Marcel Seniw
9. Februar 2018

“Giftig, griffig und aggressiv”

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den SC Freiburg

André Breitenreiter zeugt dem morgigen Gegner Respekt: Das Spiel gegen Freiburg wird kein leichtes

Was waren das für ereignisreiche Tage, die Hannover 96 seit dem 1:1 beim Hamburger SV hinter sich gebracht hat? Am Montag, als ganz Fußball-Deutschland nach Frankfurt blickte, um das Ergebnis der DFL über den Ausnahme-Antrag von 96-Präsident Martin Kind zur “50 plus 1″-Regel zu erfahren, kam fast aus dem nichts die Meldung, dass 96 den Antrag zunächst ruhen lasse. Am Dienstagabend trafen sich dann Teile der aktiven Fanszene im Béi Chéz Heinz, um über den Stimmungsboykott zu diskutieren und abzustimmen. Und am Freitag unterzeichnete 96-Youngster Linton Maina einen Vertrag bis 2022. Aber der Reihe nach.

Ein Gentleman-Agreement?

Martin Kind und Hannover 96 überraschten am Montag mit dem Ruhenlassen der “50 plus 1″-Regel, schließlich hat sich Kind schon seit einer gefühlten Ewigkeit für die Lockerung dieser Regel, die die Vereine vor “feindlicher” Übernahme schützen solle, eingesetzt – mit Hintergedanken, versteht sich. Doch in Zeiten, in denen ein ausgemachter Mittelklasse-Spieler wie André Schürrle – wir lieben ihn trotzdem für diese eine Flanke im WM-Finale – schon Transfer-Erlöse von über 100 Millionen Euro erzielte und zuletzt dreimal für round about 30 Millionen Euro von Chelsea zu Wolfsburg zu Dortmund wechselte, fragt man sich schon, wie Hannover 96 gute Spieler an die Leine locken soll. In Zeiten, in denen die Bayern schon zur Rückrunde die Meisterschaft feiern können und sich die Engländer minderbemittelte Kicker für 40 Millionen Euro unter den Nagel reißen respektive hin und herschieben, ist die Zeit für ein Umdenken längst gekommen. Der Türöffner dieser Diskussion heißt nun Hannover 96, präziser: Martin Kind. Denn: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will nun einen Diskurs eröffnen, bei dem die Lockerung der ominösen Regel im Vordergrund stehen wird. Doch Vorsicht, liebe DFL: 96 rechnet mit einer zügigen Entscheidung. Sollte diese nicht zustande kommen, könnte Kind vor Gericht ziehen – und die Chancen auf einen Sieg stünden laut Ansicht vieler Experten gar nicht schlecht, dass Kind diesen Rechtsstreit gewinnt. So, wie es nun gekommen ist, wahren zunächst einmal sowohl die DFL als auch Martin Kind ihr Gesicht. Doch aus diesem – nennen wir es mal – Gentleman-Agreement könnte noch eine Schlammschlacht werden. Warten wir es mal ab.

Endlich wieder Stimmung im Block!

Auf jeden Fall ist eines bemerkenswert: Der Stimmungsboykott hat ein Ende – vorerst. Bis Ende Februar wird die aktive Fan-Szene ihr Team wieder unterstützen, doch danach wird sich wieder zusammengesetzt und der Kurs eventuell korrigiert. Im Beí Chéz Heinz stimmten, welch ironische Wendung, gerade einmal 51 Prozent der rund 500 Anwesenden für ein Ende des Boykotts. Sollten die Verantwortlichen von Hannover 96 den Forderungen der Szene nicht nachkommen, wird es vermutlich wieder mucksmäuschenstill in der Nordkurve. Es geht um 119 Mitgliederanträge, die bewilligt werden sollen, eine fair ablaufende Podiumsdiskussion am 26. Februar sowie darum, dass die Abstimmungen bei der Jahreshauptversammlung notariell beglaubigt werden. Wenn diese Punkte von den Verantwortlichen bei Hannover 96 erfüllt werden, dann bleibt die Stimmung im Stadion erhalten, wenn nicht dann gibt es auchg danach wieder Stille.

Talent langfristig gebunden

Und dann auch noch das: Hannover 96 hat seinen nächsten Noah Sarenren Bazee in Linton Maina gefunden, wobei zu hoffen bleibt, dass dessen Körper den Belastungen des Profifußballs besser standhält als der von Bazee. Im letzten Testspiel vor dem Rückrunden-Auftakt gegen den SC Paderborn spielte Maina eine Halbzeit lang – und trug sich prompt in die Liste der Torschützen ein. André Breitenreiter gibt seinem Youngster die Chance, sich langsam zu entwickeln, will ihn nicht verheizen. Und dass “Breite” ein Händchen für Talente hat, wissen wir spätestens seit seiner Entdeckung eines gewissen Leroy Sané, den Schalke inzwischen für 50 Millionen Euro nach Manchester verkauft hat. Der 18-jährige Linton Maina könnte zum nächsten Kronjuwel der Roten nach Waldemar Anton werden – laut Vertrag hat er dafür bis ins Jahr 2022 Zeit.

Kein Selbstgänger

Bei all den spannenden Entwicklungen rund um unseren hannoverschen Vereindarf der kommende Gegner SC Freiburg natürlich nicht zu kurz kommen, denn das wäre den Breisgauern nicht würdig. Der Sportclub ist immerhin seit neun Spielen ungeschlagen, hatte zuletzt Borussia Dortmund im Signal Iduna Park an den Rand einer Niederlage gedrängt – unter anderem durch ein absolutes Traumtor von Nils Petersen aus gut 40 Metern. Und auch gegen Bayer Leverkusen erspielten sich die Mannen von Trainer Christian Streich zuletzt ein respektables 0:0. Man sieht schon: Dieser Gegner wird keine Laufkundschaft in der HDI-Arena sein. Breitenreiter warnt Mannschaft und Fans vor einem guten Gegner:”Das wird kein Selbstgänger morgen. Wer glaubt, das sei ein leichter Gegner, der hat nichts verstanden”. Außerdem attestierte der 96-Coach den Freiburgern, dass sie “griffig, giftig und aggressiv” seien. Die Ausgangslage für ein gutes Spiel scheint gelegt: Doch Hannover 96 wird morgen nach einer Niederlage und einem Remis wieder einen Sieg einfahren. Vielleicht dreckig, vielleicht durch einen doppelten Füllkrug, der den Petersen-Treffer damit wettmacht, aber vor allem durch eine Sache: nach vorne gepeitscht von den Fans im Rücken. Hannover wird Freiburg mit 2:1 besiegen.

Samstag, 10. Februar 2018, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – SC Freiburg

(Foto: Thomas Rodenbücher/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Sports

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