Sebastian Albrecht
30. März 2018

Ein Refugium für den Trash

Hannover hat seit Anfang dieses Jahres ein neues Kino, das Lodderbast. Trash-Film-Fans kommen heute Abend mit “Captain Cosmotic” auf ihre Kosten

Captain Cosmotic

Macht richtig, was Tim Burtons “Batman & Robin” falsch gemacht hat: “Captain Cosmotic”, Filmplakat

Diesen neuen Ort kann man sich mal merken, doch eigentlich handelt es sich bei dem Lodderbast weniger um ein Kino, als vielmehr um einen “Kulturkiosk”, wie Wiebke Thomsen sagt, die das Lodderbast zusammen mit ihrem Mann Johannes ins Leben gerufen hat. Und so erwartet die geneigten Cineasten hier auch kein riesiger Gebäude-Komplex mit zehn verschiedenen Kino-Sälen und 3D-Spektakel. Mit zwanzig Plätzen und einer sechs Quadratmeter großen Leinwand ist das Lodderbast überschaubar und Hannovers kleinstes Kino. Statt der typischen Kino-Sessel sorgen Cocktail-Sessel aus den 50er-Jahren für einen Vintage-Look, die Limonade ist hausgemacht, Bier kann man sich aus dem Kühlschrank nehmen und Popcorn wird in einer kleinen Maschine hergestellt. Auch bunte Tüten dürfen natürlich nicht fehlen.

Das allbekannte Kino-Feeling kommt so zwar nicht auf: Keine klebrigen Sitze, niemand, der sich zehn Minuten nach Film-Beginn an einem vorbeiquetscht, um aufs Klo zu gehen, keine Popcorn-Schlachten und kein Ewigkeiten anhaltendes Geschlürfe der XXL-Cola. Stattdessen muckelige Wohnzimmer-Atmosphäre und die ausdrücklich gewünschte Möglichkeit, das Lodderbast auch als Ort der kulturellen Kommunikation untereinander zu begreifen. Bei einer Handvoll Leute, mit denen man gemeinsam einen Film schaut, bietet es sich natürlich an, sich auch über den Film auszutauschen.

Nicht unwichtig ist natürlich auch die Film-Auswahl selbst, denn so famos eine Lokalität auch sein mag, ein Kino steht und fällt immer noch mit seinem Programm. Und das bewegt sich zwischen exzellent und Trash, wobei Film-Freunde zurecht anmerken dürften, dass beides sich nicht ausschließen muss. Wer nur mit bombastischen Hollywood-Actionfilmen etwas anfangen kann, wird im Lodderbast wohl eher nicht sein zu Hause finden. Wer sich jedoch auch abseits des Mainstream-Kinos wohl fühlt, wird so manche Perle entdecken können: “Birdman”, “Machete”, “Bella e Perduta” und “Sharknardo” sind nur einige der bereits gelaufenen Filme.

Eine deutsche Superhelden-Parodie

Momentan zeigen Wiebke und Johannes Thomsen eine Jim-Jarmusch-Retrospektive mit Kleinoden wie “Down by Law” und “Mystery Train”. Und auch für den heutigen Karfreitag ist etwas Besonderes angesagt, nämlich ein deutscher Trash-Film vom Feinsten: “Captain Cosmotic”, eine Superhelden-Parodie von Thilo Gosejohann. Um den Planeten Lugosi einzunehmen, muss der finstere Berator, Herrscher des Planeten Karloff, der Erde den Kern absaugen, was als Kollateralschaden den Untergang der Erde zu Folge haben könnte. Ausgerechnet der glücklose Küchenartikel-Verkäufer Dieter Parker (Jan-Hendrik Meyer) aus Gütersloh ist dazu auserkoren, als Captain Cosmotic die Erde zu retten. Ihm zur Seite steht Dietlind Abate-Fetel (Catrin Hansmerten) aka Powerbitch.

Die schräge Story ist eigentlich schon Grund genug, heute Abend im Lodderbast vorbeizuschauen, aber es geht noch besser: Regisseur Thilo Gosejohann selbst wird bei der Vorführung seines Filmes zu Gast sein, eine Gelegenheit, die sich eigentlich kein Fan des gepflegten Trashs und des dem Genre äußerst zugeneigten Regisseurs entgehen lassen sollte, der mit Filmen wie “Operation Dance Sensation” (mit Anke Engelke und Bela B.) und eben “Captain Cosmotic” einige Highlights des deutschen Films jenseits des Mainstreams gedreht hat. In so kleiner Runde sicherlich noch eine Spur interessanter. Wegen der begrenzten Sitzkapazität sollten Tickets aber durchaus vorab reserviert werden.

Freitag, 30. März 2018:
“Captain Cosmotic”, Spielfilm von Thilo Gosejohan, D 1998, 90 min, Lodderbast, Berliner Allee 56, 30175 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 8 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Lokalitäten, Tagestipps

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