Susanne Viktoria Haupt
27. Mai 2018

Gnadenlos gut!

Das Wilhelm-Busch-Museum macht es Hannover mit seinen zwei neuen Ausstellungen deutlich schwer, sich nicht umgehend im Georgenpalais einzufinden

Ver(w)irrt im Brexit-Jungle: Theresa May weiß laut Gerald Scarfe nicht mehr, wo es lang geht

Die Sonne scheint, die Temperaturen schweifen außerordentlich über die 20-Grad-Marke und irgendwie ist schon fast jeder im Sommer-Rhythmus angekommen. Das bedeutet natürlich auch, dass es die Massen immer mehr nach draußen drängt. Lieber Limmern, lieber Grillen, lieber eine Runde auf der Wiese im Park liegen. Das kann ich natürlich absolut verstehen, aber das Wilhelm-Busch-Museum macht es seinem geneigten Publikum immerhin sehr schwer, einen Spaziergang durch den Georgengarten ohne Zwischenstopp durchzuziehen. Und das liegt nicht nur an dem wunderschönen Café im Garten.

Am vergangenen Freitag wurden nämlich gleich zwei neue Ausstellung eröffnet und diese haben es einfach in sich. Gnadenlos gut trifft in diesem Fall den Nagel auf den Kopf. Neben der Ausstellung „Große Nase, dicker Bauch“, die einen spannenden und sehr humorvollen Streifzug durch die Landschaft der Portrait-Karikatur zeigt, darf man sich auf Portraits und Karikaturen von Gerald Scarfe freuen. Der 1936 geborene Brite ist nicht nur international bekannt wie ein bunter Hund, sondern besticht vor allem durch seine pointierten Potraits politischer Größen. Egal ob Theresa May und das Brexit-Drama oder aber der sehr umstrittene US-Präsident Donald Trump – sie bekommen alle von Scarfe ihr Fett weg. Gekonnt setzt er die Mächtigen dieser Welt in Szene und verweist dabei nur zu gerne auf ihre Schwächen. Das mag bei einem Donald Trump natürlich recht einfach erscheinen, aber so herrlich beißend wie Scarfe traut sich kaum einer an den skandalösen Präsidenten heran.

Gerade Fans von Pink Floyd sollte Gerald Scarfe schon lange ein Begriff sein, denn auf sein Konto geht sowohl die Cover-Gestaltung als auch die des Booklets zu ihrem legendären Album „The Wall“. Scarfes Erfolg kommt nicht von ungefähr. Als Kind unterlag er häufiger dem chronischen Asthma und musste immer wieder für längere Zeit das Bett hüten. Vor allem der Zeichenstift war dabei sein treuer Begleiter. Seit 1967 ist Scarfe immer wieder für die Sunday Times unterwegs und unternimmt mit ordentlich Zeichen-Werkzeug Reportage-Reisen. Auch die politische Bühne begleitet er gut ausgerüstet bereits seit Jahrzehnten und verfeinert die Skizzen sowohl von unterwegs wie daheim, damit sie schlussendlich zu jenen pointierten Karikaturen werden, für die ihn seine Fans so sehr schätzen. Im Rahmen der Ausstellung zeigt das Museum einen Querschnitt seiner Werke aus rund 50 Jahren.

Es könnte also äußerst schwierig sein, ungehemmt dem Drang nach Sonnenschein und blauen Himmel nachzugeben und im Georgengarten rumzulümmeln, wenn das Wilhelm-Busch-Museum mit solch großartigen Ausstellungen aufwartet. Allerdings muss auch die sonnengebadete Haut mal zur Ruhe kommen und die wunderbar kühlen Räumlichkeiten des Museums wären dafür einfach ein idealer Ort.

Sonntag, 27. Mai 2018:
Gerald Scarfe, „Portraits & Karikaturen“ und „Große Nase, dicker Bauch – Porträt-Karikaturen von 1700 bis heute“, Museum Wilhelm Busch, Georgengarten, 30167 Hannover, geöffnet: 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellungen laufen noch bis zum 12. August
  • Öffnungszeiten:
  • Di bis So 11-18 Uhr

(Foto: Pressefoto/Gerald Scarfe/© Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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