Susanne Viktoria Haupt
14. April 2018

Ein Meister des Portraits

Ab heute zeigt das Museum Wilhelm Busch Arbeiten und Werke aus der Sammlung des deutschen Zeichners und Karikaturisten Harald Kretzschmar

Macht auch vor sich selbst nicht Halt: Selbstportrait von Harald Kretzschmar

Kunst ist nicht objektiv. Das kann sie auch gar nicht sein, denn sie unterliegt immer dem Auge der Betrachterinnen und Betrachter. Selbst eine Fotografie ist nicht objektiv. Sie kann es auf Grund ihrer Format-Beschränkung auch gar nicht sein. Allerdings haben wir an die Künste auch gar nicht diesen Anspruch. Künste können vieles, sie dürfen vieles, sie müssen aber gar nichts. Ihre Ergebnisse müssen nicht mal schön sein. Dennoch gibt es hier und da kleine Indikatoren, die ein gutes Werk ausmachen. Innerhalb der Portrait-Malerei sollte man beispielsweise den portraitierten Menschen erkennen können. Irgendwie. Außer man möchte es ganz abstrakt oder surreal. Je nach Aufgabe des Portraits sollen manchmal auch weitere Anforderungen erfüllt werden. Ein Portrait von einem Regierungschef wird diesen wohl kaum beim Verzehr eines Tacos zeigen. Auch, wenn ich das echt viel cooler finden würde.

In der Karikatur wiedrum ist es nicht nur so, dass der portraitierte Mensch erkennbar sein muss, sondern, dass der Künstler die prägnanten und somit charakteristischen Gesichtsmerkmale herausarbeiten und natürlich überzeichnen muss. Man muss also nicht nur diese eine besondere Sache im Gesicht eines Menschen finden, diese eine besondere Mimik, sondern diese auch noch völlig übertrieben, aber dennoch stilvoll darstellen. Der Karikaturist darf sich dabei auch nicht nur auf seinen eigenen Blickwinkel verlassen, sondern fügt sich meist der kollektiven Betrachtungsweise. Denken wir nur einmal an Winston Churchill und was ihn für uns optisch ausmacht. Dabei werden wir merken, dass wir ziemlich schnell auf einen Nenner von ganz besonderen Merkmalen kommen. So einfach das nun aber auch klingen mag, ist es oft bei weitem nicht. Portraits sind auch in der Karikatur eine schwierige Aufgabe.

Harald Kretzschmar aber darf man problemlos als „Meister des Portraits“ bezeichnen. Der 1931 geborene Künstler versteht es nicht nur, die prägnanten Merkmale eines Gesichts einzufangen, sondern ihnen auch Persönlichkeit zu verleihen. Im Laufe seines Lebens hat er schon zahlreiche Berühmtheiten gezeichnet. Unter anderem Künstler wie Loriot, F.K. Waechter und Ronald Searle. Dass er nicht nur kreativ und talentiert, sondern auch mutig ist, bewies Kretzschmar bereits 1944. Mit gerade mal 13 Jahren fertigte er seine erste Hitler-Karikatur an. Wer hätte sich das in dem Alter und zu der Zeit schon getraut? Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Zeichner und Karikaturist hat sich Kretzschmar aber auch begleitend eine ganz eigene Sammlung aufgebaut. Darunter sind beispielsweise Werke von Honoré Daumier und Leopold Boilly zu finden.

In der neuen Ausstellung „Harald Kretzschmar – Zeichner und Sammler“ zeigt das Museum Wilhelm Busch entsprechend auch Werke anderer Künstler. Diese werden nicht nur ergänzend zu den Portraits von Kretzschmar gezeigt, sondern gehen dank einer Schenkung des ostdeutschen Künstlers auch gleich in die Sammlung des Museums über. Das Museum Wilhelm Busch darf also doppelt feiern. Zum einen die Ausstellung eines so einzigartigen Künstlers wie Harald Kretzschmar, und zum anderen die Werke, die nun ein neues Zuhause gefunden haben.

Samstag, 14. April 2018:
„Harald Kretzschmar – Zeichner und Sammler“, Museum Wilhelm Busch, Georgengarten, 30167 Hannover, geöffnet: 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Juli
  • Öffnungszeiten: Di bis So 11-18 Uhr

(Foto: Pressefoto/Harald Kretzschmar/© Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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