Susanne Viktoria Haupt
5. Februar 2018

Zwei Seiten einer Medaille

Von Tourismus-Wirtschaft und einem ruhigen Leben: Das Kommunale Kino zeigt heute die Dokumentation „Banana Pancakes and the Lonely Planet“

Regisseur Daan Veldhuizen gelingt ein wertungsfreier Blick auf die Vor- und Nachteile des Tourismus: „Banana Pancakes and the Lonely Planet“

Unsere Welt wird immer kleiner und wir rücken zusammen. Erst vergangene Woche kam eine Bekannte von mir von ihrem Backpacker-Trip aus Costa Rica wieder. Als Landschaftsarchitektin war vor allem die dortige Flora für sie sehr interessant. Ihre Fotos, die sie eifrig in den sozialen Netzwerken teilte, waren ohne jeden Zweifel beeindruckend. Vergangenes Jahr unternahm eine Freundin von mir gemeinsam mit ihrem Verlobten einen Roadtrip durch die USA. Und auch unser sehr geschätzter Chefredakteur Jörg Smotlacha ist nur zu gerne – wenn es sein straffer Terminplan erlaubt – unterwegs und erkundschaftet dabei nicht selten Gebiete, die noch etwas von unberührter Natur haben. Einmal brachte er mir sogar einen echten Vulkanstein mit, der mittlerweile einen festen Platz als Briefbeschwerer hat. Reisen ist zweifelsohne eine wunderbare Angelegenheit, und ich muss mich in diesem Punkt selbst schuldig bekennen. Neben bereits bekannten Orten tut es vor allem Kopf und Seele gut, wenn man irgendwohin reist, wo man noch nie zuvor war. Gerade solche Erlebnisse lassen einen innerlich wachsen. Neue Gerichte, eine andere Kultur, neue Orte, deren Erkundschaftung unsere Sinne so einnehmen, dass an Alltag einfach nicht mehr zu denken ist.

Aber kommen wir noch einmal auf das Backpacking zu sprechen, denn gerade diese Form des Reisens erfreut sich steigender Beliebtheit. Man nimmt einen Rucksack, eventuell einen Mitreisenden und sucht sich ein möglichst weit entferntes Ziel. Ein Land oder eine Region, die wirklich so ganz anders ist als die eigene. Besonders beliebt bei Backpackern sind die Reiseführer der Serie „Lonely Planet“, da sie viele Insider-Tipps beinhalten und zudem von Menschen verfasst wurden, die wirklich selbst vor Ort waren. Kein Schema F also. Diese literarischen Begleiter wollen es den Reisenden ermöglichen, einen sehr einheimischen Blick in die bereisten Region zu gewinnen. Und gerade dies ist eben einer der positivsten und stärksten Trends in der Reise-Kultur: Wir wollen nicht in das klassische Bild des Touristen passen, sondern das Leben vor Ort wirklich begreifen. Eine schöne Sache, da genau dies notwendig ist, um Neues kennenzulernen. Eigentlich.

Keine Frage: Jede Medaille hat zwei Seiten – auch das Reisen. Und diese Thematik steht im Mittelpunkt der Dokumentation „Banana Pancakes and the Lonely Planet“ von Daan Veldhuizen. Im Fokus befindet sich das kleine Dorf Muang Ngoi in Laos. Ein noch relativ unverbrauchter Ort mit zahlreichen spannenden Eigenheiten und Nuancen, die in den vergangenen Jahren aber eben auch Backpacker angelockt haben wie die Motten das Licht. Einige der Dorfbewohnerinnen und -bewohner haben sich voll und ganz auf diesen Trend eingestellt und versuchen mit dem neuen Andrang ganz selbstverständlich Geld zu machen. Daran ist nichts verwerflich. Aber dann gibt es eben auch Bewohner, die sich tendenziell eher in ihrer Ruhe gestört fühlen und eigentlich nur ihr eigenes Leben auf diesem Fleckchen Erde aufbauen wollen. Shai und Khao beispielsweise sind seit ihrer Kindheit befreundet und vertreten jeweils eine der konträren Positonen und reagieren logischerweise sehr unterschiedlich auf die Veränderungen, die die Touristen-Ströme mit sich bringen. Während Shai zeitweise in einer Großstadt lebte und die Neuerungen im Dorf begrüßt, denkt Khao an seine Zukunft als Reisbauer und an die Familienplanung.

Regisseur Veldhuizen macht es in „Banana Pancakes and the Lonely Planet“ geschickt. Denn anders als so manch andere Dokumentation versucht er die Standpunkte möglichst neutral und gleichwertig darzustellen. Eine Methode, welche die Zuschauer nicht belehrt, sondern zum eigenständigen Denken anregt. „Banana Pancakes and the Lonley Planet“ ist heute im Kommunalen Kino im Künstlerhaus zu sehen.

Dienstag, 5. Februar 2018:
„Banana Pancakes and the Lonely Planet“, Dokumentation von Daan Veldhuizen, Laos/NL 2015, 85 Min., OmU., Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 15.30 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

  • weitere Vorstellungen:
  • Dienstag, 6. Februar, 16 Uhr
  • Mittwoch, 7. Februar, 15.30 Uhr
  • Dienstag, 20. Februar, 18 Uhr
  • Mittwoch, 21. Februar, 18 Uhr

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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