Henning Chadde
25. Mai 2018

Unkaputtbar in music…

Voll auf die Haltungskante: Der Berliner One-Man-Rocker Henning Sedlmeir spielt heute im Mephisto auf dem Faust-Gelände. Gäste: Fränkie & Fronkh und The Sons of Gehøvenen

Hardrock-Schwager deluxe: Henning Sedlmeir

Henning Sedlmeir hat Haltung. Und Stil. Mit Charme, kalter Aussage-Schnauze und einer gehörigen Tonne Glam-Rock in den Adern. Blut, Schweiß und Tränen? Sex, Drugs and Rock’n’Roll? Lachs und Kaviar mit den Füßen gegessen und dazu eine fesche Hülse Dosenbier gezoscht? Kennt er, kann er, hat er alles schon gehabt. Sedlmeir ist halt Sedlmeir und als solcher mit allen Durchhalte-Wassern des hyperventilierenden Muzak-Zirkus gewaschen. Er zieht einfach unbeirrbar seinen lautstarken One-Man-Band-Stiefel bis weit hinter Meppen durch, veröffentlicht in stoisch-gelassener, beinahe jährlicher Reihenfolge ein Album nach dem anderen und kümmert sich ansonsten um Szene-Trends und -Anbiedereien wie die amerikanische, präsidiale Blondchen-Ente um ihre Glaubwürdigkeit: einen feuchten Kehricht. Space-Pop, Krimi-Rock oder Hardrock-Schlager – nennt es, wie Ihr wollt, Henning Sedlmeir liefert einfach ab und ist auf der Bühne zuhause. Mit Humor, E-Gitarre, Sample-Beats, Trash-Videos im Background, Pyro-Technik und Grandessa-Texten, die es wahrhaftig einfach in sich haben und mehr als nur eine Zuhör- und Nachdenk-Reise wert sind.

Mit seinem aktuellen Album „Fluchtpunkt Risiko“ ist der selbsternannte Hardrock-Roboter aus dem Berliner-Speckgürtel unserer lieblichen Heimatstadt heute im Mephisto auf dem Faust-Gelände zu Gast. Und da passt es sich trefflich, dass er sich zu dieser Sternstunde der lautstarken Trink- und Abtanz-Gemütlichkeit ein paar gute Freunde eingeladen hat, die dem ewigen Aussage- und Durchhaltewillen ebenso zugeneigt sind wie er selber. Da wären zum einen die franko-kanadischen Sturzflug-Kamikaze-Singer/Songwriter Fränkie & Fronkh, die als eineiige Zwillinge in Vancouver im Jahre 1947 das Licht dieser Welt erblickten. Damals traurig: Unglücklicherweise wurden sie kurz nach der Geburt voneinander getrennt und von verschiedenen, kinderlosen Gesichts-Chirurgen adoptiert, die über die Jahre an den jungen Musikern emsig Hand angelegt haben. Heute hingegen ein überaus glücklicher Vorteil, denn so kann man sie bei ihren Auftitten astrein auseinanderhalten. Der eine (Fronkh) knapp zwei Meter groß, mit Bart, der andere (Fränkie) knappe einsfünfundfünfzig, ohne. Die Musik? Spitze!

An ihre Seite gesellt sich wiederum mit The Sons of Gehøvenen ein äußerst exquisites Konglomerat der legendären hannoverschen Swamp-Dirt-Rumpel-Rock-Family Gehøvenen, zu denen sich jeder weitere Kommentar erübrigt. Zu groß, zu geil, zu erfolgreich, viel zu abgehoben. Siehe oben Lachs und Kaviar und so weiter. Und natürlich längst allseits bekannt, zum Beispiel aus der grandiosen Premieren-Show des ZDF-Fernsehgartens aus dem Jahre 1986. Ein erinnerungswürdiger Auftritt, der Fernseh-Geschichte schrieb, schliefen sie doch damals mit ihrer Big Band während des Auftritts ein. Heute aber: Voll fett und mal dichter dran am Publikum als bei ihren üblichen Stadion-Auftritten, spielen sie doch zu gegebenem Anlass nur zu dritt auf und maltätieren neben der Stimme ihres Frontmannes Jay Smotti behände ausnahmsweise nur ein Banjo, zwei weitere Gitarren und ein Schlagzeug. Alles durcheinander. Welch Freude! Denn ansonsten schickt sich die Family of Gehøvenen gerne mal an, mit bis zu sechsundzwanzig Mit-Musikern und Klangkünstlern die Bühne zu entern. Da verliert man ja den Überblick. Heute mal nicht. Oder ganz gewiss erst in der dritten Halbzeit.

Freitag, 25. Mai 2018:
Sedlmeir, Krimi-Rock und Hardrock-Schlager, Gäste: Fränkie & Fronkh und The Sons of Gehøvenen, Kulturzentrum Faust, Mephisto, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 12 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Musik, Tagestipps, Unrat

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