Marcel Seniw
27. April 2018

Reisende soll man nicht aufhalten

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim

Und täglich grüßt das Murmeltier: Bei Hannover 96 bestimmt zurzeit allein der wechselwillige Manager Horst Heldt die Schlagzeilen

Es kehrt einfach keine Ruhe ein bei Hannover 96. Nach der ereignisreichen Jahreshauptversammlung, auf der Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung versagt blieb, wurde 96-Manager Horst Heldt wieder zum bestimmenden Thema bei Hannover 96. Und wieder hatte ein konkurrierender Bundesligist ein Auge auf unseren Rosenkavalier geworfen. Die Kölner Geißböcke lockten den verlorenen Sohn mit Emotionalität, die Wolfsburger Wölfe biederten sich hingegen typisch monetär an. Doch beide Male wurde die Rechnung ohne Onkel Martin gemacht, denn der lässt seinen Hotte nicht so einfach ziehen. Ob das gutgehen kann?

Heldts Preisschild

Aber der Reihe nach. Am Mittwochabend fand ein Geheimtreffen zwischen Horst Heldt und einer Wolfsburger Delegation in Braunschweig statt. Ein guter Ort für unanständige Gespräche! Und beide Seiten schienen dem Vernehmen nach schon einig gewesen zu sein über eine gemeinsame Zukunft, doch der 96-Manager hat halt eben auch noch einen Vertrag – und das rief den 96-Präsidenten auf den Plan. Martin Kind hat den Preis für seinen eigentlich als Geschäftsführer eingeplanten Manager und dessen rechte Hand und Sportlichen Leiter Gerhard Huber auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag festgelegt.

Wolfsburg will nicht zahlen

Diese Ablösesumme hat die Wölfe abgeschreckt. Hannover 96 gab am Donnerstagnachmittag bekannt, dass Horst Heldt weiterhin ein Roter bleibt. Auch der zweite Flirt des 48-Jährigen mit einem Vereinswechsel wurde von Kind einigermaßen stillschweigend geduldet, aber immer unter der Richtlinie “nur gucken, nicht anfassen”. Doch nun scheint es nur schwer vorstellbar, dass aus Heldt und Hannover noch eine Lovestory wird. Das weiß wohl auch der 96-Präsident, der gegenüber dem Sportbuzzer sagte, dass sich das Vertrauen erst wieder aufbauen müsse, nach Köln sei es jetzt schon das zweite Mal.

Heldt gießt Öl ins Feuer

Fakt ist, dass Horst Heldt ein erwiesener Fachmann und noch bis 2020 an Hannover 96 gebunden ist. Doch ich kann es mir nicht vorstellen, dass beide Parteien das Ende dieses Vertrages auch zusammen erleben werden. Horst Heldt mag es freistehen, sich alle Möglichkeiten offenzuhalten. Und irgendwie kann man ihn auch verstehen, wenn man bedenkt, wie viele Störfeuer rund um den Verein Hannover 96 vor sich hinlodern. Doch Heldt trägt mit seinem Verhalten zum Chaos bei 96 bei. Denn er! der eigentlich den Laden zusammenhalten und die Brandherde beseitigen sollte, gießt mit seiner erneuten Wechselposse noch einmal ordentlich Öl nach. Und was passieren kann, wenn man einen Manager, der schon gar nicht mehr voll bei der Sache 96 ist, noch eben einen Saisonübergang verantworten lässt, konnte man am Beispiel Dirk Dufner in Hannover schon am eigenen Leib erfahren.

Man fühlt sich nur noch verarscht

Irgendwie kann man als 96-Fan fast nur hoffen, dass Kind und Heldt sich einen Scherz mit uns und den Wolfsburgern erlauben. Dass dieses zweite Hotte-Wechseltheater nur dazu diente, um die mediale Aufmerksamkeit weit weg von der Jahreshauptversammlung zu lenken. Und dass Horst Heldt schon die nächsten Sanés und Kläuse in petto hat. Doch das ist wohl nur Wunschdenken. Denn die Beziehung zwischen Heldt und Hannover 96 hat einen weiteren Knacks bekommen – und dieser scheint nun wirklich irreparabler Natur zu sein. Aktuell fühlt sich wohl jeder, der es mit 96 hält, von diesem Manager nur noch verarscht, wenn er einerseits die schlechte Stimmung anprangert und andererseits dazu beiträgt. Martin Kind hätte seinem Manager dieses Mal wohl besser keine Rose geben sollen – Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten und Heldts Koffer scheint in Hannover nie so wirklich ausgepackt worden zu sein. Hauptsache, André Breitenreiter kommt nicht auch noch auf komische Gedanken…

Ach ja, die Kraichgauer!

PS: Sorry, liebe TSG 1899 Hoffenheim, aber in dieser Kolumne war einfach kein Platz für euch. Dennoch hoffe ich, dass ihr die verunsicherte Truppe von Trainer Breitenreiter nicht zu hart abschießen werdet. Irgendwie scheint sogar noch ein ekelhaftes Saisonfinale mit Kampf um den Relegationsplatz möglich, denn in Hoffenheim und am letzten Spieltag in Leverkusen sollte man nicht unbedingt mit Punkten rechnen. Berlin zwischendrin sollten die Roten allerdings sicherheitshalber beser besiegen, denn gegen Hoffenheim wird es eine 1:3-Niederlage geben.

Freitag, 27. April 2018, 20.30 Uhr:
1899 Hoffenheim – Hannover 96

(Foto: 9EkieraM1/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Sports

Kommentiere diesen Artikel