Marcel Seniw
4. Mai 2018

Sanés Abschied könnte zum Politikum werden

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das letzte Heimspiel der Saison gegen Hertha BSC Berlin

Unter der Woche erneut Thema bei Hannover 96: die ausbleibende Unterstützung der Fankurve

Eigentlich könnte das letzte Heimspiel von Hannover 96 gegen Hertha BSC Berlin so richtig schön werden. Die Roten hätten zwar schon früher für die ausgelassene Stimmung eines Nichtabsteigers sorgen können, doch schon ein einziger Punkt am Samstag reicht dem vor der Saison von der allgemeinen Fußball-Welt als “Abstiegskandidat Nummer eins” bezeichneten Team von André Breitenreiter für den vorzeitigen Klassenerhalt. Dennoch könnte die Partie wieder für Zündstoff sorgen, der nicht unbedingt nötig ist. Und gemeint ist nicht der eventuelle Showdown am letzten Spieltag, wenn 96 gegen die Hertha verlieren sollte.

Boykott, aber Salif Sané bekommt ein Ständchen

Die aktive Fanszene hat am vergangenen Montag beschlossen, dass sie den Stimmungsboykott auch beim letzten Heimspiel fortsetzen wird – mit Einschränkung. Nach der Partie wolle die Fankurve nämlich lautstark ihren Abwehrchef und Aufstiegsheld Salif Sané verabschieden. Bis hierhin kein Grund für Zündstoff. Doch Dieter Schatzschneiders Aussagen beim NP-Fantalk in der Nordkurve rückten das Ganze in ein anderes Licht. Schatzschneider würde Sané am liebsten nicht zur Kurve schreiten sehen. Und irgendwie kann man seine Worte nachvollziehen, denn die Fans haben der Mannschaft den Support über große Teile der Saison komplett verwehrt – und der Senegalese ist Teil eben jener Mannschaft. Die ausgebliebene Unterstützung geht an den Spielern nicht ohne weiteres vorbei, das kann jeder an den Ergebnissen der Rückrunde ablesen, als die Mannschaft nicht mehr von ihrer Aufstiegs-Euphorie getragen wurde. Und nun soll der Abwehrchef sich alleine feiern lassen?

Die nächste Saison wird schwer

Meine Meinung ist, dass es kaum ein Mannschaftskamerad Sané übelnehmen würde, wenn er sich von der Fankurve verabschieden würde. Der Senegalese hat in Hannover viel erlebt und ihm gebührt ein großer Abschied. Ein Nichterscheinen in der Kurve würde obendrein nur einen weiteren Affront bedeuten, den niemand braucht. Denn die nächste Saison wird ungleich schwerer als die jetzige – und wenn da auch noch die Unterstützung von den Rängen ausbleibt, dann wird es hart für Hannover 96. Darum: Warum sollte Salif Sané denn bitte nicht in die Kurve gehen? Nichts gegen Schatzschneider, erst recht nicht kurz nach seinem 60. Geburtstag, aber dieses Thema sollte man nicht unbedingt mit einer Auge-um-Auge-Mentalität angehen. Der 60-Jährige ist nah dran, hat für den Klub seine Knochen und Birne hingehalten, aber deeskalierende Maßnahmen wären wohl vorteilhafter, als abermals Öl ins lodernde Feuer zu gießen.

Zu viel Unruhe

Gefühlt ging es bei Hannover 96 schon seit Horst Heldts Flirt mit den Geißböcken nicht mehr hauptsächlich um den Fußball. Nur noch Störgeräusche, keine Konzentration auf die gut geleistete Arbeit auf dem Platz. Seitdem ging es mit 96 bergab. Und während der gefühlte Klassenerhalt eben nur gefühlt ist, warne ich noch einmal vor dem Supergau: Hertha BSC Berlin hat noch theoretische Chancen auf die Teilnahme an der Europa League und die Hauptstädter werden die Partie wohl kaum abschenken. Hannover muss deshalb Vollgas geben, um nicht doch noch bei ungünstigem Spieltagsausgang ein Endspiel gegen Leverkusen bestreiten zu müssen. Daher sollten sich wenigstens an diesem Wochenende mal wieder alle aufs Wesentliche konzentrieren, um sich danach vielleicht in Ruhe mit den Störfeuern befassen zu können. Mein Tipp: Hannover 96 schafft mit Mühe ein 1:1 und ist gerettet.

Samstag, 5. Mai 2018, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Hertha BSC Berlin

(Foto: Marcel Seniw)

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Kategorien: Sports

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