Susanne Viktoria Haupt
11. April 2018

Humans of Hanover

Hier erzählen die Details ganze Geschichten: Die Galerie für Fotografie zeigt ab heute die Arbeiten von Maziar Moradi

Hannover funktioniert auch als Filmstill: Fotografie von Maziar Moradi

Seit einigen Jahren gibt es dieses wunderbare Konzept des “Humans of…”. Angefangen hat alles mal mit “Humans of New York” und mittlerweile hat jede größere Stadt ihren ganz eigenen “Humans of…”-Instagram-Account. Dabei werden Bilder von Menschen aus der jeweiligen Stadt veröffentlicht und ihre Geschichten dazu gepostet. Manchmal sind sie traurig, manchmal schrecklich, manchmal auch einfach nur schön. Je nachdem, wen man eben vor sich hat. Das Schöne an diesem Konzept ist, dass es sich auf die Humans, also auf die Menschen bezieht. Es geht eben nicht um “Deutsche” in Paris oder um “Türken” in Berlin. Denn die beteiligten Menschen werden als das dargestellt, was sie sind. Als Menschen mit bewegenden Geschichten.

In der Galerie für Fotografie in der Eisfabrik sind ab heute die Fotografien des Berliner Fotografen Maziar Moradi zu sehen. Moradi bekam von der HannoverStiftung das Stipendium “Hannover Shots” zugesprochen. Für diese Bilder-Strecke begab sich Moradi immer wieder nach Hannover und legte anders als die Köpfe der “Humans of…”-Fotografen sein Augenmerk auf Menschen aus anderen Kulturen und Ländern. Und noch etwas unterscheidet seine Arbeit von dem von mir vorangestellten Konzept. Die von ihm portraitierten Menschen erzählen ihre Geschichten nicht mit Worten, sondern lassen diese bei Moradis Ausstellung “Right here, right now” durch kleine Details im Bild selbst für sich sprechen. Zwar geht es innerhalb dieses Projekts eben ganz und gar nicht um “Deutsche”, aber eben um Menschen, die vielleicht auch nicht immer obkjektiv und individuell betrachtet werden. Menschen, die um Akzeptanz und Respekt innerhalb unserer Gesellschaft zu kämpfen haben. Für deren Geschichte so manch einer vielleicht taub ist, weil er nur den Migranten vor sich sieht.

Es sind vor allem die Details, die in Moradis Fotografien die Geschichten erzählen

Maziar Moradi macht diese Geschichten sichtbar und verleiht den von ihm dargstellten Menschen nicht nur eine außergewöhnliche Würde, sondern auch eine künstlerische Facette. Manche seiner Fotografien gleichen Filmstills und lassen dadurch sogar bekannte Plätze unserer geliebten Landeshauptstadt seltsam surreal wirken. Andere Fotografien sind wiederum schlichte Portraits, aber dadurch nicht weniger beeindruckend. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam. Sie konzentrieren sich auf die Menschen und setzen gezielt Details in Szene, die das Publikum dazu anregen, sich genauer mit der Geschichte der jeweilig Dargestellten auseinanderzusetzen. Eine beeindruckende Foto-Strecke, die es unbedingt zu sehen gilt. Und wer noch mehr in die Arbeit von Moradi eintauchen möchte, der hat Im Rahmen der Ausstellung “Right here, right now” am 29. April dazu die Gelegenheit. Da ist der Fotograf selbst in der Galerie zu Gast und steht Rede und Antwort.

Mittwoch, 11. April 2018:
“Right here, right now”, Foto-Ausstellung von Maziar Moradi, Vernissage, Galerie für Fotografie Hannover, Eisfabrik, Seilerstraße 15d, 30171 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Mai zu sehen
  • Öffnungszeiten: Do bis So 12-18 Uhr
  • Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Galerie für Fotografie/Maziar Moradi)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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