlern. Ich besitze mehr Bücher, als das Jahr Tage hat. Dass ich im Gegenzug versuche, meinen Kleidungsbestand möglichst klein zu halten, ist nur ein milder Trost. Und manchmal bin ich etwas neidisch, wenn ich Fotos von meinen Freunden aus Berlin sehe, die alle offenbar so unglaublich spartanisch eingerichtete Wohnungen haben, die nach so viel mehr Stil aussehen. Hier mal ein Sofa im Raum und das war es schon. In der Küche drei Tassen und zwei Teller und dazu ein schlichter Tisch ohne viel drumherum. Aber heute nennt man das ja gar nicht mehr spartanisch, sondern minimalistisch! Besonders Berlin hat sich in den vergangenen Jahren zur Mininmal-Hauptstadt Deutschlands entwickelt.

Minimalismus ist ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren als Gegenbewegung zur Überfluss-Gesellschaft etabliert hat. Um Minimalismus umzusetzen, gibt es ganz unterschiedliche Regelwerke und jeder muss dabei genau das finden, was für ihn am geeignetsten ist. Eine der Faustregeln ist, dass man alles weggibt, was man nicht mindestens einmal im Monat benutzt oder getragen hat. Die Ausnahme sind dabei Saison-Artikel wie beispielsweise ein Wintermantel. Durch einen minimalistisch geführten Haushalt soll man sich deutlich befreiter und unabhängiger fühlen. Und so manch einer treibt den Minimalismus sogar bis ins Extreme und wird zum digitalen Nomaden. Als digitale Nomaden bezeichnet man Menschen, die ein meist multilokales Leben führen, ortsungebunden sind und ihre Arbeit mittels digitaler und portabler Geräte bewältigen. Es gibt beispielsweise durchaus einige Blogger und Journalisten, die als digitale Nomaden unterwegs sind. Alles, was sie besitzen, passt in einen Koffer.

Minimalismus ist aber nicht nur als Gegenbewegung zu betrachten, sondern auch als erkenntniserweiternde Sinnsuche. Wer sich von vielen Dingen trennt, wird sich fragen, was sein Zuhause überhaupt noch zu einem Zuhause macht. Denn meist machen eben auch die Dinge um einen herum ein Gefühl von Heimat aus – und das ist auch gar nicht so schlimm. Wer aber etwas mehr über Minimalismus und die unterschiedlichen Ansätze wissen möchte, der darf es sich heute bei einem passenden Ideencamp im Pavillon Hannover bequem machen. Und auch, wenn man nicht sein ganzes Leben umkrempeln möchte, kann dieser Workshop sicherlich zu etwas mehr Konsum-Bewusstsein führen. Das schadet schließlich keinem.

Sonntag, 11. Februar 2018:
“Ideencamp: Minimalismus”, Pavillon Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 11 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Eike Kastner)

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Kategorien: Tagestipps

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